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Potsdam-Mittelmark Künstlerin verbindet Heimat mit Science Fiction
Lokales Potsdam-Mittelmark Künstlerin verbindet Heimat mit Science Fiction
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05:42 23.10.2018
Franka Schwarz hat sich in der Scheune hinter ihrem Haus in Trechwitz ein Atelier eingerichtet. Quelle: Christine Lummert
Trechwitz

Bei anderen in die Fenster schauen – macht man eigentlich nicht. Wer in Trechwitz am Haus von Franka Schwarz in der Neusiedlerstraße vorbei kommt, wird aber nicht widerstehen können und darf sich auch ruhig satt sehen. In der Veranda, an der Straßenseite des Hauses, hat die Künstlerin eine kleine Galerie mit ihren Werken eingerichtet. Mit ein bisschen Ironie nennt Schwarz diesen Ort ihren „dörflichen Showroom“ und hat ihn vollgepackt mit Bildern und kleinen Objekten.

Für Franka Schwarz ist alles Material. Die Künstlerin, die seit drei Jahren in Trechwitz lebt und arbeitet, verortet ihre Werke selbst unter der Überschrift „Heimatkunst mit Science Fiction“.

„Im Haus ist das der einzige Raum, in dem meine eigene Kunst zu sehen ist“, sagt Schwarz. „Den alltäglichen Lebensbereich versuche ich dagegen vollkommen frei von meinen Werken zu halten.“ Ein guter Vorsatz, zumal die junge Frau schon nach den ersten Schritten aus der Haustür wieder von der eigenen Kunst umgeben ist. Hof und Garten werden immer mehr zu einer Freiluftgalerie, in der große Plastiken gleich vor Ort gestaltet werden.

Überlebensgroß wird etwa das gackernde Gefieder, das noch vom Vormieter angeschafft wurde und natürlich weiterhin auf dem Hühnerhof in Frieden scharren darf, seit einiger Zeit von zwei Plastiken bewacht. Hühnergöttin und Habichtschreck wurden die eigenwilligen Figuren getauft, deren Grundform aus betongetränkten Tüchern geformt ist. „Diese Technik habe ich in Videos auf Youtube entdeckt“, erzählt Schwarz.

Den futuristischen Vogelscheuchen ins Gesicht geblickt, ist die Wirkung schrecklich-schön und eindrucksvoll. Aus gesammelten Naturmaterialien und ausrangierten Alltagsgegenständen entstand eine Mischung, die sich in vielen Werken von Franka Schwarz wiederfinden lässt. Den Begriff „Heimatkunst mit Science Fiction“ hat sie für diese Manifestation ihres Schaffens geprägt und entwirft immer wieder neue Variationen unter diesem Motto.

Der Weg in die Kunstwelt führte für Franka Schwarz immer geradeaus auf das Ziel zu. 1985 in Brandenburg an der Havel geboren und hat sie dort die ersten künstlerischen Schritte gemacht. „Ich bin in dieser Richtung zwar vorbelastet, denn mein Vater Wilfried Schwarz ist seit Jahrzehnten als Maler und Grafiker in der Region ein bekannter Name“, sagt sie. „Trotzdem hab ich mit schnell meinen eigenen Weg gesucht.“

Wie für viele Kunstinteressierte in der Havelstadt führte der auch an die Wredowsche Kunstschule. Zwei, drei Kurse habe sie dort besucht, sich auch bei der Zusammenstellung ihrer Mappe für die Bewerbung an Kunsthochschulen beraten lassen. „Der Kunstunterricht in der Schule lag mir dagegen nie, eher das Werkeln im eigenen stillen Kämmerlein.“

Jetzt ist Franka Schwarz zurück an der Wredow-Schule. Als Dozentin bietet sie in diesem Semester einen Aufbaukurs für Jugendliche unter der Überschrift „Kunstdesign“ an.

Nach dem Abitur in Potsdam, ging der Wunsch nach einer intensiven Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der großen Leidenschaft für die Kunst weiter. Mit 19 Jahren wurde Franka Schwarz an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Studiengang Malerei und Freie Kunst angenommen, als eine der wenigen in diesem Alter. „Das war schon etwas besonderes und darauf bin ich auch stolz.“

In Weißensee fühlt man sich der Bauhaus-Tradition verpflichtet, führt die Studenten in alle Techniken und Grundlagen des Kunstschaffens ein. „Dort lernt man sein Handwerk von Grund auf kennen.“ Nach dem Diplom war Franka Schwarz noch ein Jahr als Meisterschülerin bei Werner Liebmann, bevor der Weg in ein eigenes Atelier in Berlin-Wedding führte. „Zusammen mit anderen jungen Künstlern habe ich eine altes Ladenlokal angemietet und dort gearbeitet.“

Gastkünstler aus allen Ecken der Welt waren immer wieder mal Untermieter an diesem Kreativ-Ort. „Einige Jahre konnten wir uns das leisten, dann hat uns aber die sogenannte Gentrifizierung eingeholt.“

Vor drei Jahren führte der Weg deshalb nach Trechwitz, für ein Künstlerleben auf dem Dorf. Der Partner, zwei Hunde und eine Katze sind mit umgezogen aufs Land.

In der Scheune hinter dem Haus hat sich Schwarz nach einiger Entrümpelungsarbeit ihr Atelier eingerichtet, das auf den Namen „Frohes Schaffen“ getauft ist. „Bis die Temperaturen auf fünf Grad fallen, arbeite ich dort jeden Tag. Wenn es noch kälter wird, ziehe ich um in ein ein kleines Kämmerlein im Haus.“ Was dort künstlerisch entsteht, entzieht sich oft einer klaren Etikettierung. Werkstoff kann alles sein – Inspiration aus jeder Ecke, aus jedem Medium zufliegen.

Auf den ersten Blick am zugänglichsten sind die Ölgemälde hinter Glas. Ein stolzes Huhn im Porträt oder das Bild einer Familienfeier, eingerahmt in ein ausrangiertes Fenster mit Querstreben, die das Miteinender der Menschen zerteilen. Oft schleichen sich aber Monster ein ins scheinbar friedliche Idyll. Gemalt in Öl gibt es die Ungeheuer, vor allem aber in der Objektkunst, die Franka Schwarz in verschiedensten Ausprägungen erschafft.

Das alles scheint nicht ganz von dieser Welt, denn die Künstlerin formt sich gerne ihre eigenen Universen, die dann wiederum von Monstern verschluckt werden. Als Fan des Philosophen und Science-Fiction-Schriftstellers Stanislaw Lem sowie des Star-Trek-Universums ist vieles ein futuristisches Experiment. Lichteffekte und Bewegung in den Objekten brauchen zudem den Betrachter vor Ort, der sich in der direkten Auseinandersetzung mit den Objekten eine eigene Interpretation schaffen kann.

Die Möglichkeit zum Ausflug in die fremden Welten bietet Franka Schwarz einmal im Jahr beim Tag des offenen Ateliers. Dazu lädt sie sich auch immer einen Gastkünstler ein, der ebenfalls eine Auswahl seiner Werke präsentiert. Eine Band soll zudem für Unterhaltung sorgen. „Die Planungen für das nächste Jahr laufen schon und wer sich dann hier umschauen will, ist eingeladen.“

Von Christine Lummert

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