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Potsdam-Mittelmark Leckere Früchte aus dem Wandertunnel
Lokales Potsdam-Mittelmark Leckere Früchte aus dem Wandertunnel
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00:26 06.06.2015
Erntehelfer Zalan Bötthe aus Rumänien (links) und Geschäftsführer Andreas Wittmann, der auch mal selbst Hand anlegt. Quelle: U. Klemens
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Die erreichte Menge und die Qualität der leckeren und begehrten Früchte sind für ihn Grund genug, um im kommenden Jahr im noch größeren Stil fortzufahren.

„27 bis 28 Tonnen Erdbeeren werden wir wohl geerntet haben, wenn in gut einer Woche die Erntezeit vorüber ist“, sagt Andreas Wittmann. Im vergangenen Jahr hatte er den Spargelhof Bardenitz erworben und sich in diesem Jahr erstmals, parallel zum Spargel, dem Erdbeeranbau gewidmet. Die Idee, Wandertunnel aus Folie und Stahlrohr zu errichten und darin unter gewächshausähnlichen Bedingungen die leckeren Früchte anzubauen, hat sich für den Oberbayern, trotz der immensen Startinvestition von 400.000 Euro, ausgezahlt.

Etwa ein Viertel dieser Summe habe er bereits im ersten Monat nach dem Beginn der Ernte Anfang Mai mit seinen Erdbeeren verdient. „Es müssen ja nicht gleich im ersten Jahr alle Kosten wieder drin sein“, zeigt sich Wittmann realistisch.

Die Hoffnung auf höhere Einnahmen würden allerdings an der Preispolitik der Discounter scheitern. Dass in deren Läden die 500-Gramm Schale mitunter für 30 Cent zu haben ist, obwohl alleine die Pflückkosten bei ihm doppelt so hoch sind, bezeichnet er als „Fehler im System“. Und: „Wenn man bedenkt, welche Transportwege die Discounterware hinter sich hat und wie hoch die Kosten allein dafür sind, kann man sich ausrechnen, welche Löhne dabei für die Erntehelfer rauskommen.“

20 Erntehelfer aus Polen und Rumänien pflücken bei Wittmann im Akkord die Beeren direkt in die Stiegen, die jeweils etwas mehr als fünf Kilo Früchte fassen. 2,80 Euro pro Stiege sind der Lohn für die Pflücker, die ihre Arbeit knieend erledigen. „Vier Stiegen pro Stunde schafft ein Erntehelfer im Durchschnitt, manche sogar sechs“, sagt Bernd Gerstacker. Er ist im Unternehmen für den Anbau und die Vermarktung der Erdbeeren zuständig. Das Arbeitszeitgesetz regelt, dass kein Helfer mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten darf.

Aufwendiger Anbau

Das Errichten so genannter Wandertunnel aus Folie bedarf keiner baurechtlichen Genehmigung – auch wenn die Tunnel zum Teil beträchtlich groß sind. Geregelt wird dies durch die Brandenburgische Bauordnung, in der für Landwirtschaftsbetriebe weniger strenge Maßstäbe gelten.
Für Privatgärtner, die mit dieser einträglichen Anbaumethode liebäugeln, gilt dieses Privileg nicht. Im Außenbereich dürfen private Wandertunnel nur dann ohne Baugenehmigung aufgestellt werden, wenn die Größe der Anlage weder 150 Quadratmeter Grundfläche, 50 Kubikmeter umbauten Raumes oder fünf Meter Höhe überschreitet.
Die Tunnel bestehen aus einem Stahlrohrrahmen, der zwei Meter tief im Boden verankert ist. Richtig befestigt, ist die Folie reißfest, trübt sich aber durch Sonnenlicht und muss nach wenigen Jahren ausgetauscht werden.

„Ginge es nach dem Willen etlicher Helfer, würden sie 100 Stunden arbeiten, damit sich die Fahrt nach Deutschland lohnt“, sagt Wittmann und schüttelt den Kopf. „Nur bei mir kümmert sich keiner, wie viel ich arbeite und ob auch ich am Ende Geld verdiene.“ Das Gros seines Erdbeer-Umsatzes macht Wittmann mit dem Verkauf an den zehn eigenen Marktständen, in denen zwischen Bad Belzig und Jessen die frische Ware zu haben ist. Auch andere Spargelhöfe, Edeka und ein Berliner Großmarkt werden von ihm beliefert.

Bei der Qualität spiele der Anbau im Wandertunnel seine ganze Überlegenheit aus. Da die Pflanzen ausschließlich mit Tröpfchenschläuchen von unten mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden, gibt es oberhalb keine Fäulnis und das Fruchtfleisch bleibt bis zur Ernte fest. Der richtige Zeitpunkt des Pflückens ist immens wichtig. „24 Stunden vor der Reife bekommt die Frucht den größten Schub an Aroma“, sagt der studierte Agrarbetriebswirt. Der kurze Weg bis zum Käufer tut dann sein Übriges.

Die Idee, aus nicht verkaufter Rückläuferware Erdbeeraufstrich und -likör zu produzieren, hat Andreas Wittmann für das erste Erntejahr verwerfen müssen. „Wir haben nicht genug Rückläufer.“ Vielleicht klappt es dafür im nächsten Jahr. Die Zahl der jeweils 100 Meter langen Anlagen will Wittmann dann von 30 auf 50 erhöhen.

Von Uwe Klemens

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