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Potsdam-Mittelmark Kultige Selfies in Streifen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kultige Selfies in Streifen
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19:25 09.03.2015
Früher stand der Automat für Kleinmachnow in Berlin Prenzlauer Berg. Zurzeit wird er in der Werkstatt aufgehübscht. Quelle: Privat
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Kleinmachnow

Total retro, absolut gegen den Trend, weil analog, und auf jeden Fall kultig: Fotoautomaten aus den 60er Jahren sind in Berlin nicht nur bei Touristen längst ein Renner. In Zeiten digitaler Spiegelreflexkameras, in denen jedes Handy megabyte-starke optimierte Bilder liefert, gewinnen die grobkörnigen Fotostreifen in schwarz-weiß wieder an Reiz.

Bedienung ist kinderleicht

Die Bedienung ist kinderleicht: Zwei Euro einwerfen, Platz nehmen, Augen auf, lächeln, Schnütchen ziehen oder seriös dreinschauen – wenige Minuten später spuckt der Automat die Streifen aus. Sie werden noch schnell trocken gepustet und fertig ist das Selfie im Streifenformat. Authentisch, da es kein Löschen und fünf weitere Versuche wie bei der Digitalkamera gibt – und in überraschend guter Qualität. Es gibt gut zwei Dutzend in Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Florenz und - demnächst auch einen in Kleinmachnow. Vor den Neuen Kammerspielen in der Karl-Marx-Straße wird ein original Fotoautomat aus den 60ern aufgestellt. Früher stand er in der Kastanienallee in Berlin Prenzlauer Berg. Jetzt wird er in der Werkstatt gerade tüchtig gemacht, für seinen großen Auftritt im kleinen Kleinmachnow. „Das wird ein echter Gaudi“, da ist sich Carolin Huder, Geschäftsführerin der Kammerspiele sicher. Etliche Male hat sie bei Ole Kretschmann und Asger Doenst angefragt. Seit 2004 sammeln und restaurieren die beiden original Fotoautomaten aus den 50er und 60er Jahren. „Da steckt wahnsinnig viel Arbeit drin“, sagt Asger Doenst. 21 stehen zurzeit in Berlin, je einer in Hamurg, Köln, Leipzig, Wien und Florenz.

Nostalgische Schwarz-Weiß-Streifen sind längst Kult

Die nostalgischen Schwarz-Weiß-Streifen mit je vier Bildern sind längst Kult. Nicht nur bei Touristen und jungen Partygängern. „In Berlin haben wir ein großes Stammpublikum. Das sind ganz normale Berliner, die sich regelmäßig in ihren Fotoautomaten setzen“, berichtet Doenst. „Die legen regelrechte Sammlungen an.“ Die Automaten fotografieren analog, entwickeln an Ort und Stelle. „Das ist ein komplexer elektrisch-mechanischer Ablauf. Die müssen ständig gewartet werden“, sagt Doenst, der eigentlich Kameramann ist. Doch längst sind die herrlich kultigen leuchtend roten, blauen und silbernen Kästen sein Hauptbetätigungsfeld. Mit seinem Kompagnon Ole Kretschmann gründete er eine GbR. Drei bis vier Angestellte reparieren und warten regelmäßig die Fotoautomaten für sie.

Spontaner Spaß

Selfies, also Selbstporträts, oft auf Armeslänge aus der eigenen Hand mit dem Handy geknipst, sind derzeit in sozialen Netzwerken ein Massenphänomen. Umso erstaunlicher, dass alte analoge Fotoautomaten mit Charme und erstaunlicher Bildqualität ein wahres Comeback feiern.

Seit 2004 sammeln und restaurieren Asger Doenst und Ole Kretschmann analog arbeitende Fotoautomaten aus den 1960er und 1970er Jahren. Auf die Idee kamen sie in Zürich, als sie in einer solchen Retrobox ein Bild von sich machten.

Ihren ersten Automaten stellten sie in Berlin am Rosenthaler Platz auf.

Heute organisieren und warten sie mit Mitarbeitern 21 solcher Automaten in Berlin sowie einzelne in Hamburg, Leipzig, Köln, Wien und Florenz.

Kult sind die analogen Automaten nicht nur bei Touristen und Partygängern in der Hauptstadt. Auch für Performances, Modeshootings oder private Feiern werden sie schon mal gemietet. Einer schaffte es sogar auf die letzte „documenta“ in Kassel.

Vor den Neuen Kammerspielen soll voraussichtlich noch im März ein Photohäuschen aufgestellt werden. Damit wäre die kulturaffine Gemeinde der erste Standort außerhalb von großen Städten.

An Standort Potsdam mal gedacht

Kleinmachnow sei tatsächlich ein sehr kleiner Ort, räumt Doenst ein. An Potsdam habe man ja schon einmal gedacht. Doch Carolin Huder war hartnäckig und hat die beiden überzeugt, außerhalb der großen Stadt einen Fotoautomat aufzustellen. Voraussichtlich noch im März soll der blaue Kasten an seinem neuen Standort neben den Kammerspielen nun in Betrieb gehen. „Darauf sind wir besonders stolz. Ich nutze die selber gerne, wenn ich in Berlin unterwegs bin“, offenbart die Kammerspiele-Chefin ihre Leidenschaft. Und Gelegenheiten für Erinnerungsfotos im Retro-Look gebe es am Kulturhaus schließlich genug; ob nach der privaten Party, dem Konzert oder bei der Jugendweihe. „Ich glaube, dass wir Kleinmachnow damit gerade für die Jugend noch ein bisschen attraktiver machen.“

Von Konstanze Wild

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