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Laienprediger stützen das christliche Dorfleben

Schenkenberg Laienprediger stützen das christliche Dorfleben

Silvio Elsemüller ist seit fast 20 Jahren ehrenamtlicher Lektor der Jeseriger Kirchengemeinde. Er hält als Laienprediger Gottesdienste. Ohne dieses Ehrenamt würde es in vielen Dörfern im Land Brandenburg keine Andachten mehr geben.

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Silvio Elsemüller in seinem Garten in Schenkenberg. Der Gesamtschul-lehrer vertritt mehrmals im Jahr die Pfarrerin seiner Gemeinde bei Gottesdiensten.

Quelle: Marion von Imhoff

Schenkenberg. Silvio Elsemüller spricht der jungen Frau am Telefon Trost zu, „wir denken an euch und wünschen euch Kraft“. Er lässt die Anruferin erzählen. Wenige Tage zuvor war ein Angehöriger der Schenkenbergerin verstorben. Der 45-jährige Silvio Elsemüller findet die richtigen Worte. Keine Hektik. Er hat Zeit. Dass er eigentlich gerade ein Interview gibt, spürt die Anruferin nicht. In schwierigen Momenten Wohltuendes zu sagen, das ist die Stärke des Potsdamer Gesamtschullehrers. Seit fast 20 Jahren ist der Vater dreier Kinder Laienprediger.

Der Schenkenberger ist einer von 40 Lektoren im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg. Sein kirchliches Ehrenamt brächte es mit sich, dass „viele einen fast als Pfarrer ansehen“, berichtet Silvio Elsemüller. „Ich möchte jedoch nicht etwas sein, was ich nicht bin“, betont er. „Aber es ist schön, dass man Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, wenn man sich Zeit nimmt für ihre Sorgen.“

Ohne Lektoren müsste die Pfarrerin sonntags sechs Andachten halten

Drei-bis fünfmal im Jahr vertritt Silvio Elsemüller Pfarrerin Christiane Klußmann von der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde Jeserig. So war es auch beim Erntedank-Gottesdienst am 2. Oktober in Jeserig. Die Pastorin hielt zeitgleich den Gottesdienst in Deetz und am gleichen Tag noch Andachten in Trechwitz und Schenkenberg. Sie sei froh, „dass wir ein Lektorennetzwerk haben“, sagt Christiane Klußmann. „Die Lektoren sind wirklich geschätzt.“ Im Gemeindeblatt ist angekündigt, ob Laienprediger die Andachten gestalten. „Ich denke, dass wir die Arbeit der Lektoren stärken müssen, weil ich nicht mehr so präsent sein kann“. Christiane Klußmann muss vier Dörfer und – wegen der Pensionierung des dortigen Pfarrers – in wenigen Wochen mit Wust und Gollwitz zwei weitere Orte seelsorgerisch betreuen. „Ich kann nicht an Karfreitag sechs Gottesdienste halten“, unterstreicht sie, warum es Laienprediger gibt.

Silvio Elsemüller, gezeichnet von seinem früheren Schüler John König während des Unterrichts

Silvio Elsemüller, gezeichnet von seinem früheren Schüler John König während des Unterrichts.

Quelle: John König

Silvio Elsemüller hat sich in der Wendezeit 1989, als er gerade seinen Dienst in der Armee absolvierte, eine Bibel gekauft. „Es war in der Adventszeit.“ 1994 lernte er seine Frau kennen „und ich kam plötzlich in einen christlichen Haushalt mit Gottesdienstbesuch an jedem zweiten Sonntag. Anfangs konnte ich damit nichts anfangen.“ Aber mehr und mehr entwickelte Silvio Elsemüller einen festen Glauben zu Gott. „Heute bedeutet Glaube für mich Halt und Stärkung. Meine Ehe ist darauf gebaut. Man hat das Gefühl, dass einem nichts Schlimmes passieren kann“, sagt Elsemüller, der vor drei Wochen Großvater einer Enkelin geworden ist.

Während seines Studiums in Greifswald dachte er daran, Theologie zu studieren. „Aber meine Frau war dagegen. Als Pfarrer ist man ja ständig unterwegs, wird häufig gebraucht, wenn man überlegt, wie viele Dörfer heute ein Pfarrer betreut.“ Elsemüller ist Lehrer für Französisch und Englisch an der Von-Steuben-Gesamtschule in Potsdam. John König, einer seiner Schüler, malte ihn während des Unterrichts. Elsemüller mag das Bild. Auch weil es seinen Ohrring zeigt. Er trägt diesen als Schmuck. Das Loch stach seine Frau – und hatte weiche Knie dabei.

Pfarrer Peter Sachse sprach ihn auf das Ehrenamt an

Laienprediger wurde er, nachdem ihn der frühere Jeseriger Pfarrer Peter Sachse darauf angesprochen hatte. Elsemüller sitzt, während er das erzählt, am Esstisch im Einfamilienhaus in der Kirschbergsiedlung. Dem Raum ist der christliche Glaube seiner Bewohner anzusehen.

Auf dem Klavier, auf den Regalen, hier und dort, stehen Engel, aus Holz, aus Porzellan, teils Sammlerstücke. Im Garten toben junge Katzen durch das Gebüsch. Der 16-jährige Sohn und die 19-jährige Tochter leben noch in ihrem Elternhaus. Der Älteste ist schon aus dem Haus. „Dass Papa bei Gottesdiensten öfter mal da vorne steht“, so gibt der Vater die Worte seiner Kinder wieder, damit sind diese aufgewachsen. Elsemüller ist tolerant. Wie seine Kinder es selbst mit dem Glauben halten, in dieser Frage müssten sie selbst ihren Weg finden.

Laienprediger

Laienprediger, auch Lektoren genannt, sind Gemeindemitglieder, die ehrenamtlich Gottesdienste vorbereiten und halten. Sie übernehmen Sie bereits fertige Predigttexte. Abendmahl, Taufen und Beerdigungen fallen nicht in das Ressort der Lektoren.

Nach Angaben von Pfarrer Martin Gestrich aus Bad Belzig ist es nur durch den Dienst der Lektoren bei der derzeitigen Konzentration von Pfarrstellen möglich, das Leben in den Dorfkirchen am Leben zu erhalten. Martin Gestrich koordiniert die Arbeit der Laienprediger und ist für ihre Ausbildung zuständig. Die ehrenamtliche Ausbildung umfasst sechs Themenkomplexe, vermittelt an sechs Tagen.

Den Predigttext bekommt Elsemüller von der Pastorin. Er ergänzt die Worte und fügt eigene Erlebnisse ein. „Man muss authentisch sein, das merken die Leute, ob man sich verstellt oder echt ist.“

Die Bibel bleibt für Silvio Elsemüller spannend

Und: „Man kriegt zwar eine Routine, aber es ist immer spannend sich mit anderen Bibelstellen auseinanderzusetzen.“ Selbst an Weihnachten hat der gebürtige Brandenburger, der in Neu Bochow und Damsdorf aufgewachsen ist, bereits Gottesdienste in Vertretung der Pastorin gehalten.

Manchmal predigt Silvio Elsemüller vor drei Gottesdienstbesuchern, manchmal ist die Kirche voll. Es macht für ihn keinen Unterschied. Stets trägt er Anzug und Krawatte. Das gehört sich so für ihn in diesen Momenten. Für das Martinsfest hat er mit Jugendlichen ein Rollenspiel einstudiert. Und er erzählt vom Heiligen Sankt Martin und seiner Geschichte des Teilens und an andere zu denken. Sie passt zu diesem Mann.

Von Marion von Imhoff

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