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Kugel auf Medewitzer Kirchturm war leer

Sanierung dauert länger Kugel auf Medewitzer Kirchturm war leer

Ein bisschen war es schon geahnt worden. Die Sanierung der Medewitzer Dorfkirche wird nicht bis Weihnachten zu schaffen sein. Auch enttäuschend: Bei der Öffnung der Turmzier war nichts zu finden. Jetzt aber ist die Kugel von den Handwerkern mit aktuellen Dokumenten – inklusive MAZ – bestückt worden.

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Architekt Martin Braunschweig (links) überreicht die aktuelle MAZ zur Einlagerung.

Quelle: René Gaffron

Medewitz. Der Herbstwind und die Abendsonne hoch oben über dem Hohen Fläming boten eigentlich die perfekte Kulisse. Die Spannung war greifbar – die Enttäuschung fast noch mehr. Denn absolut nichts befand sich in der Turmzier der Dorfkirche. Der einheimische Dachdecker Dirk Bösecke, der sich den ehrenwerten Auftrag gesichert hat, und Vater Erich haben dieser Tage im Beisein von Stephan Schönfeld die Kugel in 18 Metern Höhe geöffnet und schauten prompt ins Leere. Üblicherweise werden dort von den Handwerkern ein paar historisch wertvolle Dokumente für die Nachwelt hinterlegt. Dass dies womöglich nicht geschehen ist, weil die Kirche in der DDR nicht immer gut gelitten war, glaubt der Pfarrer allerdings eher nicht. Vielleicht sei damals einfach nicht an den Brauch gedacht worden.

Weihnachtswunsch nicht erfüllt

Immerhin ist der Schmuck mit der Wetterfahne gut erhalten. Auch das Schweifdach befindet sich in ordentlichem Zustand, erklärt Martin Braunschweig. Die obersten Etagen der Rüstung am Gotteshaus des 520-Einwohner-Dorfes könnten also womöglich schon bald wieder abgetragen werden. „Die Sanierungsarbeiten werden dennoch bis zum nächsten Jahr dauern“, sagt der koordinierende Architekt. Die ursprünglich geäußerte Hoffnung der Einheimischen, schon Weihnachten wieder in der barocken Kirche wieder Gottesdienst feiern zu können, bleibt damit unerfüllt.

Zwei Hülsen mit Dokumenten und Münzen sind nun in der Turmzier der Medewitzer Kirche eingelagert

Zwei Hülsen mit Dokumenten und Münzen sind nun in der Turmzier der Medewitzer Kirche eingelagert.

Quelle: Rene Gaffron

Denn das Gebälk, das direkt auf dem Mauerwerk des Schiffes aufliegt und vor allem von der Feuchtigkeit schwer in Mitleidenschaft gezogen ist, muss zwingend umfangreich ersetzt werden. Die Erkenntnis sei nicht überraschend zu Tage getreten. Im Vorfeld habe sie aber nicht mit Gewissheit prognostiziert werden können, heißt es. Nun müssten sich die Bauleute in Geduld üben. Denn die Lieferfrist für das benötigte Eichenholz beträgt einige Wochen.

Dacheindeckung inklusive Entwässerung und Blitzschutz

Mit der Instandsetzung des Dachgestühls soll nicht zuletzt wieder stabile Tragfähigkeit für die sich teilweise darauf stützende und zuletzt stark geneigte Turmkonstruktion erreicht werden. Zu deren Schutz hatte die Kirchengemeinde seit zweieinhalb Jahren auf das regelmäßige Läuten verzichtet. Es besteht die Gefahr, dass die Glocken weitere Schäden anrichten. Darüber hinaus sind unter anderem das Gefachemauerwerk am Turm, die Dacheindeckung des Kirchenschiffes, inklusive Entwässerung und Blitzschutz, zu erneuern.

Fast 165 000 Euro wird das Vorhaben wohl kosten. Angesichts der langen fünf Jahre, die es gedauert hat, bis das Geld zusammen getragen war, sehen aber die Mitglieder des Förderkreises für die Dorfkirche Medewitz um Heinz Kempin und Matthias Wilke die vergleichsweise geringe Verzögerung eher gelassen.

Viele Geldgeber

31 500 Euro muss die Kirchengemeinde selbst finanzieren. Außerdem erbringt sie Eigenleistungen im Wert von 3500 Euro.

Die Hälfte der Kosten – 80 000 Euro – kommen aus dem Denkmalschutzprogramm der Bundesregierung (D 5). Frank-Walter Steinmeier (SPD), Wahlkreisabgeordneter im Bundestag, hat sich dafür eingesetzt.

Mit je 5000 Euro beteiligt sind Landratsamt Bad Belzig, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Stiftung Maßwerk.

37 000 Euro sind aus sonstigen Quellen akquiriert

Unter anderem von diesen großen Mühen und der umfangreichen Unterstützung, die sie nun erfahren haben, ist in einem Exposé der Braunschweig-Architekten aus Brandenburg/Havel die Rede. Es ist – ergänzt um Zeichnungen, Münzen aus den vergangenen 100 Jahren, dem Informationsblatt der Evangelischen Gemeinde Wiesenburg/Mark sowie einer Tagesausgabe der MAZ in insgesamt zwei gut abgedichtete Rohrhülsen gesteckt und schließlich in der Turmzier deponiert worden. Hoch oben ist sie gut verschlossen worden und es ist durchaus der Wunsch der Beteiligten, dass es so schnell keinen Anlass gibt, die Kugel zu öffnen. Wenn, dann werden die Nachfahren jedoch nicht nur die Aussicht über den Hohen Fläming genießen, sondern auch Einblicke in die Welt- und Heimatgeschichte anno 2015 erhalten..

Von René Gaffron

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