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Feuerwehr ist kein „Mädchen für alles“

Jahreshauptversammlung in Kleinmachnow Feuerwehr ist kein „Mädchen für alles“

Die Freiwillige Feuerwehr wird immer öfter zu Einsätzen herangezogen, die mit ihrer ureigenen Aufgabe des Brandschutzes und der technischen Hilfeleistung nichts mehr zu tun haben. Das berichteten Kameraden auf der Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Potsdam-Mittelmark am Samstag in Kleinmachnow.

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„Löschangriff Nass“: Steffen Schmidt von der Freiwilligen Feuerwehr Zauchwitz (l.) unterstützte das Wettkampfteam aus Stücken.

Quelle: Privat

Kleinmachnow. Mit einer Schweigeminute für verstorbene Kameraden im Vorjahr und besonders für Sebastian B. begannen die Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes Potsdam-Mittelmark am Samstag in Kleinmachnow ihre Rückschau auf das vergangene Jahr. Der Feuerwehrmann aus Ragösen gehört zu den Opfern des Terroranschlages auf den Weihnachtsmarkt in Berlin vom Dezember 2016. Er arbeitete ehrenamtlich im Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes mit.

Klare Worte fanden die Feuerwehrleute anschließend für die Probleme, die ihnen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit auf der Seele brennen. Sie müssten zunehmend Einsätze übernehmen, die nicht mehr ihren ureigenen Aufgaben der Brandbekämpfung beziehungsweise auch der technischen Hilfeleistung entsprächen. Landesfeuerwehrverbandspräsident Werner-Siegwart Schippel führte als Gast der Veranstaltung Beispiele sogenannter Tragehilfen oder das gewaltsame Öffnen von Wohnungs- und Haustüren in Gefahrensituationen an. Einen konkreten Fall konnte ein Feuerwehrmann aus Bad Belzig schildern. Dort wurden die Kameraden zum Klinikum gerufen, um einen Patienten aus einem Rettungswagen auszuladen.

Mehr als 400 solcher Tragehilfen habe es im Vorjahr gegeben, bestätigt Kreisbrandmeister Herbert Baier. Dabei habe es sich meist um organisierte Krankentransporte gehandelt. Die Rettungswagen seien oft mit Frauen besetzt, denen der Arbeitsschutz den Patiententransport verbiete. Dieser müsse aber Aufgabe des Rettungsdienstes bleiben, fordert Baier.

Dass Kameraden auch dazu verpflichtet werden, verfassungsfeindliche Schmierereien zu entfernen erregt die Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig (CDU). Außerdem seien jetzt auch Feuerwehrleute immer häufiger bei Einsätzen oder Absicherungen von Veranstaltungen körperlichen Angriffen ausgesetzt. Folgerichtig habe der Bund beschlossen, solche Handlungen härter zu bestrafen.

Etwas überschattet wurde die Verbandskonferenz von den noch laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die frühere Kreisjugendwartin Ramona K. Dadurch könne sie noch nicht von ihrer Vorstandsarbeit für das Jahr 2013 entlastet werden. Bei einem Zeltlager der Jugendfeuerwehren des Kreises sollen Gelder an K. in bar gezahlt, aber nicht an den Verband überwiesen worden sein. Bislang seien allerdings keine offene Forderungen gefunden worden, heißt es.

Dass der Kreis nach dem Ruhestand von Lothar Boreck die Stelle des Digitalfunk-Verantwortlichen nicht neu besetzt hat, ärgert die Feuerwehrleute außerdem. Dafür gebe es einen dringenden Bedarf, mahnen sie an. Vize-Landrat Christian Stein (CDU) argumentiert mit einer wirtschaftsorientierten Haushaltsführung und dem verantwortlichen Umgang mit Steuergeldern. Borecks Aufgabe könne auch vom zuständigen Fachbereich der Kreisverwaltung übernommen werden. Die Diskussion darüber sei allerdings noch nicht beendet, deutete Stein an.

Als positiven Lichtblick im vorigen Jahr bilanzierte Vize-Verbandsvorsteher Gerd Gallien die erfolgreiche Teilnahme von Kameraden und Kameradinnen an den Deutschen Meisterschaften im Feuerwehrsport im Sommer in Rostock. Dort hatte das Wettkampfteam aus Stücken in der Disziplin „Löschangriff Nass“ unter 29 Startern den zweiten Platz belegen können. In derselben Kategorie holten auch fünf Feuerwehrfrauen aus Schwanebeck die Silbermedaille. Beide Teams ehrte Gallien mit der Verdienstmedaille des Kreisfeuerwehrverbandes Potsdam-Mittelmark in Bronze. Er selbst konnte danach die gleiche Auszeichnung in Silber entgegennehmen.

Mehr Unterstützung für das „einzige Ehrenamt mit einer Pflichtaufgabe“ forderte Michendorfs Gemeindewehrführer Dirk Noack vom Kreisvorstand. Er müsse Feuerwehr attraktiver machen und nicht nur auf Brandschutzerziehung und Wettkämpfe reduzieren und unter anderem auch die Frage der „Feuerwehr-Rente“ offener diskutieren.

„Wir wissen oft nichts von den Problemen der Feuerwehr. Wir würden gern mehr davon hören, um politisch reagieren zu können“, lud Kreistagsabgeordneter Klaus-Jürgen Warnick (Linke) die Feuerwehrleute zur engeren Zusammenarbeit ein.

Landkreis fördert Feuerwehr mit 72 000 Euro

Dem Kreisfeuerwehrverband Potsdam-Mittelmark gehören derzeit
1922 Mitglieder an.

Die Kreisjugendfeuerwehr zählt gegenwärtig 1434 Kinder und Jugendliche, die sich in 956 Jungen und 478 Mädchen aufteilen. Damit hat sich die Zahl der jungen Brandschützer im Kreis 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 200 Mitglieder erhöht. Der Nachwuchs ist in 119 Jugendfeuerwehren organisiert.

In der Kinderfeuerwehr erlernen 432 Mädchen und Jungen in 61 Ortswehren den aktiven Brandschutz. Die Zahl konnte nach Angaben der Kreisverwaltung um 150 neue Mitglieder erhöht werden.

Zur Unterstützung des Kreisverbandes und der Jugendfeuerwehren stellt der Landkreis in diesem Jahr rund 72 000 Euro bereit.

Von Heinz Helwig

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