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Land speist Feuerwehr mit Uralt-Fahrzeug ab

Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) Land speist Feuerwehr mit Uralt-Fahrzeug ab

Die Trauer bei der Feuerwehr Lehnin ist noch immer groß nach dem Tod zweier Kameraden Anfang September auf der A 2. Doch nun sind die Feuerwehrleute auch wütend. Denn bei dem Unfall war ein Fahrzeug zerstört worden, für das sie noch immer keinen adäquaten Ersatz bekommen haben. Die Versicherung rührt sich nicht, und das Land sandte ein „Schrottfahrzeug“.

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Das umgestürzte Feuerwehreinsatzfahrzeug am 5. September auf der Autobahn 2 bei Netzen. Zwei Feuerwehrmänner starben bei dem Unfall.

Quelle: Julian Stähle

Kloster Lehnin. Am 5. September starben zwei Lehniner Feuerwehrmänner bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 2. Ein Einsatzfahrzeug im Wert von knapp 400 000 Euro wurde bei der Tragödie völlig zerstört. Auch fast drei Monate nach dem verheerenden Unfall haben die Lehniner Feuerwehrmänner kein gleichwertiges Fahrzeug.

Der zerstörte HLF 20 hat laut Gutachterentwurf einen Totalschaden erlitten. Das Land hat den ehrenamtlichen Rettern von der Stützpunktfeuerwehr lediglich ein 17 Jahre altes ausrangiertes Löschgruppenfahrzeug gestellt.

Während Bürgermeister Uwe Brückner dafür in der Gemeindevertretersitzung dem Land am Dienstagabend dankte, lehnte der Gemeindevertreter und Potsdamer Berufsfeuerwehrmann Peter Kamolz (Die Linke) diese Sichtweise strikt ab: „Es ist eine Frechheit, dass das Land uns diesen Schrott zur Verfügung stellt.“ Sieben Feuerwehrmänner waren in der Sitzung anwesend, um ihrem Kampf für ein gleichwertiges Einsatzfahrzeug Nachdruck zu verleihen, darunter Denny Stimming.

Er wandte sich in einem flammenden Plädoyer direkt an die Kommunalpolitiker und die Verwaltung: „Die Zeit läuft“, seit fast drei Monaten sei die HLF-Box in der Rettungswache leer. „Der HLF 20 war das einsatztaktisch wichtigste Fahrzeug in der gesamten Gemeinde. Ich weiß, dass die Hände gebunden sind, aber es muss Wege geben.“

Die Rettungswache Lehnin

Die Rettungswache Lehnin. Dort, wo das Einsatzfahrzeug HLF 20 parkte, haben die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner einen Ort des Gedenkens für die beiden getöteten Kameraden hergerichtet.

Quelle: Marion von Imhoff

Das vom Land gestellte Fahrzeug verfüge noch nicht einmal über Anschnallgurte für alle Plätze und sei nicht mit gleichguter Technik ausgestattet, so Stimming. Das sei ein Schlag für die Motivation der Feuerwehrkameraden. Diese waren nach der Tragödie sechs Wochen nicht einsatzfähig angesichts der tragischen Ereignisse. „Für uns ist völlig unverständlich, warum die gegnerische Versicherung oder der kommunale Schadensausgleich nicht binnen weniger Wochen in Haftung genommen werden“, sagte Kamolz und spricht von „blanker Wut der Kameraden“.

Der schwarze Dienstag im September

In der Nacht des 5. Septembers eilten die Mitglieder der Freiwilligen Gemeindefeuerwehr Kloster Lehnin zu einem Unfall auf der Autobahn 2. In die Unfallstelle fuhr ein Lastwagen und schleuderte gegen ein Feuerwehreinsatzfahrezug. Dieses stürzte um und begrub zwei 38 und 23 Jahre alte Feuerwehrmänner, die noch am Unfallort starben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Potsdam wird das Unfallgutachten nicht vor Januar fertig sein. Das teilte am Mittwoch auf Anfrage Christoph Lange, Sprecher der Staatsanwaltschaft, mit. Das Gutachten gebe Aufschluss über die Schuldfrage. Das kann der Grund sein, warum die Versicherung des Spediteurs für ein neues Fahrzeug noch nicht aufgekommen ist.

Bürgermeister Brückner zufolge würde das Mieten eines solchen Fahrzeuges zwischen 3900 und 7000 Euro im Monat kosten. „Momentan haben wir eine Anfrage an die gegnerische Versicherung gestellt, die Antwort steht noch aus.“ Ein gleichwertiges zu kaufen, sei schwierig, weil die Produktion dieser Spezialfahrzeuge anderthalb Jahre dauere. Bis Fördermittel dafür fließen könnten, würden Jahre vergehen.

Im schlimmsten Fall stünde erst in vier Jahren ein neuer HLF 20 in Lehnin. Gebrauchtfahrzeuge im Alter des zerstörten Wagens gebe es auf dem Markt nicht, „weil sie noch in Benutzung sind“, sagte Brückner. Kamolz zufolge steht lediglich im Feuerwehrtechnischen Zentrum ein solcher HLF 20 – jedoch nur für Ausbildungszwecke.

Gemeinde hat noch keinen Anwalt eingeschaltet

Der Schaden werde noch von den Versicherungen geprüft, sagte Brückner. „Bei einem derart komplexen Unfall ist diese Zeitdauer auch nicht ungewöhnlich, zumal die Frage des Verschuldens ebenfalls noch nicht abschließend geklärt zu sein scheint“, so Brückner zur MAZ.

Der Lehniner Ortsvorstehers Frank Niewar fragte, warum die Gemeinde keinen Anwalt nehme. Dazu sagte Brückner der MAZ. „Gegenwärtig hält die Gemeinde Kloster Lehnin diesen Schritt noch nicht für erforderlich.“ Brückner betonte, erst am Montag mit dem zuständigen Ministerium über mögliche Lösungswege gesprochen zu haben. Auch das Land suche nach einer Lösung.

Die schlechtere Ausstattung der Lehniner Feuerwehr hat auch mögliche Auswirkungen für Unfallopfer. Deren Rettung könne im schlimmsten Fall länger dauern, sagte der amtierende Gemeindewehrführer Marko Riesenberg am Mittwoch der MAZ. Die Lehniner Feuerwehr ist eine der wichtigsten bei Unfällen auf der Autobahn 2.

Von Marion von Imhoff

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