Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark „Krieg ist schrecklich – mein Kind!“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Krieg ist schrecklich – mein Kind!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:44 27.11.2017
Wolf-Dieter Glatzel hält die Erinnerung wach. Quelle: Stephan Laude
Anzeige
Teltow/Berlin

„Es war eine der ersten Amtshandlungen meiner Mutter als frisch promovierter Ärztin, den Tod der beiden Frauen festzustellen und zu helfen, sie hinten im Garten des Hauses zu verscharren“, schreibt Wolf-Dieter Glatzel. Die beiden Frauen, Mutter und Tochter, waren von sowjetischen Soldaten vergewaltigt und ermordet worden. Glatzel, damals knapp vier Jahre alt, erinnert sich noch genau an das grauenvolle Geschehen Ende April 1945 in Lichterfelde.

Viele Menschen, die den Zweiten Weltkrieg und sein Ende miterleben mussten, leiden ihr Leben lang an solchen Erlebnissen. Manche versuchen, sie zu verdrängen, andere tauschen sich darüber aus, so wie die Mitglieder des Männertreffs der Evangelischen Kirchengemeinde Zur Heimat in Berlin-Zehlendorf. Dort entstand der Gedanke, die Erinnerungen in einem Buch zu bündeln. Zu der Runde kamen weitere Männer und Frauen hinzu. 32 Autoren sind in dem Band „Krieg ist schrecklich, mein Kind!“ mit Texten vertreten. An diesem Mittwoch liest Glatzel in Teltow aus dem Buch vor.

Vergewaltigungen durch Rotarmisten

Der 317 Seiten starke, reich illustrierte Band bezieht seine Spannung aus den sehr persönlichen Berichten der Zeitzeugen. Glatzel, der weder Historiker noch Schriftsteller, sondern promovierter Ingenieur ist, hat sie auf Band aufgenommen und nur wenig bearbeitet. Zum besseren Verständnis fügte er Hintergrundbeiträge, Daten sowie Erklärungen zu Abkürzungen und Begriffen hinzu. Das Buch sei zur historischen Quelle geworden, sagt Glatzel.

Schilderungen zu Vergewaltigungen durch Rotarmisten finden sich in mehreren Beiträgen. Aber es blieben auch andere Erlebnisse im Gedächtnis. Der Kleinmachnower Heinz Ortleb reparierte für die Soldaten Fahrräder. Er schreibt: „Es war ein wunderschöner Frühling. Die Russen brachen sich Fliederzweige ab, steckten sie sich vorne ins Fahrrad und fuhren dann in der Gegend herum. Da sie nicht geübt waren, fuhren, besser taumelten sie von einem Schuttberg in den nächsten.“ Da die Fahrräder dabei ständig kaputt gingen, hatte Ortleb alle Hände voll zu tun. Als Gegenleistung, erinnert sich der damals 13-Jährige, gab es Brot und Sauerkraut, eine Entlohnung von unschätzbarem Wert in einer Zeit, als alle furchtbaren Hunger litten. Ortleb ist auch der 8. Mai 1945, der Tag der Befreiung, noch präsent: Die 25 Soldaten und Offiziere, die im Haus der Familie einquartiert waren, veranstalteten eine Siegesfeier, „wo sich alle besoffen in den Tulpenbeeten wälzten und in die Luft schossen“. Von den Bäumen seien die Blätter heruntergerieselt.

Teltow erlebte am Kriegsende eine Katastrophe

Ortleb war mit Kleinmachnow als Wohnort vergleichsweise gut dran. Teltow erlebte eine Katastrophe. Die Stadt war schon durch Luftangriffe zum großen Teil zerstört worden, nun bereitete dort die sowjetische Artillerie den Sturm auf Berlin vor. Der Plan, die Reichshauptstadt nicht nur aus östlicher, sondern auch aus südlicher Richtung einzunehmen, hatte mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut in Dahlem zu tun. Dort wurden Uranvorräte vermutet, Material für den Bau von Atomwaffen. Mit 2000 Leuten sei das Institut durchkämmt worden, berichtet Wolf-Dieter Glatzel. Aber es wurde kein Uran gefunden.

„Krieg ist schrecklich, mein Kind!“ ist ein kluger Titel für das Erinnerungsbuch, weil er ausdrückt: Nicht nur der Krieg, um dessen Ende es hier geht, ist schrecklich, sondern jeder Krieg. Das Buch sei auch nicht als Aufarbeitung der Vergangenheit gedacht, sagt Glatzel, es sei ein Buch für die Zukunft. Als Widmung ist deshalb vorangestellt: „Für unsere Kinder, Enkelkinder und so weiter.“ Auch vor diesem Hintergrund bedauert der Herausgeber, dass von der zum Diakonissenhaus gehörenden Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Teltow, der einige Exemplare des Buches zur Verfügung gestellt wurden, keine Reaktion kam.

Im Handel gibt es das bereits in vierter Auflage erschienene Buch nicht. Es kann aber bestellt werden. Die Einnahmen kommen der Kirchengemeinde Zur Heimat zugute. Sie unterstützt damit die Kinder- und Jugendarbeit.

Information: Lesung mit Herausgeber und Autoren am Mittwoch, 29. November, 19.30 Uhr, Teltow, Gemeindezentrum Mahlower Straße 150a. Bezugsmöglichkeiten für 20 Euro plus Porto: Ludwig Schlottke, Nienkemperstraße 46c, 14165 Berlin, 030/8177404, E-Mail: ludwig@schlottk.de oder Wolf-Dieter Glatzel, Teltower Damm 72, 14167 Berlin, E-Mail: wolf-dieter@glatzel-online.de

Von Stephan Laude

Über ein Jahrzehnt hat sie das kulturelle Leben in Trechwitz bereichert. Im Dorfgemeinschaftshaus erinnerten sich ihre Weggefährten an die Theaterwissenschaftlerin, die im Juli mit 82 Jahren verstarb. Bekannt wurde sie in der Region mit der Theatergruppe „Spätlese“.

27.11.2017

Wie sagte einst Johannes Rau zu einem ähnlichen Thema: „Wie sollen wir das denn nennen? ’Dem-Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion’?“ Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Potsdam-Mittelmark fordert jedenfalls, dass Straßen häufiger nach verdienstvollen Frauen benannt werden sollen. Der erste Bürgermeister hat bereits reagiert.

27.11.2017

Weil ein Brandenburger Bischof in Geldnot war, können die Tieckower in diesem Jahr das 700-jährige Bestehen ihres Dorfes begehen. Der Verkauf an das Domkapitel ist urkundlich belegt. Heute hat der Ort keine Kirche mehr, keine Gaststätten, keinen Laden. Doch einst war Tieckow so wertvoll wie Potsdam.

27.11.2017
Anzeige