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Potsdam-Mittelmark Künstler beleben alte Fabrikhalle
Lokales Potsdam-Mittelmark Künstler beleben alte Fabrikhalle
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19:32 20.04.2018
Katharina Forster (l.) und Ruth Gindhart sind begeistert von der Architektur der alten Lagerhalle, in der sie künstlerisch tätig sind. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Mit zwei Steckdosen und einem Zählerkasten begann Ruth Gindharts Reise in ihrem Atelier in der ehemaligen Vulkanfiberfabrik. Vor 17 Jahren tat sie sich mit der Stahlbildhauerin Gisela von Bruchhausen zusammen und verwandelte die alte Papierlagerhalle mit dem undichten Dach und den schimmligen Ecken in eine Galerie mit Empore. „Die ersten Monate haben wir eigentlich nur saniert“, erinnert sich Ruth Gindhart, die 1954 geboren wurde. „Die Kunst lief zwischendurch ab.“ Etwas mehr Licht ins Dunkel brachte im wahrsten Sinne des Wortes der Eigentümer Jörg Maywald, der die Dachgläser und die Träger erneuern ließ.

Die Architektur hatte es ihr von Beginn an angetan. In mühevoller Arbeit haben die beiden Künstlerinnen der Halle mit einem frischen Anstrich, Strom auf beiden Etagen und einem Ofen Leben eingehaucht. 2015 zog Gisela von Bruchhausen aus und Ruth Gindhart stand vor der Wahl, sich ein neues Atelier oder Mitstreiter zu suchen„So eine Halle findet man nicht noch mal“, hatte sie sich gesagt und entschied sich für Letzteres. Der Entschluss war von Erfolg gekrönt: Noch im gleichen Jahr zogen Katharina Forster, Rainer Düvell und Hannes Brunner in die Halle ein. Sie alle schaffen zwar ihre eigene Kunst und haben auch ihre eigenen Arbeitsecken, aber der Raum soll offen bleiben. „Wenn man hier arbeitet, muss man damit leben, beobachtet zu werden. Ein Austausch ist wichtig. Es soll hier keine Isolation geben“, sagt Ruth Gindhart.

Künstler arbeiten zum Beispiel für den Dosse Park in Wittstock

Katharina Forster, Jahrgang 1979, war ebenfalls sofort begeistert von der Halle und der Helligkeit, die durch das Oberlicht hineinströmt. Die gebürtige Bochumerin lebt seit drei Jahren in Werder und interessiert sich in ihrer Kunst vor allem für Material. „Was für andere keinen Wert mehr hat oder im Durchgangsstadium, zum Beispiel vom Benutztwerden zum Recyceln ist, greife ich auf“, erzählt sie. Aus getrockneten Teebeuteln, leeren Joghurtbechern, Gelben Säcken oder (unbenutzten) Windeln stellt sie so Objekte oder Skulpturen her.

Ruth Gindhart selbst bereitet derzeit mehrere Ausstellungen vor. Im November ist sie an einer Gruppenausstellung in der Mönch-Galerie Berlin beteiligt und im März steht die Abschiedsveranstaltung der Maerz-Galerie bevor. Zudem ist eine zehn Tonnen schwere Großskulptur aus farbigen Stahlelementen für den Dosse-Park in Wittstock in Arbeit. Für den hat auch Hannes Brunner ein Kunstwerk geschaffen, das sich „Der Dorn“ nennt. Es ist mit LED-Lichtern bestückt, die Wörter aufblinken lassen. Diese beziehen sich auf das Künstlerhaus Dosse Park, das um 1800 als Invaliden- und Armenhaus von König Friedrich Wilhelm I. errichtet wurde.

Rainer Düvell schuf „Wegmarken“

Der Vierte im Bunde des Bildhauerateliers, Rainer Düvell, könnte einigen noch von der Buga 2015 in Brandenburg/Havel bekannt sein. Der Berliner hatte dort mit Ute Deutz „Wegmarken“ aufgestellt. Sie erscheinen wie künstliche, blaue Grashalme in der Landschaft. Am Freitag zeigt er seine Kunstinstallation „Kinderhaus Pusteblume“ in Burg (Spreewald).

In dem Werderaner Atelier sind noch Plätze frei. Es richtet sich nicht nur an Bildhauer, die klassische Skulpturen erschaffen, sondern an Künstler, die generell dreidimensional arbeiten. Vor allem müsse Professionalität gewährleistet sein, sagt Ruth Gindhart. In den Herbstferien bietet Katharina Forster einen Workshop mit dem Namen „Mal mal anders“ an, bei dem sich alles um Farben, Schnipsel und Pixel drehen soll. An zwei Vormittagen (24. und 25. Oktober) können Interessierte gemeinsam mit ihr arbeiten. Die Teilnahme kostet 52 Euro. Anmeldung für den Kurs bis 21. Oktober unter 0157/55 83 29 39

Von Luise Fröhlich

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