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Laut blökende Schafe nerven die Nachbarn

Radewege Laut blökende Schafe nerven die Nachbarn

Eine Provinzposse aus dem Lehrbuch beschäftigt die Menschen in Radewege (Potsdam-Mittelmark): Dort bringen Schafe die Anwohner an den Rand des Wahnsinns. Ein betroffenes Ehepaar führt jetzt auf Bitte des Amtes Beetzsee ein Lärmprotokoll über die Tiere auf dem Nachbargrundstück. Danach gibt es bis zu acht Stunden täglich kein Schweigen der Lämmer.

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Die kleine Schafherde mit Muttertieren und Lämmern ist nach Ansicht eines Rentnerpaares aus Radewege zu laut.

Radewege. Laut blökende Schafe bringen ein Paar aus Radewege an den Rand seiner Nerven. Elke Gottschalk und Karl Heinz Machnitzke kämpfen seit 2015 für ein Einschreiten des Amtes Beetzsee gegen den, wie sie sagen, unerträglichen Geräuschpegel von der Weide hinter ihrem Garten. Das Amt Beetzsee forderte das Rentnerpaar daraufhin auf, ein Lärmprotokoll über die Schafe auf dem Nachbargrund anzufertigen. Seit dem 16. Februar nun führen die beiden 75-Jährigen Protokoll. Es liegt auf ihrem Küchentisch bereit und ist eine akribisch geführte Strichliste: Danach gibt es über fünf bis acht Stunden täglich kein Schweigen der Lämmer.

„Bis abends geht es lang hin, das ist nicht in Ordnung, manchmal kommen die bis an den Zaun ran und blöken. Das ist nicht in Ordnung“, schimpft Karl Heinz Machnitzke immer wieder. Der gelernte Gärtner vermutet, dass die Tiere Hunger leiden und deswegen um Futter betteln.

„Das ist nicht zu ertragen“

Die kleine Schafherde mit etwa 15 Tieren gehört dem Gemeindearbeiter im Amt Beetzsee, Friedhelm Bredow. Der 57-Jährige hat das Gemeindeland gepachtet . „Das ist Leben auf dem Dorf: Da kräht ein Hahn und da bellt ein Hund“, er könne den Ärger nicht verstehen, wettert Bredow. „Alle anderen freuen sich über die Schafe und füttern sie und dann kommen sie halt an und machen Krach- das ist so bei Schafen.“ Er halte die Tiere vernünftig: „Jeden Tag bringe ich Heu und Hafer, was soll ich noch machen?“

Elke Gottschalk und Karl Heinz Machnitzke in ihrem Garten, den sie eigenen Angaben nicht mehr genießen können, ohne sich von dem Schafblöken g

Elke Gottschalk und Karl Heinz Machnitzke in ihrem Garten, den sie eigenen Angaben nicht mehr genießen können, ohne sich von dem Schafblöken gestört zu fühlen. Sie selbst halten mehrere dutzend Hühner.

Quelle: Marion von Imhoff

Dass sich alle anderen außer dem Rentnerpaar über die Schafe in Radewege freuen, wie Friedhelm Bredow behauptet, ist nicht ganz so: Gemeindevertreter Martin Wetzel (parteilos) kann die Beschwerde von Elke Gottschalk und Karl Heinz Machnitzke durchaus verstehen: „Es ist sehr laut, das Blöken. Man kann sich da nicht in den Garten setzen.“ Er sei dagegen gewesen, dass das Areal an den Hobby-Tierhalter verpachtet worden sei. „Man kann Schafe nicht im Dorf halten. Das ist nicht zu ertragen.“

Amt Beetzsee will Vorwürfe prüfen

Katrin Mühlenberg, Leiterin des Amtes für Ordnung und Soziales, kündigte an, das Veterinäramt des Landkreises Potsdam-Mittelmark einzuschalten. Sie möchte prüfen lassen, ob die Tiere tatsächlich ausreichend Futter erhalten.

Nachbarschaftsstreit über Hähne und Schafe

Immer wieder gibt es Nachbarschaftsstreit über Tierlärm. So klagte etwa ein Bewohner in Zitz (Potsdam-Mittelmark) gegen das Krähen eines Hahnes. Dort muss nun nachts und an den Wochenenden eingesperrt werden. Ärger gibt es nicht selten auch wegen Blöken von Schafen.

Rechtsgrundlage sind das Bundes- und das Landesimmissionsschutzgesetz. Danach kann auch von Tieren erzeugter Lärm als Ruhestörung gelten. Doch nicht jeder Lärm ist Ruhestörung. Im Amt Beetzsee regelt eine Ordnungsbehördliche Verordnung auch die Frage der Lärmbelästigung. Mit Verweis auf das Landesimmissionsschutzgesetz gilt etwa die Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr.

Das Amt Beetzsee will nun weiter prüfen, ob tatsächlich eine Lärmbelästigung vorliegt. „Wir werden auch mit den Nachbarn sprechen, ob es sich bestätigt“, so Katrin Mühlenberg. Dann sei zu entscheiden, ob der Pachtvertrag möglicherweise gekündigt werde.

Friedhelm Bredow hält in seinem Garten zuhause noch Tauben, Hühner, Enten und Kaninchen. Für die Schafe, die er seit einigen Jahren besitzt, hat er keine andere Fläche als das Gemeindeland zur Unterbringung. Die Herde verkleinern wolle er auch nicht, sagt er . Zwar schlachte er Ostern und Weihnachten Lämmer, immer wieder werden aber auch neue geboren.

Von Marion von Imhoff

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