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LER-Projekttag in der Senioren-WG

Unterricht einmal anders LER-Projekttag in der Senioren-WG

Die Villa Medon in Kleinmachnow beherbergt eine Senioren-Wohngemeinschaft. Jetzt hatten die Rentner Besuch von Sechstklässlern aus der Grundschule Auf dem Seeberg. Berührungsängste gab es keine, dafür viele Gespräche.

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Schülerin Tania und Seniorin Tatjana Miron beim gemeinsamen Basteln in der Villa Medon.

Quelle: Claudia Krause

Kleinmachnow. Draußen scheint die Sonne, drinnen leuchten Windlichter auf dem schon weihnachtlich gedeckten großen Esstisch. Ringsum stehen Rollatoren. Gerade haben Schulkinder „Die Falle“ von Robert Gernhardt – eine antiautoritäre Weihnachtsgeschichte – vorgelesen und das stimmungsvolle Gedicht von Joseph Eichendorff aufgesagt. Freudig gerührt sitzen ältere Herrschaften neben Mädchen und Jungen. „Es war sehr, sehr schön“, sagt die Mittachtzigerin Angelika Herzog. Dann wird geschwatzt, gelacht, gebastelt. Orangen werden mit Nelken gespickt. Lehrerin Martina Kubel reicht die von den Schülern selbst gezeichneten Weihnachtskarten an die Senioren, die sie selbst beschreiben können.

Dieser stimmungsvolle Vormittag ist eigentlich Unterricht in der Villa Medon. Zehn Schüler der Klasse 6a der Grundschule „Auf dem Seeberg“ führt das Thema „Menschen, die unsere Hilfe brauchen“ im Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religion (LER) in die Senioren-Wohngemeinschaft. Dort helfen die Kinder den alten Damen und Herren, Erinnerungen aufzufrischen. Ganz dicht beieinander sitzen Tania und Tatjana Miron. Die 89-Jährige lebt noch in ihrem eigenen Zuhause, kommt aber gern zu den Begegnungen in der Villa. Kürzlich war es ein Singenachmittag, jetzt die Schülerrunde. „Ich finde es sehr gut mit den jungen Leuten“, sagt die Frau, die selbst drei Kinder, fünf Enkel und 15 Urenkel hat.

Berührungsängste haben die beiden Generationen offenbar nicht. Ein gutes Gespann sind Angelika Herzog und die beiden Jungen Luis und Leon. Sie erzählen von der Schule, ihren Familien, reichen der Rentnerin Süßes, basteln gemeinsam mit den Zitrusfrüchten, lachen viel. Sehr sensibel gehen sie mit kleinen Gedächtnislücken der Frau um, bauen ihr kleine Brücken. Natürlich müsse man denen helfen, die Hilfe brauchen, sagen sie. „Helfen ist Ehrensache“, sind sich die beiden einig. Luis hat eine Oma, die an Alzheimer leidet. „Mich erkennt sie noch, meine Mutti aber nicht mehr. Ich zeige ihr oft ihre Sachen, telefoniere mit ihr und helfe im Garten“, erzählt der Junge mit der feschen Brille. Die ist längst auch Angelika Herzog aufgefallen. Leons eine Großmutter ist mit 86 Jahren „total fit“. Trotzdem hilft der Enkel beim Schneeschieben. Seine andere Oma hatte einen Schlaganfall. Wenn sie sich einsam fühlt, sagt der Junge schon mal eine Verabredung mit einem Freund ab, um die Oma zu besuchen.

Plötzlich kommt Bewegung in die Tischrunde. Plätzchenteig wird ausgerollt. „Wissen Sie noch, wie man Plätzchen macht, möchten Sie mal ein Herz ausstechen?“, fragt Paula die weißhaarige Ilse Maschmeier. Süße Sterne, Eichhörnchen, Glocken entstehen. Die Schüler helfen in der Küche und im Gemeinschaftsraum. Dann zieht es die ersten an die frische Luft. Schülerinnen schieben Rollstühle in den Garten, bringen Senioren zurück aufs Zimmer. Später treffen sich alle noch einmal zu Spaghetti Bolognese.

Nicht nur für die Bewohner und Gäste ist es ein gelungenes Ereignis. Auch Angela Heyroth, die gemeinsam mit Gilta Haensch die Pflegeteam Sanitas GmbH leitet und den Dienst in der Villa leistet, strahlt. „Ich bin begeistert, wie engagiert die Schüler sind und wie viel Freude unsere Senioren haben“, sagt die 55-jährige Berlinerin, Ehefrau des Hauseigentümers. Seit 2010 wohnen Senioren mit allen drei Pflegestufen in dem historischen Haus. Neun Plätze gibt es. Sie sind von vier Frauen und fünf Männern im Alter von 75 bis 90 Jahren belegt. Die Villa bietet Einzelzimmer und Zwei-Raum-Einheiten mit 25 bis 65 Quadratmetern. Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss gleicht einem gemütlichen Wohnzimmer. Und der große Garten bietet Platz für Bewegung. Acht Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Bewohner und der etwa 25 Älteren, die ambulant in deren Wohnungen betreut werden. Zusätzlich widmen sich zwei spezielle Betreuerinnen um die Beschäftigungsangebote.

„Wir wollen gern Kontakte zu Vereinen, Nachbarn und anderen Schulen aufbauen“, lädt Angela Heyroth zu weiteren Begegnungen ein. Inzwischen wächst eine Warteliste für die Aufnahme in die Senioren-WG in der Villa Medon.

Die Villa Medon

Die Villa Medon in der Klausenerstraße 15 wurde 1905/06 für den Hofbrunnenbaumeister Gustav Georg Medon erbaut.

Zunächst wurde das Haus Hotel und Pension. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde das Haus als Kinderheim und -garten der Parteihochschule genutzt. Von 1990 bis 2004 wohnten dort behinderte Erwachsene.

Eigentümer des Hauses ist seit 2007 Christian Meyer. Er ließ die Villa für die Nutzung als Senioren-WG umbauen.

Kontakt unter 030/ 21 47 93 24.

Von Claudia Krause

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