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„Kultur ist so etwas weit Umfassendes“

Menschen im Fläming „Kultur ist so etwas weit Umfassendes“

Werner Leschhorn ist ein Berliner. Dort hat er rund um die Uhr Trubel, wenn er möchte. In Rietz (Potsdam-Mittelmark) hat er sich einen Ausgleich geschaffen. Auf seinem Grundstück ist er glücklich – und ganz nebenbei leitet er auch noch den Rietzer Kulturverein. Er hat mit der MAZ über die Vereinsarbeit und den Grund gesprochen, warum er nicht dauerhaft aufs Dorf möchte.

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Werner Leschhorn sitzt an seinem Lieblingsplatz. In Rietz ist er glücklich.

Quelle: Christin Iffert

Rietz. Werner Leschhorn setzt sich auf einen Holzstamm in seinem Garten in Rietz-Bucht und blickt auf einen kleinen Wasserlauf. „Ich habe mich gleich in das Grundstück verliebt“, schwärmt der 81-Jährige. Wo hat man das denn, dass plötzlich im Garten ein „Flüsschen“ fließt? Da sah er auch über das renovierungsbedürftige Haus hinweg, als er sich Anfang der 90er Jahre mit dem Anwesen seinen Lebenstraum, ein Stück Kindheit zurückzuholen, erfüllte. Aufgewachsen war er nämlich auf dem Land nahe Heidelberg.

Eigentlich wohnt der pensionierte Psychologe in Berlin. Richtig glücklich ist er aber, wenn er einmal die Woche für ein paar Tage auf sein Anwesen nach Rietz fährt. Dort leitet er seit 2011 auch den Rietzer Kulturverein.

Eigentlich wollte er nie in den Vorstand

Froh über den Namen des Vereins ist er nicht. „Kultur ist so etwas weit Umfassendes.“ Als er in den Verein eintrat, war der bereits gesetzt. Den Vorsitz wollte er nie, „höchstens Kassierer sein.“ Als aber die Chefin ausstieg, sah er den Verein in Gefahr. Also musste er ran. „Ein eingetragener Verein hat so viele Vorteile, den hätten wir nicht aufgeben können.“

Seither organisiert der passionierte Sänger, der aktuell auch im Berliner Musical „Der Glöckner von Notre Dame“ am Theater des Westens mitwirkt, mit dem Kulturverein Konzerte. Eines findet am kommenden Samstag mit der Band „Evergriener“ in Berlin-Steglitz statt. Leschhorn rechnet mit vielen Gästen. Das macht die Region Rietz etwas bekannter. Im Ort würde er damit nur wenige erreichen. „Ich bedauere etwas, dass recht wenige Menschen an unseren Veranstaltungen in Rietz teilnehmen“, sagt er. Ein Großteil der Männerwelt fehle beispielsweise. Vielleicht liegt es am Veranstaltungsort, der Rietzer Kirche. „Dabei bietet die so einen wunderschönen Raum.“ Es mag aber auch sein, dass das Angebot nicht jedermanns Geschmack ist. Kommen 25 Gäste, ist der Rentner schon froh. Es geht ihm bei der Vereinsarbeit aber ohnehin nicht darum, „irgendwelche Denkmäler zu setzen“. Vielmehr möchte er etwas machen, das ihn jung hält und womit er Künstler unterstützen kann.

Nachts besucht er in Berlin die Kneipen

Über den Verein sieht Werner Leschhorn die Chance, die „deutsche, bürgerliche Kultur“, mit der er verwurzelt ist, ein Stück weit zu erhalten. So lässt er bei den Konzerten im Ort immer den Rietzer Chor singen. „Der hat sonst nur wenig Auftrittsmöglichkeiten.“ Er selbst sitzt am Klavier. Das Spielen hat er sich mit Mitte 70 beigebracht. Zwar kennt er das bereits aus seinem Elternhaus. Doch damals hatte er den Lehrer nie ernst genommen.

Jung halten ihn auch seine Besuche in Berliner Kneipen. „Und zwar um Mitternacht“, sagt er und meint das keineswegs scherzhaft. Weil er in der Stadt rund um die Uhr wahnsinnig viele Möglichkeiten hat, kommt es für ihn auch nicht infrage, dauerhaft nach Rietz zu ziehen. Außerdem müsse er auch an die ärztliche Versorgung denken. „Ich lebe gern beides“, sagt er - den Trubel der Großstadt, die Ruhe in seinem ländlichen Idyll.

Von Christin Iffert

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