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Kompromiss statt Klage gegen Tagebau

Reetz Kompromiss statt Klage gegen Tagebau

Eine Stiftung für den Naturschutz ist jetzt in der Gemeinde Wiesenburg/Mark am Start. Das erste Kapital legt die Wienerberger-GmbH ein, seit September erst Eigentümerin von Ziegelwerk und Tontagebau Reetz. Bei dessen bisheriger Renaturierung hat es Versäumnisse gegeben und die behördliche Genehmigung zur Erweiterung war offenbar ebenfalls streitbar.

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Quelle: Dirk Fröhlich

Reetz. Ab sofort gibt es eine Stiftung für den Naturschutz in der Gemeinde Wiesenburg/Mark. Sie startet mit einem Kapital von nicht weniger als 400 000 Euro. Das Geld stammt von der Wienerberger-GmbH, die neuerdings Eigentümerin des Ziegelwerkes Reetz einschließlich des Tagebaus ist.

Denn die Renaturierung der Grube ist – ungeachtet der 2015 noch von der Röben-GmbH und ihren beauftragten Fachplanern dargestellten positiven Bilanz – bislang nicht oder lediglich unzureichend umgesetzt worden. Das haben Betreiber und Behörden jetzt einräumen müssen. Der Naturschutzbund Brandenburg hat das nicht nur schlicht kritisiert, sondern massive Bedenken gegen die Fortführung des Rohstoffabbaus geltend gemacht.

Dennoch war das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe die Ausdehnung in diesem Frühjahr die Erlaubnis zur weiteren Ausdehnung ins Landschaftsschutzgebiet „Hoher Fläming/Belziger Landschaftswiesen“ erteilt worden. Weil die dabei erteilten Auflagen zu Erhalt und Wiederherstellung von Landschaft und Natur seiner Meinung nach nicht ausreichend waren, hatte sich der Nabu-Landesverband entschlossen, die Genehmigung gerichtlich überprüfen zu lassen.

Parallel zum inzwischen gestoppten Klageweg wurden nach MAZ-Informationen sowohl mit dem früheren als auch mit dem heutigen Nutzer des Vorkommens ein intensiver fachlicher Austausch gepflegt. Das bestätigt Christiane Schröder. „Dabei wurde nach Wegen gesucht, wie die augenscheinlich entstandenen Defizite ausgeglichen werden können“, sagt die in Brück lebende Verbandsgeschäftsführerin. „Rückbau von Ruinen, Entsiegelung von Flächen, Anlage von Flurgehölzen – es wurden viele Ideen entwickelt, damit das Landschaftsbild aufgewertet werden kann“, sagt Marco Beckendorf (die Linke).

Ein Kompromiss, wie der Bürgermeister der Gemeinde Wiesenburg/Mark einschätzt. Somit können die Arbeitsplätze im seit 20 Jahren etablierten Klinkerwerk gesichert werden und die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes in der Region doch noch in Größenordnungen umgesetzt werden.

Anrainer hoffen auf Badesee

Maurermeister Friedrich Senst hat die Alte Ziegelei in Reetz vor rund 130 Jahren errichtet. Der Ringofen ist unter Denkmalschutz gestellt worden.

Doch greift der Verfall auf dem kommunalen Gelände um sich. Kein Nutzungskonzept hat sich als tragfähig erwiesen.

Im Jahre 1993 ist das Klinkerwerk gegenüber in Betrieb gegangen.

Seinerzeit errichtet von der Röben-GmbH, die den Standort mit Tagebau im Sommer der Firma Wienerberger überlassen hat.

Die Vorräte der seither ausgebeuteten 50-Hektar-Grube sind erschöpft. Nun wird ein ähnlich großes Vorkommen erschlossen, das Arbeit für weitere 20 Jahre für knapp 50 Beschäftigte sichern soll.

Die Anrainer hatten bei der Rekultivierung auf die Entstehung eines Badesees gehofft. Laut Experten ist dies aus hydrologischer Sicht kaum möglich.

„Solche Regelung ist im Hohen Fläming ein absolutes Novum“, bestätigt Uwe Stahn. Nach Aussagen des Vorsitzenden des Naturschutzbund-Regionalverbandes „Hoher Fläming/Planetal“ hatte es nicht zuletzt große Sorge um den umgeleiteten Mahlsdorfer Graben gegeben. In der wasserarmen Gegend bleibe das nicht ohne Folgen für Flora und Fauna in unmittelbarer Nähe.

Wie von der lokalen Verwaltung betont wird, müssen vom Unternehmen alle vertraglichen Verpflichtungen, einschließlich Lärm und Immissionsschutz, erfolgen – unabhängig von den nunmehr in Aussicht stehenden Investitionen in den Schutz der Artenvielfalt erfolgen.

Um die Vorhaben in Reetz, Reetzerhütten, aber auch im etwas weiteren Umkreis verwirklichen zu können, wird eine Treuhandstiftung ins Leben gerufen. Neben der Kommune, deren Interessen von Bauamtsmitarbeiterin Gisela Burmeister wahrgenommen werden sollen sind Naturschutzbund-Landes- und -Regionalverband sowie Naturparkverwaltung darin vertreten.

„Klares Ziel dieser Stiftung wird es sein, durch das Einwerben von weiteren Fördergeldern möglichst viel für die Natur, für den Schutz von Boden, Wasser und Landschaftsbild und damit auch für die Attraktivität der Region zu erreichen“, führt Christiane Schröder aus.

„Wir setzen auf die Ankündigung der Firma Wienerberger, mit dem Naturschutz zusammenzuarbeiten“, ergänzt Uwe Stahn. „Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich jedenfalls nicht wiederholen.“

Von René Gaffron

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