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Kommunalwahl 2014 Die Newcomer aus Nuthetal
Lokales Potsdam-Mittelmark Kommunalwahl 2014 Die Newcomer aus Nuthetal
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11:20 04.06.2014
Musikantenstadl? Mitnichten! Sondern die Bürger für Nuthetal (BFN): Matthias Falk,Wilfried Jahnke, Heinrich Petzold (hintere Reihe; v.l.), ChristianGruber, Ute Lorenz, Bärbel Prudehl (mittlere Reihe), Elvira Schmidt, Janette Schwericke (unten). Quelle: Privat
Nuthetal

Jetzt sind sie zweitstärkste Kraft in Nuthetal, gewannen auf Anhieb fast 20  Prozent der Stimmen und ließen die großen Parteien SPD und CDU hinter sich. Die Akteure der neuen Wählergruppe Bürger für Nuthetal (BFN), von denen hier die Rede ist, sind die Senkrechtstarter der Kommunalwahl. Der plötzliche Erfolg hat sie selbst überrascht.

Warum aber ist diese Bürgertruppe so erfolgreich, die sich programmatisch kaum von den anderen abgrenzte und bei der ersten Vorstellung des Wahlprogramms im März offen bekannte, dass Nuthetal nicht schlecht regiert werde und man sich dort eigentlich ganz wohl fühle? Manchmal sind die Antworten einfach. "Ich glaube, das sind bekannte Leute, die sich im Ort seit langer Zeit engagieren. Wenn man dann noch sympathisch ist, wird man gewählt", sagt SPD-Frontfrau Monika Zeeb.

"Ehrenwerte Bürger"

Nuthetals Grünen-Chef Dirk Hebenstreit spricht von bekannten, im Ort fest verwurzelten, sehr ehrenwerten Bürgern, die da für die BFN antraten und die aus seiner Sicht bei dieser Kommunalwahl einen Riesenvorteil hatten: Sie sind unbelastet von den Konflikten und Schlachten der Vergangenheit gewesen. "Viele Wähler wollten mal was anderes", sagt Hebenstreit ohne Groll über die Mitbewerber, deren Erfolg die bündisgrüne Wählerschaft in Nuthetal fast um die Hälfte schrumpfen ließ.

Die BFN - das sind zum Beispiel Leute wie Wilfried Jahnke, dem Nuthetals Linkenchef Werner Wienert "schon eine Tendenz zum Helden" bescheinigt. Jahnke ist Leiter jenes Bautrupps, der sich "Rentnerbrigade" nennt und maßgeblich an der Rettung der Alten Schule in Bergholz beteiligt war. Viele Stimmen für die BFN holte auch Ute Lorenz, Sprecherin des Unternehmernetzwerkes. Die zupackende Geschäftsfrau hat einen Feinkostladen, in dem sich die Leute auch gern treffen, um Kaffee zu trinken und zu schwatzen. Für die BFN ins Gemeindeparlament ziehen auch Matthias Falk, der in Rehbrücke eine Dachdeckerfirma führt, und Elvira Schmidt, Chefin des Vereins, der sich um Nuthetals Mehrgenerationenhaus kümmert.

Die Lokalpolitik soll nicht allein den Parteien überlassen werden

Jahnke sieht noch einen zweiten Grund für den Erfolg: "Bei uns stand drüber: parteienunabhängig." Die Lokalpolitik soll nicht allein den Parteien überlassen werden, die aus seiner Sicht auch auf lokaler Ebene nicht immer ideologiefrei agieren. Linken-Chef Wienert hält es indes für ein Klischee, dass sich die Leute in Nuthetal von den Parteien abgewendet hätten: "Wenn das unsympathische Leute wären bei der BFN, dann hätten die Menschen sie nicht gewählt." Und: "Es tritt auf kommunaler Ebene keiner an, um reine CDU-, SPD- oder Linken-Politik zu machen. Warum soll es beim Straßenbau linke oder rechte Lösungen geben oder beim Problem mit der Hundekacke?", so Wienert. Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke) hält die neue Kraft für eine Bereicherung, die gut in die politische Kultur Nuthetals passt. "Die Bürger wollen nicht, dass man sich ständig die Köpfe einhaut. Die Probleme sollen sachorientiert gelöst werden." Man müsse bei aller Auseinandersetzung auch Freude dabei haben, "es ist schließlich unsere Lebenszeit", so Hustig.

  • Kommunalwahlen sind vor allem Personenwahlen, was auch die Verteilung der Stimmen in Nuthetal zeigt: Insgesamt traten in der Gemeinde 67 Kandidaten zur Wahl der Gemeindevertretung an.
  • Die neue Wählerinitiative Bürger für Nuthetal (BFN) kam gleich mit drei Bewerbern unter die Top sechs – mit Ute Lorenz (533 Stimmen), Matthias Falk (462) und Wilfried Jahnke (429).
  • Auf Platz eins landete wieder Rehbrückes Ortsvorsteherin Annerose Hamisch-Fischer (Linke; 1496 Stimmen), auf Rang zwei SPD-Fraktionschefin Monika Zeeb (950), drittplatzierter ist der langjährige CDU-Fraktionschef Volker Traberth (561) geworden.
  • Auch in anderen Kommunen haben neue Bürgerbewegungen auf Anhieb bemerkenswerte Erfolge errungen und teilweise auch etablierten Wählerinitiativen Stimmen abgeknöpft
  • In Beelitz etwa kam die neue Kraft „Gemeinsam für Beelitz“ auf 12,3 Prozent der Stimmen, in der Gemeinde Seddiner See schafften die Newcomer von der Wählergruppe „Pro Dorv“ sofort 11,3 Prozent.

Von Jens Steglich

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