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Kloster Lehnin Windkraftgegner wollen in die Politik
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Windkraftgegner wollen in die Politik
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13:53 06.03.2019
Günter Rauhut und Waltraud Plarre vom Verein Baumfreunde Kloster Lehnin vor einem Waldstück, dessen Abholzung sie befürchten. Beide kandidieren nun bei den Kommunalwahlen am 26. Mai für den Kloster Lehniner Gemeinderat. Quelle: Marion von Imhoff
Kloster Lehnin

Windkraftgegner haben in der Kloster Lehniner Gemeinderatssitzung am Dienstagabend die Aufkündigung des Vertrages mit dem Windpark-Investor Notus Energy Plan GmbH gefordert. Dieser will im Wald auf der Gemarkung von Lehnin, Bliesendorf und Ferch 36 Windräder errichten. Der Vertrag regelt den Bau von sechs Anlagen.

Das Genehmigungsverfahren liegt derzeit beim Landesumweltamt. Bereits im Juni 2018 hat die Gemeinde einen städtebaulichen Vertrag mit Notus geschlossen. Im Winter stimmten die Gemeindevertreter mehrheitlich jedoch mehrheitlich gegen das Windkraftprojekt. Dennoch hält die Gemeindeverwaltung an dem Vertrag fest.

Volle Zuschauerreihen mit Gegnern von Windrädern am Dienstagabend in der Gemeindevertretersitzung von Kloster Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff

Bürgermeister Uwe Brückner (parteilos) verwies darauf, der Vertrag könne nur bei planungsrechtlich begründeten Bedenken gekündigt werden. Waltraud Plarre, Sprecherin des Vereins Baumfreunde Kloster Lehnin, der seit Monaten Sturm läuft gegen den geplanten Windpark, hielt dagegen: „Wenn öffentliche Belange entgegenstehen, ist das Einvernehmen zu versagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Naturschutz ist ein Grund.“

Sechs Kandidaten für den Gemeinderat

Um ihren Forderungen mehr Druck zu geben, zieht es nun den Verein in die Kommunalpolitik. Sechs Mitglieder treten bei der Kommunalwahl am 26. Mai für die Freien Wähler an. „Mit unseren Kandidaten können wir die halbe Gemeindevertreterzahl stellen“, sagte Waltraud Plarre. Ein paar mehr müssten es aber schon sein, das Gremium hat 22 Sitze.

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner (Mitte) und der Vorsitzende der Gemeindevertretersitzung, Andreas Kuhnert (r.), links Bettina Tonn von der Gemeindeverwaltung. Quelle: Marion von Imhoff

Zu der Sitzung waren fast 20 Windkraftgegner erschienen. Auf der Gemarkung von Göhlsdorf sollen sechs 220 Meter hohe Windräder entstehen. In der Bliesendorfer Heide will der Investor weitere 30 Anlagen bauen. Diese sollen rund 240 Meter hoch sein.

Naturschützer wollen mitmischen

Für den Kloster Lehniner Gemeinderat wollen sechs Mitglieder des Vereins Baumfreunde kandieren. Das teilte Sprecherin Waltraud Plarre mit, die ebenfalls kandidiert.

Die Umweltschützer wollen für die Freien Wähler antreten. Neben Plarre sind es Günter Rauhut, Sandra Leue und Kirsten Storbeck aus Lehnin auch Tilo Schade und der Göhlsdorfer Steffen Kangowski.

Für den Windpark sollen bis zu 20 Kilometer befestigter Weg durch den Wald entstehen. Das jedenfalls befürchten die Umweltschützer.

 

Die Baumschützer furchten um 650 Hektar Wald. Bei einem Vor-Ort-Termin im Naherholungsbereich Lehnins zeigten Vereinsmitglieder Günter Rauhut und Sprecherin Waltraud Plarre Forstbereiche, von denen sie befürchten, dass sie schon für die Zuwegung der Anlagen gefällt werden müssen.

Zigtausende Bäume müssten weichen

„Hier entsteht eine Kurve mit einem Radius von 80 Metern. Der Wald auf dieser Fläche wird abgeholzt“, sagte Rauhut zu einem Waldstück etwa 200 Meter entfernt von dem Lehniner Sportplatz. Dort soll seinen Angaben nach eine drei Kilometer lange befestigte Zuwegung von der Landstraße 86 für Lastwagen quer durch den Wald entstehen zu den Bauplätzen für die Windräder. Der Abstand von Lehnin zu dem ersten Windrad soll etwa drei Kilometer betragen.

Windräder im Wald sind hochumstritten. Immer deutlicher formiert sich Widerstand. Das Bild zeigt Windkraftanlagen in der Nähe des Kandels bei Waldkirch (Baden-Württemberg). Quelle: dpa

Die Baumfreunde fürchten auch um das Naturschutzgebiet Kolpinsee/Schampsee, das an den Windpark angrenzen würde.

Bürgermeister Brückner hat eigenen Angaben nach die „Brandenburger Erklärung“ unterzeichnet. Diese spricht sich gegen Windräder im Wald aus. Kirsten Storbeck, die nun ebenfalls für den Gemeinderat kandidieren will, fragte Brückner: „Ich verstehe nicht, wieso dann der Vertrag nicht gekündigt wird.“

Brückner antwortete, die Erklärung richte sich auf Projekte in der Zukunft. In den vergangenen Jahren sei es Konsens im Gemeinderat gewesen, Windkraft zu fördern. „Deswegen hat die Gemeindeverwaltung den Vertrag unterzeichnet.“ Dann sei die neue politische Meinungsäußerung gekommen, aber dadurch könne ein Vertrag nicht rückwirkend abgewickelt werden.

Von Marion von Imhoff