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Landärztin geht in den Ruhestand

Wusterwitz Landärztin geht in den Ruhestand

Nach 42 Jahren als Landärztin, davon 36 in Wusterwitz, geht Johanna Kirschner in den Ruhestand. Ihre Praxis, die gerade renoviert und modernisiert wird, und den Patientenstamm übernimmt ab 4. April der junge Facharzt für Allgemeinmedizin Hendryk Eichholz aus Ziesar. „Jetzt freue ich mich auf mehr Zeit für meine Familie und meine Hobbys“, sagt die 67-Jährige.

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Landärztin Johanna Kirschner geht in Rente.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Wusterwitz. „Landärztin ist mein Traumberuf“, sagt Johanna Kirschner. „Doch jetzt freue ich mich auf mehr Zeit für meine Familie, Hobbys und für mich selbst.“ Die 67-Jährige geht nach einem erfüllten Berufsleben in den wohlverdienten Ruhestand. Bis Monatsende hat sie noch Urlaub. Ihre Praxis in der Hauptstraße 22, die gerade renoviert und modernisiert wird, und den Patientenstamm übernimmt ab 4. April der Facharzt für Allgemeinmedizin Hendryk Eichholz aus Ziesar. Zwei Jahre lang hatte sie nach einem Nachfolger gesucht.

Der 39-Jährige ist in Ziesar aufgewachsen, zur Schule gegangen und wohnt mit seiner Familie dort. Seine fünfeinhalbjährige Facharztausbildung absolvierte Eichholz im Städtischen Klinikum in Brandenburg, wo er als Assistenzarzt arbeitete und ein Stipendium nutzen konnte, um junge ortsansässige Mediziner zu binden. Seit Februar ist er fertig und hatte ein Vierteljahr lang Zeit, die Patienten von Johanna Kirschner kennenzulernen. Vor seinem Medizinstudium in Berlin ließ er sich an der Medizinischen Fachschule Brandenburg zum Physiotherapeuten ausbilden und sammelte Berufserfahrungen im Klinikum sowie bei einer Reha-Klinik an der Nordsee.

Wusterwitz-Dorf und Fiener-Orte waren ihr Bereich

Johanna Kirschner ist seit 1973 Landärztin gewesen, davon 36 Jahre in Wusterwitz. „Nach meiner Ausbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin wollte ich mich beruflich verändern. Außerdem herrschte in Wusterwitz gerade Ärztemangel“, erzählt sie. Heute sei der Ort mit drei Allgemeinmedizinern optimal versorgt. Davor war sie Bereichsärztin in einem Landambulatorium in Neustadt/Dosse. „Dort habe ich richtig schwimmen gelernt“, sagt sie, die aus der Nähe von Thale stammt. Im Wusterwitzer Landambulatorium war sie gemeinsam mit Heiner Schöndube und Horst Schambach tätig, der ein Jahr später anfing. Während die Männer für die Patienten im Bahnhofsviertel sowie in Bensdorf und Warchau zuständig waren, gehörten Wusterwitz-Dorf, Zitz, Rogäsen, Viesen und Mahlenzien zu ihrem Bereich. Mit wechselnden Sprechstunden und Hausbesuchen. Viele Jahre arbeitete sie mit der kürzlich verstorbenen Gemeindeschwester Liesbeth Hinz zusammen. Als diese in Rente ging, folgte Heike Geisler. „Damals hatten wir keine Medizinprodukte, wenig Arbeitsmittel, viele Dienste und standen unter politischem Druck“, erinnert sie sich. Im Sommer seien durch die Betriebsferienlager 800 Kinder zusätzlich zu versorgen gewesen. „Selbst zu Unfällen sind wir zu DDR-Zeiten gefahren.“ Nachdem Schöndube 1987 einen Ausreiseantrag gestellt hatte, wurde Johanna Kirschner von der Kreisärztin als Leiterin des Landambulatoriums eingesetzt. 1991 ist es aufgelöst worden, kurz zuvor war Christian Fischer als Arzt dazugekommen.

„Ich war die Letzte, die in Wusterwitz am 1. April 1992 in die Niederlassung ging“, erzählt sie. „Plötzlich war alles da.“ Die Räume in der 1903 erbauten Villa hatte sie von der Gemeinde gemietet, damals sogar eine Physiotherapeutin angestellt. Nach Querelen mit der Wohnungsbaugesellschaft Ziesar als Verwalter und dem aus Syrien stammenden ominösen Zahnarzt Bassam K., der im Keller des ehemaligen Ambulatoriums seine Praxis hatte und sich 1996 als „Kassenwart“ der Zehlendorfer Tunnelgangster entpuppte, zogen Johanna und Bernhard Kirschner die Konsequenten, wie sie sagen, und kauften sich schräg gegenüber in der Hauptstraße 22 das alte Bauernhaus. Auf 110 Quadratmetern richteten sie die Praxis her. Zum Team gehörten drei Angestellte. „Vor allem bei Ramona Schwarze möchte ich mich für 25 wundervolle Arbeitsjahre bedanken und bei den Patienten für das Vertrauen mit der Bitte es an meinen Nachfolger zu übertragen“, sagt Johanna Kirschner, die sich immer als Landärztin verstanden hat.

Landärztin war ihr Traumberuf

„Ich bin fast 37 Jahre hier, kenne viele Familien und habe sie in verschiedenen Lebenslagen begleitet. Die Kinder von damals sind heute Erwachsene.“ Auch wenn kassenärztliche Bürokratie und die Politik der Krankenkassen den niedergelassenen Ärzten das Arbeitsleben erschweren, würde sie ihren Beruf immer wieder ergreifen. Gatte Bernhard habe ihr den Rücken frei gehalten. In dem Wusterwitzer Bauernhaus mit dem großen Garten will das Ehepaar wohnen bleiben. Die erwachsene Tochter und siebenjährige Enkelin leben in Hamburg. Johanna Kirschner singt in der Stadtkantorei Brandenburg, will wieder mehr Sport treiben und denkt darüber nach, in einem Tierheim ehrenamtlich tätig zu werden. „In meiner Jugend“, verrät sie, „wollte ich Tierärztin werden.“

Von Claudia Nack

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