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Landwirt glaubt trotz Preisverfalls an die Milch

Kranepuhl Landwirt glaubt trotz Preisverfalls an die Milch

Aufgeben steht trotz aller Missstände und finanzieller Sorgen nicht zur Diskussion. Gleichwohl ärgert sich der Chef der Flämingrind-Genossenschaft über die Preispolitik der Handelskonzerne und Molkereien. Deshalb fordert er unter anderem eine Atempause, was neue Forderungen an die Tierhaltung betrifft.

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Ulrich Benedix

Quelle: Andreas Koska

Kranepuhl. Noch vor einem Jahr, als die Milchquote wegfiel, sah der Geschäftsführer der Flämingrind-Produktivgenossenschaft, Ulrich Benedix, keinen Grund zur Sorge. Inzwischen sieht er große Probleme auf die Bauern und seinen Betrieb zukommen.

Der Milchpreis ist tiefer im Keller denn je; der Fleischpreis ebenso. Was bedeutet das für ihren Betrieb?

Ulrich Benedix : Die Ziele zur Betriebsentwicklung werden zurückgesteckt. Nur die notwendigsten Investitionen zur Instandhaltung werden durchgeführt. Das geht nicht auf Dauer.

Was kann für Entlastung sorgen?

Benedix : Zuerst muss der Druck auf unsere Betriebe im Bereich Tierwohl und -haltung herausgenommen werden. Alle politischen motivierten Gesetzesänderungen sind zu stoppen. Die Anpassung kostet wieder Geld, das wir nicht haben und das wir derzeit nicht bezahlt bekommen. Auch wenn der Kunde eigentlich einen Euro für einen Liter Bauernmilch bezahlen würde – es kommt einfach nicht bei den Bauern an. Dennoch haben alle das gleiche Ziel: ein Maximum an Tierzufriedenheit auf der ganzen Linie der Tierhaltung.

Gibt es Überlegungen, die Milchkühe abzuschaffen, wie es schon in einigen Betrieben im Hohen Fläming geschehen ist?

Bendedix : Nein. Es klingt vielleicht absurd, aber wir hätten die Milchproduktion schon bei 40 Cent je Liter einstellen können, weil sie nicht kostenedeckend war. Haben wir aber nicht, weil wir weiterhin an die Milch glauben und an den Wirtschaftskreislauf.

Was heißt das konkret?

Benedeix : Heute ist die Devise: Melken, was die Kuh geben möchte. Das Reduzieren der Milchleistung kostet sonst mehr Geld als Füttern und Melken auf normalem Niveau. Die Kosten für Melker, Versicherung und Strom bleiben gleich, egal wie groß die erzielte Menge ist. Dieser monatliche Umsatz ist besser als nichts. Aufgeben steht derzeit nicht zur Diskussion.

Sie haben viel ins Tierwohl investiert. Zahlt sich das aus?

Benedix : Nein. Ob in der Milch- oder in der Magerfleischproduktion: Es ist kein freier Markt, auf dem Preise verhandelt werden. Milch und Fleisch werden jetzt produziert. Wenn die Erzeugnisse verkauft werden sollen, schreiben Handel oder Molkereien vor, was die Betriebe dafür bekommen. Das geht so nicht mehr lange. Wer soll so Ausgaben auf zehn oder 20 Jahre planen? Das betrifft mithin die Investitionen ins Tierwohl. Wenn nicht sicher ist, dass vernünftig bezahlt wird, welche Motivation hat der Unternehmer noch? Die Entscheidung liegt leider nicht wirklich beim Verbraucher im Supermarkt, wie immer erzählt wird.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze also?

Benedix : Wir sind ein großer Familienbetrieb, der durchaus das Selbstverständnis hat, dass Landwirtschaft die Basis der Lebensmittelproduktion ist und bleibt. Unter dem Aspekt sind 26 direkt Angestellte beschäftigt, mit denen es uns gewiss gelingen wird, weiter die Rinderhaltung zu realisieren. Wir halten 150 Milchkühe und 250 Mutterkühe entlang der Plane und in den Belziger Landschaftswiesen.


Von Andreas Koska

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