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Kommunen spüren politische Eiszeit nicht

Gute Partnerschaft mit Polen Kommunen spüren politische Eiszeit nicht

Auf der politischen Bühne kühlen sich die Beziehungen der neuen polnischen Regierung zu Deutschland und der EU deutlich ab. Die Partnerschaftsbeziehungen, die Kommunen und ihre Bewohner aus dem Fläming mit ihren polnischen Nachbar seit Jahren pflegen, leiden darunter offenbar jedoch nicht.

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Polnische Cheerleader traten im Sommer beim Parkfest in Wiesenburg auf.

Quelle: Dirk Fröhlich

Bad Belzig. Die große Politik hat offenbar keinen Einfluss auf die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Gemeinden im Fläming und Polen. Das ist zumindest das Credo der Akteure hier zu Lande.

Dabei hatte die neue polnische Regierung mit ihren Gesetzesänderungen, die das Verfassungsgericht sowie die staatlichen Medien betrafen, Proteste in der EU ausgelöst. Gleichzeitig ging man in Polen auf Distanz zu Deutschland.

„Wir sind mit den kommunalen Partnern aber genauso im Gespräch und im Austausch wie vorher“, sagt Andrea Metzler. „Es gibt von unserer und auch von polnischer Seite aus absolut keine Veränderungen im Umgang miteinander“, betont die Sprecherin des Kreises Potsdam-Mittelmark. Er unterhält partnerschaftliche Beziehungen zum westpolnischen Kreis Nowy Tomysl (Neutomischel). Eine Erfahrung die auch Andreas Kreibich teilt.

Fünf Partnerschaften

Aus dem Fläming gibt es verschiedene Partnerschaftsbeziehungen nach Polen

So pflegt der Landkreis Potsdam-Mittelmark Kontakte zur Region Nowotomyski.

Die Stadt Brück ist mit der Kommune Tarnow-Opolski befreundet.

Die Gemeinde Borkheide hat ihre Partner in Deszczno

Die Gemeinde Wiesenburg tauscht sich mit der Region Lwowek aus.

Die Kirchengemeinde Ragösen und die evangelische Gemeinde von Wisla sind ebenfalls Partner.

„Bei uns gibt es keine Veränderungen“, sagt der Bürgermeister von Borkheide. Die Waldgemeinde pflegt einen regen Austausch mit dem polnischen Ort Deszczno. Ein Besuch aus Polen ist für Ende April angekündigt, dann wird der polnische Bürgermeister gemeinsam mit seinem Borkheider Kollegen das neu errichtete Gemeindehaus am Marktplatz einweihen.

Anlässlich des Parkfestes in Wiesenburg traten polnische Cheerleader und Musikanten aus der Partnergemeinde Lwowek im August 2015 in Wiesenburg auf

Anlässlich des Parkfestes in Wiesenburg traten polnische Cheerleader und Musikanten aus der Partnergemeinde Lwowek im August 2015 in Wiesenburg auf.

Quelle: [Dirk Fröhlich]

Auch die Gemeinde Wiesenburg und die Stadt Brück haben polnische Partner. Während Wiesenburg mit der Gemeinde Lwowek im Partnerlandkreis verbandelt ist, pflegt Brück Kontakte zum oberschlesischen Ort Tarnow Opolski. Auch dort merken die Akteure derzeit wenig von den politischen Verwerfungen zwischen Warschau mit Brüssel und Berlin. „Eine polnische Delegation war gerade bei uns, die Begegnung war herzlich“, berichtet Heide Jöchen. Sie ist in Wiesenburg für die partnerschaftlichen Beziehungen verantwortlich. Auch der Wiesenburger Chor, der gerade an einem Wettbewerb in Lwowek teilgenommen hatte und mehrfach ausgezeichnet wurde, sei vollauf von der Gastfreundschaft begeistert gewesen. über den nächsten Besuch werde bereits nachgedacht. Auch der Sportverein plant einen Besuch in Polen.

Annette Radigk bereitet das nächste Treffen der Brücker Schule mit den polnischen Partnern vor

Annette Radigk bereitet das nächste Treffen der Brücker Schule mit den polnischen Partnern vor.

Quelle: Andreas Koska

Anders als bei den offiziellen Kontakten, wo das Thema Politik eher ausgeblendet wird und direkte Kontakte zwischen den Menschen zählen, blicken im Fläming lebende aus Polen stammende Bürger kritisch auf diese Entwicklung. „Ich bin entsetzt“, sagt Ewa Romecki. Sie ist vor über 30 Jahren als Spätaussiedler aus Polen nach Deutschland gekommen und wohnt jetzt in Benken. Die politische Entwicklung in der früheren Heimat habe sie nur am Rande verfolgt. „Die Tatsache, dass von der Regierung überall eigene Leute eingesetzt werden und man auf Abstand zu Deutschland geht, finde ich furchtbar“, sagt die 58-Jährige. Sie heißt auch die Flüchtlingspolitik der Polen nicht gut. „Der Glaube fordert Nächstenliebe, die Ablehnung ist das Gegenteil“, sagt die gebürtige Polin. „Papst Johannes Paul II. hätte das sicher nicht gutgeheißen“, so Ewa Romecki.

Bogi Leusch blickt kritisch auf die Geschehnisse in ihrem Heimatland. „Es ist aber wie ein Hamsterrad, die Geschichte wiederholt sich immer wieder“, ist die in Cammer wohnende Polin überzeugt und dennoch entspannt. Die 37-Jährige sieht darin den Lauf der Geschichte und meint, dass sich dieser auch wieder umkehren werde. Zumindest die Entwicklung der kommunalen Partnerschaften scheint den beiden Frauen Recht zu geben. Sie stärken die Hoffnung auf ein Miteinander.

Von Andreas Koska

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