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Landwirte klagen über niedrigen Marktpreis

Getreideernte Landwirte klagen über niedrigen Marktpreis

Die Landwirte in Potsdam-Mittelmark machen sich bereit für die bevorstehende Ernte. Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet für dieses Jahr eine leicht überdurchschnittliche Ernte. Ähnlich sehen es viele Landwirte auch in der hiesigen Region. Es herrscht Unmut, doch in erster Linie nicht über das Wetter.

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Die Getreideernte ist bald ran.

Quelle: Fischer

Mittelmark. Die Landwirte in Potsdam-Mittelmark machen sich bereit für die bevorstehende Ernte. Der Deutsche Raiffeisenverband erwartet für dieses Jahr eine leicht überdurchschnittliche Ernte. Ähnlich sehen es viele Landwirte auch in der hiesigen Region. Mit einigen Ausnahmen: Im Kreisbauernverband häufen sich nach Angaben von Kornelia Hurttig Klagen von Landwirten in der Region Planetal über verfaultes Getreide und Mais auf den Äckern, die seit den unwetterartigen Regengüssen vor drei Wochen noch immer unter Wasser stehen. Diese Entwicklung hatte sich Anfang Juni etwa rund um Golzow bereits angedeutet.

Andere Landwirte beschreiben eher teils zu trockenes Wetter der vergangenen Wochen. Auch wenn einige den Siebenschläfer mit Regentagen just zur Ernte fürchten: Für Unmut indes sorgt bei den meisten nicht das Wetter. Die Preisentwicklung für Getreide „ist katastrophal“. So sagt es Ulrich Benedix, Geschäftsführer der Flämingrind e.G. in Bad Belzig. Das, was der Markt zahle, decke nicht einmal die Produktionskosten. Jens Schreinicke, Landwirt aus Stücken bei Michendorf und seit Anfang 2015 Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark, bestätigt: „Aus dem Bauch heraus rechne ich mit einer nicht allzu schlechten, wenn sogar guten Ernte“, sagt Schreinicke. „Wegen der Preise aber ist die Euphorie nicht ganz super.“

Benedix sagt es so: „Wer ab Feld verkauft oder nicht einlagern kann, ist ordentlich gekniffen.“ Auch Einlagern sei nicht immer ratsam: „Da kommen Lagerkosten, es droht Käferbefall und dann sind die Getreidepreise im nächsten Jahr vielleicht auch nicht besser.“ Während mittlerweile die tiefen Milchpreis landauf, landab bekannt sind, ist die für Landwirte herrschende Misere beim Getreidepreis längst nicht im allgemeinen Bewusstsein. 122 Euro erwartet Benedix pro Tonne Roggen. „Die Produktionskosten liegen bei 140 Euro pro Tonne.“ Die Kosten summieren sich aus Saat, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz- und Düngemittel, Pacht, Versicherungen und Ernteaufwand. Mit fünf Tonnen je Hektar Roggen rechnet Benedix.

Die Ernte von Getreide

Der Feuchtegehalt des Getreides ist ein wichtiger Wert, nach dem Landwirte den Beginn des Erntezeitpunkts festsetzen. Eine Feuchtigkeit unter 15 Prozent gilt als ideal. Daher bieten warme und trockene Tage bestes Erntewetter.

Nach der Gerste Anfang Juli folgt die Ernte von Roggen und Weizen. Als letztes wird im Oktober der Körnermais von den Feldern geholt.

Deutschlandweit wurden 2015 48,2 Tonnen Getreide geerntet einschließlich Körnermais. Das waren drei Tonnen weniger als im Jahr zuvor.

Getreide geht in die Lebens-, aber auch in die Futtermittelproduktion.

Etwas zurückhaltender sind die Erwartungen von Gerhard Ulrich von der Agrar GmbH Brielow an seine Erträge: Er rechnet mit 4,5 Tonnen Roggen je Hektar, also mit der gleichen Menge wie im vorigen Jahr. „Wir erwarten eine gute durchschnittliche Ernte“, so Ulrich. Anfang Juli wollen Ulrich und sieben Mitarbeiter des landwirtschaftlichen Betriebes zunächst die Gerste ernten. Mit zwei Mähdreschern werden sie auf die Felder ziehen. Auf 350 Hektar wächst der Roggen, er braucht weniger schweren Boden, ist genügsamer als andere Getreidearten. Roggen ist daher der Renner in der „Streusandbüchse der Mark“, wie Ulrich sagt.

Es sind nicht gerade Beamtenarbeitszeiten, die in der Erntezeit gelten: Morgens zwischen 10 Uhr und 11 Uhr beginnt die Ernte und geht bis 22, 23 Uhr. 1550 Hektar Land gehören rund um Brielow, Marzahne, Hochenferchesar und Radewege zur Agargenossenschaft Brielow, 22 Männer und Frauen sind dort beschäftigt.

Wenn der Verbandschef Schreinicke auf bestes Erntewetter hofft, denkt er an „Sonnenschein, 25 bis 30 Grad, eine leichte Briese und alle paar Tage einen leichten Schauer mit 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Das ist Traumwetter eines Landwirten.“ Matthias Busse, Leiter Pflanzenbau der Agrargenossenschaft Fiener Bruch bei Rogäsen und Schreineckes Vize, sieht es wohl nicht anders. Sein Betrieb hofft auf bessere Getreidepreise 2017: „Wir lagern alles ein.“ Trockenes Wetter vergangene Wochen habe einige Böden austrocknen lassen. Beregnungsanlagen wie viele Höfe in Niedersachsen sie einsetzen, seien in Brandenburg eher die Ausnahme. Bei Trockenheit hilft daher nur auf Regen warten. Je auf 170 Hektar wachsen Weizen, Raps und Gerste, auf 110 Hektar Roggen im Fiener Bruch. Andere Flächen, die von dem sehr punktuell aufgetretenen Starkregen betroffen waren, sind noch immer nicht mit schwerem Gerät befahrbar. Für 300 Hektar Grünland gelte das, sagt Busse.

Sollte es tatsächlich zu Regen während der Ernte kommen, heißt es einpacken und einen Tag zum Abtrocknen des Feldes warten. „Das Erntefenster wird sehr schmal“, sagt Ulrich Benedix von der Flämingrind e.G. Gelten in seinem Betrieb zehn Tage zum Einbringen der Gerste, kann sich das in diesem Jahr auf sieben bis acht Tage reduzieren. Das Getreide unter Hochdruck unter Dach und Fach zu bringen, auch das könnte die Ernte 2016 charakterisieren.

Von Marion von Imhoff

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