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Kunstwanderweg wird zehn Jahre alt

Bad Belzig Kunstwanderweg wird zehn Jahre alt

Den Kunstwanderweg im Hohen Fläming gibt es seit zehn Jahren. Mehr als 20 künstlerisch gestaltete Objekte sind dort installiert. Das Jubiläum ist ein Anlass, zurückzublicken: Denn während die MAZ bereits 1997 von der „Idee der Langsamkeit“ titelte und über das Vorhaben berichtete, schlief es einige Jahre wieder ein. Bis eine engagierte Frau das Heft des Handelns in die Hand nahm.

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Der Internationale Kunstwanderweg ist zehn Jahre alt. Für Inge Richter (links) und Helga Holz der ideale Zeitpunkt, zurückzublicken.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. „Ich bin oft auf dem Kunstwanderweg unterwegs und entdecke ihn dabei immer wieder neu“, sagt Helga Holz. Die Planerin aus Berlin, die mittlerweile im Hohen Fläming zu Hause ist, ergänzt: „Irgendwie ist er mein Baby.“

Die Route ist bereits vom Deutschen Wanderverband als Qualitätswanderweg ausgewiesen worden. Das Zertifikat ist immer drei Jahre gültig. Noch ist offen, ob es im Januar erneuert wird. Die Prüfer dürften ihren Kontrollgang schon bewältigt haben. Die Trasse besteht inzwischen seit zehn Jahren und hat jetzt im Herbst nochmals Konjunktur. Im August 2007 wurde sie offiziell eingeweiht.

Die Ursprungsidee liegt wiederum 20 Jahre zurück. 1997 hat das „Fläming Echo“ der Märkischen Allgemeinen Zeitung von der „Idee der Langsamkeit“ der Studentin Petra Korff berichtet. Ihr schwebte ein exklusiver Wanderweg vor, der mittels Kunst den Blick auf den Hohen Fläming schärfen sollte.

Obgleich die Idee vielerorts Begeisterung weckte, geriet sie in Vergessenheit. Bis 2005 ein Kreis Interessierter um Helga Holz – seinerzeit Sanierungsbeauftragte in Wiesenburg – den Entschluss fasste, sie aufleben zu lassen. Die eigens dafür gegründete Projektgruppe nahm sich der Vision an, suchte Verbündete. „Die interkommunale Zusammenarbeit hat damals sehr gut geklappt. Sonst hätten wir den Kunstwanderweg heute nicht“, bemerkt Holz. Schnell stand fest, dass dieser Bad Belzig und Wiesenburg verbinden sollte – von Bahnhof zu Bahnhof. Hauptaugenmerk sollte auf der Landschaft liegen, die Kunst quasi in sie eingebettet werden.

Die Ruheständlerin hat viele eindrucksvolle Bilder in ihrem persönlichen Archiv, die die Schönheit der hiesigen Hügelkette verdeutlichen. Da sind Rummeln, Bäche und märkische Kiefern, die dem Landstrich den Charakter geben – und die zu Vergleichen verleiten. Die „Flämische Toskana“ beispielsweise hat sie auf ihren Streifzügen durch die Natur auf der anderen Fläming-Seite zwischen Dahnsdorf und Kranepuhl ausgemacht, wo schlanke Pappeln den Zypressen gleich sich gen Himmel recken.

Neun Kriterien für Qualitätssiegel

Das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ legt deutschlandweite Standards für Wanderwege fest.

Ein Wanderweg wird nach neun Kernkriterien und 23 Wahlkriterien analysiert.

Bereits 83 Wege erfüllen die geforderten Kriterien und tragen das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“.

Bewertet wird beispielsweise das Wanderleitsystem – also ob ausreichend Wegweiser und Markierungen zu finden sind.

Auch der Bereich „Zivilisation“ wird bewertet: Wie sieht es mit Gasthäusern entlang des Weges, Haltestellen für Busse und Parkplätzen aus?

Auch nennt sie die Künstlerin Elvy Lüttgen, Wiesenburgs Schlossparkleiter Ulrich Jarke und Heiko Bansen von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Fläming-Havel, deren Namen untrennbar mit der Verwirklichung des Kunstwanderweges verbunden sind. Noch 2005 gelang es, den für die Nordroute ausgelobten Künstlerwettbewerb auszuschreiben. 120 Künstler beteiligten sich – zehn Werke wurden später durch eine fachkundige Jury für eine Verwirklichung ausgewählt. „Für jedes Kunstwerk wurde damals ein Bauantrag gefordert“, bemerkt Helga Holz.

Am 5. August 2007 wurde der Pfad schließlich offiziell eröffnet. Drei Jahre später machte die 16 Kilometer lange Südroute den Kunstwanderweg komplett – zuerst war die 19 Kilometer lange Nordroute eröffnet worden. Wer den Weg mit offenen Augen erwandert, begegnet am Wegesrand weiteren zwölf Kunstobjekten.

Wie viele Menschen seitdem auf Schusters Rappen den Pfad erwandert haben, ist unbekannt. Den Beobachtungen von Helga Holz und Gästeführerin Inge Richter aus Bad Belzig zufolge sind es viele. Nur leider wenige aus der hiesigen Bevölkerung. Günter Baaske (SPD), Wahlkreisabgeordneter im Landtag Brandenburg, rührt deshalb die Werbetrommel: „Es tut mir weh, wenn ich höre, dass die Leute zum Wandern nach Bayern gefahren sind und den Kunstwanderweg nicht kennen.“

Für das besondere Stück Heimat vor der eigenen Haustür wünscht sich Helga Holz, dass sich die Menschen vor Ort ihm noch etwas mehr verbunden fühlen. Für die Weiterentwicklung der Region zum Kunstland Hoher Fläming braucht es noch Unterstützer.

Helga Holz geht mit voran. Ein Streifzug zwischen Bad Belzig und Wiesenburg macht ihr im Zweifelsfall dazu Mut.

Von Christiane Sommer

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