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Lautstarker Protest gegen Neonazis

Fast 200 Menschen solidarisieren sich für Asylbewerber Lautstarker Protest gegen Neonazis

Etwa 200 Menschen haben am Sonnabend ihre Solidarität mit den Menschen im Asylbewerberheim Bad Belzig bekundet. Zwei Dutzend waren indes einem NPD-Aufruf zu Mahnwachen gefolgt. Ein großes Polizeiaufgebot sicherte beide Veranstaltungen ab. 

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Trotz des nassfeuchten Wetters kamen rund 200 Menschen zur Kundgebung.

Quelle: Michael Greulich

Bad Belzig. "Manch einer hat schon Engel beherbergt, ohne dass er davon wusste", sagte Pfarrer Martin Gestrich. Plätzchen in Form dieser Figuren hatten junge Christen aus Bad Belzig und Niemegk zum Rathaus der Kur- und Kreisstadt mitgebracht und verteilten sie ‒ erinnernd an das Jesuswort: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen" ‒ an die fast 200 Teilnehmer einer Sympathie-Kundgebung für die Bewohner des Asylbewerberheimes.

Pfarrer Daniel Geißler aus Niemegk verteilt Engelsplätzchen.

Quelle: Michael Greulich

Hannelore Klabunde (parteilos) hatte dazu aufgerufen. Die Bürgermeisterin freute sich über den Zuspruch aus allen Generationen und Schichten der Einwohnerschaft.Ungeachtet der nasskalten Witterung am Sonnabend Vormittag sei es vielen ein Anliegen gewesen, "das Gesicht von Bad Belzig zu zeigen". Neben den Stadtverordneten aller Fraktionen waren die Landtagsabgeordneten Astrit Rabinowitsch (Die Linke) und Günter Baaske (SPD) vor Ort und ergriffen das Wort. "Wir haben nicht Angst um die Kultur, sondern freuen uns über eine Bereicherung", sagte der Minister. "Bad Belzig kann noch ein paar Farbtupfer gebrauchen", kam es fast als Antwort von Jean-Marc Banoho. Der 42-jährige Kameruner lebt seit 1997 im Hohen Fläming und engagiert sich für die Integration von Ausländern.

"Asylmissbrauch" und "Überfremdungswahn" hingegen hieß es vom NPD-Kreisverband Havel-Nuthe. Er hatte zwei Mahnwachen im Zentrum von Bad Belzig sowie im Wohngebiet Klinkengrund angemeldet ‒ offenkundig, um der bisher via Internet agierenden Bürgerinitiative "Nein zum Heim in Bad Belzig" den Rücken zu stärken. Unter den rund 25 Anhängern waren vor Ort bekannte Aktivisten wie Mike E., Bruder des im NSU-Prozess angeklagten Andre E., sowie Pierre Dornbrach vom Bundesvorstand der Jungen Nationalen und Aileen Rokohl als Rednerin.

Polizei sichert den NPD-Auftritt im Klinkengrund ab.

Quelle: Michael Greulich

Von ihrem Aufstellort am Sandberger Platz zogen sie dann noch zur Ecke Erich-Weinert-Straße/Hans-Marchwitza-Straße, wo die gleichen Texte verlesen wurden. Räumlich getrennt von einem großen Aufgebot der Polizei haben die Gegendemonstranten dann mit Sprechchören, Trillerpfeifen Trommel- und Fanfarenklängen die Auftritte der Sprecher begleitet.

Nach Ansicht von Matthias Tänzer "haben beide Seiten die Gelegenheit gehabt, ihren Standpunkt darzulegen." Da es ansonsten keine besonderen Vorkommnisse gegeben habe, sei es für die Kollegen ein gelungener Einsatz gewesen, wie der Chef der Polizeiinspektion Brandenburg einschätzte.

Beobachter mutmaßen, dass die Rechtsextremen im Vorfeld der Wahlen nächstes Jahr noch mehrfach herausfordern werden. Sie sehen nach diesem Sonnabend in Bad Belzig aber weiter ein gutes Fundament für die Demokratie.

Von René Gaffron

Interview: 700-fache Zustimmung

Maximilian Hennig (19) hat die Facebook-Seite „Solidarität mit dem Flüchtlingsheim Bad Belzig“ online gestellt.

MAZ: Wie kamen Sie auf die Idee für die Internetpräsenz?
Maximilian Hennig: Es war eine Bauchentscheidung. Ich stamme aus Dippmannsdorf, habe am Fläming-Gymnasium voriges Jahr mein Abitur abgelegt und beobachte als Student, was gerade in  Bad Belzig passiert. Da wollte ich irgendetwas tun.

Sind Sie zufrieden mit der Wirkung?
Henning: Binnen vier Tagen gibt es mehr als 700 Sympathiebekundungen. Es ist eine Antwort auf das, was von den Rechtsextremen propagiert wird.

Ist es Ihr erstes politisches Engagement?
Hennig: Ich stehe keiner Partei nahe. Aber gegen Rechtsextremismus und Gewalt engagiere ich mich schon häufiger.

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