Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Kreuz gesucht und rätselhafte Steine gefunden

Petzow Kreuz gesucht und rätselhafte Steine gefunden

Auf der Suche nach einem alten Kirchenkreuz unweit vom Schloss Petzow wurden jetzt zwei Grabsteine gefunden. Bei einem wurde der Name getilgt, der andere erinnert an einen Vertreter der Gutsherrenfamilie von Kaehne. Dessen Wunsch war es, nicht im Familienbegräbnis seine letzte Ruhe zu finden. Nun wird der Stein wieder aufgestellt – außerhalb der Familiengrabstätte.

Voriger Artikel
Züchter zeigen ihre schönsten Tiere
Nächster Artikel
Regisseur der Reinigungskolonne

Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Friedrich (l.) und Entdecker Klaus Kosakowski. Der Fund unweit des Schlosses fordert neue Forschungen.
 

Quelle: Foto: REGINE Greiner

Petzow.  Was für ein unerwarteter Fund! Auf der Suche nach dem alten Friedhofskreuz in Petzow an der alten Schule ist Hofbesitzer Klaus Kosakowski jetzt auf zwei Grabsteine gestoßen. „Beim Stochern im Boden mit einem ausrangierten Sportdegen spürte ich plötzlich einen stei­nernden Untergrund. Beim Freilegen mit beauftragten Archäologen wurde schnell klar, es handelt sich um alte Grabsteine“, sagt Kosakowski. Über seinen Fund am Petzower Park informierte der Investor und Eigentümer des Schlossgartens und künftigen Cafés in der alten Schule den Vorsitzenden des Heimatvereins, Karl-Heinz Friedrich. Der kennt sich gut aus in der Chronik des Ortes und der Geschichte der Gutsherrenfamilie. Seine Kenntnisse und Erfahrungen hat er bereits in einem Taschenbuch mit dem Titel „Die Kaehnes in Petzow“ aufgeschrieben.

Friedrich nahm die Einladung des Entdeckers gern an. „Ein gefundener Grabstein trägt den Namen und das Geburts- und Sterbedatum von Carl von Kaehne, geboren am 11. Oktober 1860 und am 17.Oktober 1937 gestorben“, sagt Friedrich. „Zu seiner Frau Olga von Kaehne, geborene Kühne, ist mit dem 3. April 1857 nur das Geburtsdatum angegeben. In historischen Quellen gibt es dazu allerdings unterschiedliche Angaben. Einmal wird der 3. Oktober 1854 genannt, ein anderes Mal der 3. April 1857. Olga von Kaehne starb im Jahr 1948, demzufolge war der Grabstein vielleicht bereits schon früher vergraben worden.“

Bemerkenswert an dem Grabstein-Fund ist für Friedrich, dass Carl der III. bereits zu Lebzeiten verfügt hatte, seine letzte Ruhe nicht im gemeinsamen Familienbegräbnis finden zu wollen, sondern im Park. Davon hatte Kosakowski schon gehört. „Er wollte auf den Park und den Schwielowsee schauen“, sagt der Finder. Hinweise zur gewünschten letzten Ruhe im Park gab es laut Friedrich nicht zuletzt vom Urenkel Bernhard W. aus den Vereinigten Staaten in einer Korrespondenz mit dem Heimatvereinsvorsitzenden. Die Gründe für den Entschluss von Carl III. seien vielschichtig. „Unter Umständen spielen die immer wieder schweren Zerwürfnisse mit seinem Sohn Carl IV. eine Rolle. Urenkel Bernhard W. war als kleines Kind zusammen mit seiner 2012 verstorbenen Mutter Rosemarie in die USA ausgewandert. Die Mutter Rosemaries war wiederum Mignon von Kaehne, die Tochter von Carl III.“, sagt Friedrich. Die Rolle von Carl III. und später auch Carl IV. sei zum Teil umstritten. Ihren gesellschaftlichen Höhepunkt habe die Familie Kaehne erlebt, als ihr herausragender Vertreter, Carl Friedrich August Kaehne (1775– 1857), in den Adelsstand erhoben wurde. Er gilt als geistiger Vater der Petzower Ortserneuerung gemeinsam mit Peter-Joseph Lenné und Karl-Friedrich Schinkel, betont Friedrich. „Ihre tieftraurigsten Zeiten erlebte die Familie, als die letzten beiden Gutsbesitzer als ,Schießkaehnes’ in die Geschichte eingingen, von Kurt Tucholsky in seinem Gedicht ,Kähne’ gegeißelt. Angesichts einer ganzen Reihe von Untaten der beiden besteht jedoch auch schnell die Gefahr einer historisch einseitigen Fokussierung.“

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verging man sich offenbar nicht nur unter dem Druck der sowjetischen Besatzer, wohl auch im vorauseilenden Gehorsam, zum Teil rücksichtslos und ungestraft an den Hinterlassenschaften der Petzower Gutsbesitzer, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins und erinnert: Der 1837 aufgestellte Obelisk wurde von seinem Sockel gestürzt und verscharrt, die Familiengruft geschändet und später unter einem Haufen Erde und Schutt vergraben. Das zur Erinnerung an die alte Fachwerkkirche aufgestellte Kreuz ward umgerissen und liegt irgendwo vergraben im Petzower Park. Am Andenkenhaus demolierte man eine Erinnerungstafel und vergrub sie einen Meter tiefer. Stallungen und andere Hofbauten des Herrenhauses wurden eingerissen. Der Park, eine Schöpfung Lennés, verwildert. „In diesem Kontext ist aus meiner Sicht auch das Verschwinden der beiden Grabsteine zu sehen, die jetzt gefunden wurden“, sagt Friedrich. Bei dem zweiten Grabstein ist der Name offenbar nachträglich entfernt worden. Lediglich Geburts- und Sterbedatum sind erhalten „28.1.1843–25.5.1924“. Friedrich vermutet, dass der Name bereits vor dem Jahr 1945 getilgt worden ist. „Eventuell sogar auf Betreiben des Gutsbesitzerfamilie von Kaehne selbst. Dazu sind jedoch noch einige Nachforschungen nötig.“

Das alte Friedhofskreuz hat Kosakowski bis heute nicht gefunden. Den aufgespürten Sockel will er aber für die Nachwelt am alten Standort des Gotteshauses unweit vom Schloss für die Nachwelt erhalten. Für sie werden auch die jetzt wiedergefundenen und neu aufgestellten alten Grabsteine mit wechselvoller Geschichte und teils ohne Namen öffentlich zugänglich sein – außerhalb der Kaehnschen Begräbnisstätte.

Von Regine Greiner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg