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Kreis nimmt 2000 Flüchtlinge auf

Einwohnerversammlung in Neuseddin Kreis nimmt 2000 Flüchtlinge auf

Potsdam-Mittelmark steht vor einer neuen Herausforderung: Der Landkreis muss dieses Jahr etwa 2000 Flüchtlinge aufnehmen – noch einmal deutlich mehr als erwartet. 175 Asylsuchende sollen in Neuseddin untergebracht werden. Auf der Einwohnerversammlung am Dienstagabend waren Hilfsangebote, bange Fragen und harsche Kritik gleichermaßen zu hören.

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Investor Carsten Schwiering stellte am Dienstagabend seine Pläne für das ehemalige Ambulatorium in Neuseddin vor.

Quelle: Christel Köster

Neuseddin. Die Zahl der Flüchtlinge, die der Landkreis Potsdam-Mittelmark in diesem Jahr aufzunehmen hat, muss erneut deutlich nach oben korrigiert werden. „Wir gehen jetzt von etwa 2000 Flüchtlingen aus“, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert der MAZ. Der Kreis hat derzeit aber nur knapp 1200 Plätze zur Verfügung. Schwinzert sprach von einer großen Herausforderung. „Wir sind im Moment intensiv dabei, vernünftige Lösungen zu suchen. Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten und prüfen derzeit eine ganze Reihe weiterer Standorte“, sagte er. Über konkrete Orte wollte er noch nichts sagen. Ursprünglich waren 750 Asylbewerber für 2015 prognostiziert worden, die Zahl musste später bereits auf 1162 angehoben werden. Jetzt sind es noch einmal knapp 840 Menschen mehr.

In der Gemeinde Seddiner See will der Kreis 175 Asylbewerber im Ortsteil Neuseddin unterbringen. Für sie soll das Grundstück am ehemaligen Ambulatorium am Breitenbachplatz 4 hergerichtet werden. Geplant ist, ab Oktober 35 Wohncontainer – sogenannte Low-Cost-Häuser – für Flüchtlinge aufzustellen, teilte Mittelmarks Sozialdezernent Thomas Schulz in einer Bürgerversammlung am Dienstagabend in der voll besetzten Neuseddiner Turnhalle mit. Er könne heute noch nicht sagen, welche Flüchtlinge kommen werden. Laut Carsten Schwiering, der mit einem Architektenkollegen das Gebäude am Breitenbachplatz 2015 gekauft hat, soll das Ex-Ambulatorium bis Mitte 2016 saniert werden, so dass anschließend die Asylsuchenden in das Gebäude umziehen können. Ein Neuseddiner fragte, ob nach dem Umzug die Container für neue Flüchtlinge stehen bleiben. Schwiering verneinte. Sie werden dann an einen anderen Standort gebracht, wohin, das konnte auch der Kreis-Dezernent noch nicht sagen. „Wir suchen dringend Grundstücke.“ Als Flüchtlingsunterkunft soll das frühere Ambulatorium viereinhalb Jahre dienen. So sieht es der Mietvertrag vor, den der Eigentümer mit dem Kreis abgeschlossen hat. Laut Gemeindevertreterin Kathrin Menz (Linke) gibt es die Option auf eine einmalige Vertragsverlängerung. Schulz machte kein Hehl daraus: Wenn die Lage in viereinhalb Jahren so wie jetzt ist, „würde ich den Vertrag verlängern“. Nach Auszug der Asylsuchenden sollen im Gebäude 29 barrierefreie Wohnungen entstehen, so Schwiering.

Suche nach Flüchtlings-Unterkünften

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark sucht verstärkt nach Flächen, auf denen sogenannte Low-Cost-Häuser aufgestellt werden können.

Geprüft wird derzeit unter anderem der Standort an einer Rettungswache des Kreises in Michendorf. Allerdings liegt das Areal noch im Landschaftsschutzgebiet. Es kommt deshalb kurzfristig eher nicht infrage, sagte Kreissprecher Kai Uwe Schwinzert.

Sogenannte Low-Cost-Häuser für Flüchtlinge stellt der Unternehmer Ludwig Feilmeier im mittelmärkischen Brück her.

Im dortigen Gewerbegebiet stehen bereits solche 32 Quadratmeter großen Mini-Häuser, in die auch die Asylbewerber eingezogen sind, die der Landkreis zuvor in der Turnhalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums untergebracht hatte.

In einem Low-Cost-Haus können fünf Menschen wohnen.

Bei der Einwohnerversammlung waren Hilfsangebote, bange Fragen und harsche Kritik gleichermaßen zu hören. „175 Asylsuchende können wir stemmen. Aber wenn es mehr und mehr werden, bekommt man Angst, dass wir es nicht schaffen“, sagte ein Frau. Eine Anwohnerin fragte: „Wir haben in Neuseddin nur eine Hausärztin. jeder weiß, dass sie überlastet ist. Soll sie auch noch 175 Asylbewerber betreuen?“ In Sachen medizinischer Versorgung der Flüchtlinge sind Kreis und Bürgermeister mit der Kassenärztlichen Vereinigung im Gespräch, hieß es. Am Ende der Versammlung schrieben sich aber auch zahlreiche Leute in Listen ein, die helfen wollen. Eine frühere Lehrerin etwa bot an, den Flüchtlingen Deutsch beizubringen. Nach dem Vorbild Michendorf soll auch in Neuseddin eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die Hilfsangebote für Flüchtlinge organisiert.

Von Jens Steglich

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