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Potsdam-Mittelmark Krötenzäune haben im Hohen Fläming Konjunktur
Lokales Potsdam-Mittelmark Krötenzäune haben im Hohen Fläming Konjunktur
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07:40 15.03.2018
Bernd Feuerherdt (li.) und Gerhard Rettig sind ehrenamtliche Betreuer eines Krötenzaunes. Quelle: Andreas Koska
Cammer/Golzow

Seit Montag gilt Alarmstufe Gelb-Rot bei der Naturwacht Hoher-Fläming. Nachdem die Temperaturen dauerhaft über der Frostgrenze liegen, haben sich Tausende Amphibien in der Region auf den Weg zu ihren Laichplätzen aufgemacht.

Plötzlich ist die Krötenwanderung in vollem Gange. Höchste Zeit also für Naturfreunde, auch für den Schutz der Kriechtiere zu sorgen. Denn beim Überqueren von Straßen kommen sie oft unter die Räder von Fahrzeugen.

Die frühlingshaften Temperaturen locken Tausende Amphibien aus dem Winterquartier zu ihren Laichplätzen. Schülerin Aurelia Schmidt hilft auch Eidechsen bei Cammer über die Straße.        Quelle: Andreas Koska

„Wir haben jetzt mit dem Bau der Krötenzäune begonnen“, sagt Rangerin Katrin Mielsch. Doch sei es noch nicht so einfach, diese aufzubauen. Für die im Boden versenkten Sammeleimer und die Befestigungsstäbe müssen die Helfer wenigstens zehn Zentimeter tief in den Boden gelangen.

„Ich habe in Baitz einen Versuch gemacht, nach drei Zentimetern war der Boden noch steinhart gefroren“, sagt die Mitarbeiterin der Naturwacht.

Bei den Lehmkuten an der Landesstraße 85 zwischen Cammer und Golzow war es indes bereits möglich, den Schutzzaun aufzustellen. Die Zeit drängt. „Denn nach Regenschauern lagen schon die ersten drei Teichmolche und ein Kammmolch platt auf der Straße“, hat Katrin Mielsch nach Fertigstellung des etwa 300 Meter langen Zauns bemerkt.

Bekräftigt wird die Notwendigkeit auch von dem Golzower Bernd Feuerherdt und Gerhard Rettig aus Cammer. Beide sind als ehrenamtliche Zaunbetreuer in diesem Abschnitt unterwegs. Sie haben bereits gut zu tun. „Allein am Dienstagmorgen habe ich in 22 Eimern 1345 Amphibien über die Straße getragen“, berichtet Feuerherdt. Dabei waren unter anderem 522 Moorfrösche, 218 Knoblauchkröten, 215 Kamm- und 161 Teichmolche, zählt der ehrenamtliche Naturschützer auf.

Weitere Betreuer gesucht

Zur Betreuung der Krötenzäune in der Region setzt die Naturwacht Hoher Fläming auch auf die Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer.

Akuter Bedarf besteht für einen Abschnitt der Landesstraße 85 bei Jeserig in der Gemeinde Mühlenfließ.

Ausgefallen ist dort eine langjährige Helferin aus gesundheitlichen Gründen, erklärt Rangerin Katrin Mielsch.

Melden können sich freiwillige Helfer beim Naturwacht-Stützpunkt an der Staatlichen Vogelschutzwarte in Baitz unter 033841/43 734.

Er führt penibel Buch über das Vorkommen in seinem Revier. Seit nunmehr vier Jahren ist er dabei. Die Betreuung der Zäune hat die Jägerschaft Cammer in der Hand. „Am Wochenende helfen auch meine zehnjährige Enkelin Aurelia und ihr drei Jahre jüngerer Cousin Fenno mit“, sagt Gerhard Rettig nicht ohne Stolz.

Bernd Feuerherdt hat festgestellt, dass es in der Region immer mehr Amphibien gibt. Waren es 2016 etwa 4230 Tiere, stieg deren Zahl 2017 auf 5540. „Kein Wunder, denn das fünf Hektar große Feuchtgebiet zieht die Tiere an“, sagt der Naturkenner. Er würde sich eine Verlängerung des Zaunes wünschen, denn bis zum Golzower Ortseingang hat er viele tote Amphibien auf der Straße gefunden.

Katrin Mielsch tendiert dort eher zu einem Krötentunnel. „Das große Aufkommen würde den Bau rechtfertigen, man könnte ihn aus Ausgleichsmaßnahmen finanzieren“, sagt die Rangerin. Sie verweist auch auf die das ganze Jahr stattfindende Rückwanderung der Kröten.

Zudem gebe es dann die Chance für Eidechsen, Blindschleichen und Ringelnattern, durch den Tunnel zurück in den Zauche-Wald zu gelangen. „Allerdings darf der aufgelassene Torfstich nicht weiter vermüllen“, sagt die Rangerin verärgert über „die Unvernunft mancher Zeitgenossen“.

Im Fläming wurden 2017 insgesamt mehr als 40 000 Amphibien mit Zäunen und Sammeleimern gerettet. Die Gesamtzahl der geretteten Tiere dürfte sogar höher liegen, als in der Statistik der Naturwacht angegeben. Sie geht davon aus, dass vor allem in Schmerwitz und am Bad Belziger Stadionteich oft auch Passanten Amphibien über die Straßen und Wege tragen.

Für die Betreuung des ganzjährig stehenden Zaunes an den Burgwiesen ist die Stadt Bad Belzig zuständig. Einzig an der B 107 zwischen Rottstock und Buckau am Gesundbrunnen, wo in der Vergangenheit bis zu 10 000 Tiere gefunden worden sind, muss sich die Naturwacht keine Gedanken mehr machen. Dort wurde beim Straßenbau ein dauerhafter Krötentunnel errichtet.

„Allgemein sollten Autofahrer in den kommenden Nächten vorsichtiger fahren und auf Amphibien achten, denn nicht überall können Zäune errichtet werden“, sagt Rangerin Katrin Mielsch. Immerhin werden jährlich in der Region bis zu acht Kilometer Krötenzäune gestellt. „Es wäre schön, wenn die Straßennutzer uns mitteilen würden, wenn ihnen besonders häufig genutzte Querungsstellen auffallen“, bittet Mielsch.

Zumindest für das kommende Wochenende gibt es Entwarnung. Bei den vorausgesagten Frosttemperaturen bleiben die wechselwarmen Tiere nämlich in der Erde und wandern nicht.

Von Andreas Koska

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