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Kloster Lehnin Pferdehaltung als soziales Projekt
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Pferdehaltung als soziales Projekt
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12:13 18.04.2019
Katharina Niproschke mit ihrem 30 Jahre alten Pferd Genius. Die 51-Jährige betreibt mit ihrem Mann die Fahr- und Reitanlage Emstal. Quelle: JACQUELINE STEINER
Emstal

Auch unwirtschaftliches Verhalten kann glücklich machen, manchmal besonders das. Was Katharina Niproschke in Emstal macht, „ist nicht wirtschaftlich“. Das sagte die 51-Jährige ganz offen. Aber es macht sie glücklich: Katharina Niproschke ist mit Leib und Seele eine entspannte Freizeitreiterin. Diesem Hobby geht die Landschaftsarchitektin in dem idyllischen Dorf von Kloster Lehnin nach –auf ihrem eigenen Reiterhof.

Die Pferde der Fahr- und Reitanlage Emstal stehen ganzjährig auf Weiden und Paddocks. Keine enge Box schränkt ihren Bewegungsdrang ein. Das ist das Konzept der Pächter.

Seit 2016 pachtet sie gemeinsam mit ihrem Mann die Fahr- und Reitanlage wenige hundert Meter vom Ortseingang entfernt. Mittlerweile stehen dort 22 Pensionspferde, sechs weitere Pferde gehören der Berlinerin.

Therapeutisches Reiten auch für Kinder

Künftig soll es dort auch therapeutisches Reiten auf Anfrage geben. „Das passt zu unserem sozialorientierten Projekt und hat meine volle Unterstützung“, sagt Katharina Niproschke. Eine ausgebildete Reittherapeutin hat ihr Pferd bei ihr untergebracht und macht das neue Angebot für Kinder und Erwachsene möglich.

Die Reitanlage, sie ist ein Mini-Jobmotor. Immerhin vier festangestellte Mitarbeiter sind dort beschäftigt, drei Männer und eine Frau. Sie wohnen in der Region, in Paterdamm, Trechwitz und Nahmitz.

Geld für Pacht und Personal

Aus der Region kommen auch die Männer und Frauen, die ihre Pferde dort einstellen. Von dem Geld, das sie für die Versorgung ihrer Tiere zahlen, zahlt Katharina Niproschke die Pacht und das Personal. „Wir müssen davon nicht leben, das hier ist eine Hobbysache. Wir müssen arbeiten gehen, um das hier bezahlen zu können.“ Und: „Wir machen es als kleines soziales Projekt, nicht nur sozial für die Pferde, wir leben das, wir wollen das auch.“

An diesem kühlen Aprilmorgen haben alle Pferde Decken über ihren Rücken. Der Grund: „Wir haben hier viele ältere Pferde und die frieren schneller.“

Hannoveraner und Brandenburger

In drei Gruppen aufgeteilt, stehen die Hannoveraner, Brandenburger, Fjordpferde und Pferde anderer Rassen in ihren großen Paddocks. Offenstall-Haltung nennt sich das Prinzip, ganzjährig stehen die Pferde draußen, es gibt nur Holzschuppen als Unterstellmöglichkeit. „Wir machen das aus Überzeugung.“ Der Stoffwechsel sei so ständig in Anregung. Und Boxen „sind für Pferde Gift. Ein Pferd will sich bewegen.“ Auch in der Natur lebten Tiere in kleinen Gruppen und könnten sich bei Wetterunbilden nur bei Baumgruppen unterstellen. „Sie sind den Naturgewalten ausgesetzt, aber sie haben ihre Schutzunterkünfte.“

Hinter den großen Gattern liegen die Weiden. Viereinhalb Hektar groß ist die Anlage. Es gibt neben den Holzunterständen noch Dauer-Zelte für Heu und Pferdefutter. Früher waren auf der Fläche Spargelfelder, Wiesen, Äcker. Vor gut zehn Jahren baute der Eigentümer Kurt Krollpfeifer eine Mehrzweckhalle für seinen Kutschensport. Die wird nun immer wieder für Veranstaltungen vermietet, für Hundesport oder Schafsichtung und Körung.

Genius ist stolze 30 Jahre alt

Pferdehalter aus der Umgebung können für zehn Euro die Stunde in der Halle reiten. „Wenn ein Kleintierzüchterverein die Halle für eine Veranstaltung anmieten möchte, würden wir sie auch zur Verfügung stellen.“

Genius heißt das mit 30 Jahren älteste Pferd, ein Schimmel und Hannoveraner. Mit einem rauschenden Familienfest feierten die Pächter den runden Geburtstag. Die Ehefrau eines Angestellten hat eine Miniaturreitanlage für Genius und Katharina Niproschke als Geschenk gebastelt einschließlich beleuchteter Blümchen.

Ein Talent allein – das reicht nicht

Wer eine Reitanlage betreiben will, braucht nach Ansicht von Katharina Niproschke mehrere berufliche Talente: mit Tieren umgehen können und mit Menschen, etwas Psychologie und Landwirtschaft und betriebswirtschaftliche Kenntnisse. „Geld drehen können“, so nennt es die gebürtige Berlinerin. Wie nötig das war, zeigte das vorige Dürrejahr.

„Es war katastrophal.“ Die Pferde konnten kaum auf ihre Weiden. „Uns ist die artgerechte Tierhaltung hier wirklich ein Anliegen, so haben wir ein Weidesystem entwickelt, dass trotz des beengten Raumes und des kargen Bodens die Pferde in der Saison gut Weidegang haben.“

Dürrejahr mit Folgen

Doch dann kam das Jahr 2018: „Wir konnten die Pferde nur im April rauslassen, dann hat die Dürre so gegriffen, dass wir reinen Sandboden gehabt hätten auf den Weiden, wenn wir die Pferde darauf gelassen.“ Heu wurde teuer und knapp. Ein Lieferant konnte zur einmal eine Fuhre bringen, dann brauchte er es für seine eigenen Tiere. „Er sagte uns, dass er sonst sein Vieh hätte schlachten müssen.“

Für 2019 hofft Katharina Niproschke auf besseres Wetter: „Aber schon jetzt ist es viel zu trocken.“

Von Marion von Imhoff

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