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Kochschule und Stummfilmabende

Wilhelmshorsterin führt Langerwischs Traditionsgasthaus Kochschule und Stummfilmabende

Die Wilhelmshorsterin Andrea Spehr betreibt jetzt Langerwischs Gasthof „Die Truhe“ – die älteste Gaststätte des Ortes. Die Tradition des Gasthofstandortes reicht laut Ortschronist Johannes Nest bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) zurück. Geplant hatte Andrea Spehr die Übernahme freilich nicht. Der Zufall half mit.

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Andrea Spehr im Gastraum der „Truhe“: Das altehrwürdige Mobiliar ist geblieben. „Das hat so ein schönes Flair, das sollte man nicht verstecken.“

Quelle: Jens Steglich

Langerwisch. Nein, Andrea Spehr hatte nicht den Lebensplan, einmal eine Gaststätte zu führen. „Ich liebe es, Gaststätten zu besuchen. Das ist für mich Entspannung“, sagt sie. Und doch ist es ganz ungeplant passiert: Andrea Spehr, die schon den Fleischerei- und Feinkost-Familienbetrieb in Wilhelmshorst managt, ist jetzt auch eine Gaststätten-Betreiberin. Sie hat nicht irgendein Restaurant übernommen, sie leitet den Langerwischer Traditionsgasthof „Die Truhe“, der vorher ein Jahr leer stand. „Es ist die älteste Gaststätte in Langerwisch. An dem Standort gibt es seit dem Dreißigjährigen Krieg ein Gasthaus“,weiß Ortschronist Johannes Nest. Damals hieß es noch Braukrug, weil Bier hergestellt und ausgeschenkt wurde.

Die Wilhelmshorsterin hätte sich freilich nie auf die Suche nach einem Gasthaus gemacht. Es lag in dem Fall einfach auf dem Weg. „Immer, wenn ich daran vorbeigefahren bin, dachte ich: Schade, dass es leer steht.“ Und dann dachte sie noch: „Wenn ich nicht schon genug zu tun hätte, würde ich es übernehmen.“

Dass es trotzdem dazu gekommen ist, war Zufall. Sie sucht eine Übernachtungsmöglichkeit für einen Musiker, der bei einer Veranstaltung in Neu-Langerwisch auftreten soll. Sie findet ein Zimmer für ihn und die Eigentümerin der Gasthof-Immobilie. Die Eigentümerin, die auch eine Pension führt, ist am anderen Ende der Telefonleitung. „Ich konnte die Frage nicht zurückhalten, was denn mit dem Gasthaus ist“, erzählt Andrea Spehr. Am Telefon erfährt sie, „dass die ’Truhe’ seit zehn Minuten beim Immobilienportal Immonet zur Verpachtung steht“. Kurzfristig wird ein Besichtigungstermin vereinbart, der dem Lebensplan eine neue Wendung geben wird. „Es war ein sonniger Tag, der lichtdurchflutete Gastraum hat mich überzeugt“, sagt sie.

Nachdem alles frisch gemalert und die Küche aufgemöbelt ist, eröffnet sie im Oktober 2016 die „Neue Truhe“. Den Gast erwartet „gutes, regionales Essen, Gemütlich- und Geselligkeit“, sagt die Wilhelmshorsterin, die in der Region bekannt ist als Chefin der Fleischerei & Feinkost GmbH Spehr. Den Betrieb hatte ihr Großvater Alfred Spehr 1930 in Wilhelmshorst gegründet. „Das Frischfleisch transportierte er damals mittels Tragekiepe mit dem Zug von Berlin nach Wilhelmshorst.“

In Langerwisch setzt sie nun eine andere Tradition fort, der sie freilich neue Noten gibt. In der „Neuen Truhe“ kann der Gast nicht nur essen und trinken, dort soll er auch Kultur genießen. Eine Holzterrasse wurde gebaut und eine Holzbühne ist auch noch geplant – für Konzerte und Open-Air-Kino-Abende. Andrea Spehr ist im Gespräch mit Jakob Damms, der in Wilhelmshorst in einer Garage hinter seinem Wohnhaus das wundervolle Kinematographentheater „Cinema mobile“ erschaffen hat. In Damms kleinen Kino erzählt der Filmvorführer noch Geschichten. Dort sind auch Stummfilme zu sehen, die ein Klavierspieler musikalisch begleitet. So etwas ähnliches wünscht sich Andrea Spehr auch zu den geplanten Kinoabenden auf der Holzterrasse des Langerwischer Gasthauses. Es sollen Filmklassiker und Stummfilme gezeigt werden, sagt sie. Für die Kinoabende, die im September starten sollen, will sie und ihr Küchenteam themenbezogene Speisen und Drinks kreieren. Wenn etwa ein französischer Film auf dem Programm steht, gibt es auch französisches Essen. Und beim Streifen „Frühstück bei Tiffany“ wird neben anderen Speisen auch am Abend Frühstückskost serviert.

„Wir sind immer noch in der Entwicklungsphase. Wir lernen mit jedem neuen Monat dazu“, sagt Andrea Spehr. Kultur ins Gasthaus zu holen, hat sie aber schon erfolgreich ausprobiert. Am 31. Mai spielte zum Beispiel das Ensemble der „Kleinen Bühne Michendorf“ den Einakter „Minna Magdalena“ in der „Truhe“. Anfang Juni trat die Band Jazzolution auf. „Es kam so gut an, dass weitere Konzerte in Kürze folgen werden.“

Und wer schon immer mal in einer Gasthausküche Speisen zubereiten oder überhaupt das Kochen lernen wollte, hat in der „Truhe“ auch bald eine Adresse dafür. „Wir planen eine Kochschule“, erzählt die Gasthauschefin, die auf ihr bewährtes Team setzt, das schon die Speisen für das Catering des Wilhelmshorster Feinkostbetriebes zubereitet. Am 11. Juli soll die erste Kochschule stattfinden. Dann können Interessierte mit den Hausköchen ein Fünf-Gänge-Menü herrichten. Nach der jetzt zu Ende gehenden Spargelsaison wird in der „Truhe“ sonntags ab 12 Uhr neben leichter Kost auch der klassische Sonntagsbraten wieder aufgetischt: Rinderschmorbraten oder Schweinekrustenbraten zum Beispiel. Und zum Kaffee am Nachmittag kann man sich demnächst den Langerwischer „Windmühlenwindbeutel“ schmecken lassen. Wie ein Windmühlenwindbeutel aussieht, wird noch nicht verraten.

„Die Küche soll frisch, regional und spontan sein“, sagt Andrea Spehr. „Der Wildkräutersalat wird deshalb nie gleich sein.“ Die Zutaten hängen davon ab, was es auf dem Markt gerade Frisches gibt.

„Das Grundkonzept steht, im zweiten Jahr kommt der Feinschliff“, so die Gasthofchefin, die noch hinzufügt: „Die neue Truhe ist ein Ort der Entschleunigung, an dem man ohne Hast genießen kann. Hektik und Stress soll den Leuten im Gasthaus genommen werden.“

Lange Gasthaus-Tradition

Laut Ortschronist Johannes Nest geht die Gasthaustradition bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zurück. In Nachkriegs-Dokumenten ist von einem „Braukrug“ die Rede.

Früher machten auch die Fuhrwerke Halt. Bis der Verkehrsweg an der heutigen B 2 entstand und den Hauptverkehr anders führte.

Die „Neue Truhe“ ist Samstag, Sonntag und Feiertags ab 12 Uhr geöffnet, Montag, Donnerstag und Freitag ab 17.30 Uhr.

Von Jens Steglich

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