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Potsdam-Mittelmark Leibwächter auf vier Beinen
Lokales Potsdam-Mittelmark Leibwächter auf vier Beinen
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00:38 23.07.2015
Mario Lindenborn mit seinen Herdenschutzhunden. Er züchtet inzwischen verschiedene Rassen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Reetzerhütten

Die Sonne verschwindet hinter der Kulisse des Flämings. Über Kiefern, Laubwälder, Wanderwege und Maisfelder bricht die Dämmerung herein. Für die Schafe, Ziegen, Gänse, Schweine und Zwerg-Rinder, die im einsam gelegenen Herdenschutzhundezentrum bei Reetzerhütten leben, geht ein friedlicher Tag zu Ende. Doch wehe, wenn Gefahr droht. Dann spitzt Arthus die Ohren, baut sich blitzschnell auf, und verbellt seinen Gegenüber auf der anderen Seite des Zauns. Das kann ein ausgebüxter Dackel sein. Oder ein Wolf. Keiner von beiden würde es wagen, gegen den 60 Kilo schweren Haustier-Leibwächter anzutreten.

Berghunde in der Nachtschicht

Arthus ist ein ausgewachsener Pyrenäen-Berghund. Es ist sein Job, die Tiere auf dem Musterhof gegen unliebsame Besucher zu verteidigen. Dabei ist der vierbeinige Bodyguard nicht allein. Während der dicht behaarte Rüde einen möglichen Beutegreifer in Schach hält, stellt sich Hündin Kimba schützend vor die Schafe und drängt sie in Richtung Stall. Es war wie die Vorführung aus einem Lehrbuch, was kürzlich eine Besuchergruppe im Herdenschutzhundezentrum bebachten konnte. Wenn sich der Mensch schlafen legt, beginnt für das Berghund-Duo die Nachtschicht.

Seit einem Jahr gibt es die an eine kleine Ranch erinnernde Einrichtung in Reetzerhütten. Mit Stallanlagen, Gehegen, überdachten Besucherbänken und einem großen Tor. Aufgebaut hat das Zentrum Mario Lindenborn, der auch das Tierheim „Hoher Fläming“ in Medewitz betreibt. Die öffentliche Resonanz ist überwältigend. Besucher, die sich über das völlig entspannte Miteinander von Hunden und Nutzvieh informieren wollen, gehören inzwischen zum Alltag. Medien, Schulklassen, Schäfer, Landwirte und Behördenvertreter geben sich bei Lindenborn die Klinke in die Hand. „Mit der Rückkehr der Wölfe und ihrer flächendeckenden Ausbreitung wächst insbesondere bei bäuerlichen Familienbetrieben das Interesse an einem Herdenschutzhund“, berichtet der Züchter.

Nachts auf der Hut

Mario Lindenborn kann auf langjährige Erfahrungen mit Hunden verweisen. Er gründete 1996 eine Hundeschule, ist Ausbilder für Diensthunde und seit 2009 Betreiber des Tierheims „Hoher Fäming“. Das Tierheim ist mittlerweile Partner von 13 Kommunen sowie des Veterinäramtes Potsdam-Mittelmark.

Herdenschutzhunde sind größer und kräftiger als Hütehunde. Sie können daher auch Wölfe vertreiben, die eine immer größer werdende Gefahr für Schaf- und Rinderherden im Weidebetrieb bedeuten. Besonders in der Dämmerung und in der Nacht sind die Hunde auf der Hut.

Seine Hündin Kimba hat es inzwischen bei zwei Würfen auf 13 Nachkommen gebracht, die deutschlandweit Käufer gefunden haben. Weil die Welpen mitten hinein in die Welt ihrer künftigen Schützlinge geboren werden, sind die Hunde auf ihre Umgebung geprägt. Schutztrieb und ein starkes Territorialverhalten gehören zu den herausragenden Eigenschaften des Herdenschutzhundes. Seine Strategie ist die defensive Abwehr. „Ein Herdenschutzhund hat nicht zu beißen“, stellt Fachmann Lindenborn klar.

Strategie der defensiven Abwehr

Die mehrere Monate alten Welpen verkauft Lindenborn nicht an irgendwelche Liebhaber. „Immer wird der Kaufwunsch hinterfragt. Denn ein Herdenschutzhund braucht eine familiäre Anbindung“, erklärt der Betreiber des Herdenschutzhundezentrums. Sein Klientel sind bäuerliche Betriebe mit einem stabilen Umfeld, wo Mensch und Tier in Eintracht leben. Dabei geht es nicht nur um die Vergrämung von möglichen Wölfen. Auch Fuchs, Waschbär, Mink und Marderhund sind auf Höfen nicht gern gesehen.

Ob Herdenschutzhunde die ideale Wolfsabwehr im Weidebetrieb sind, ist für Lindenborn dagegen eher zweifelhaft. „In der Regel werden in solchen Fällen mehrere Hunde benötigt. Dann besteht die Gefahr einer Überforderung der Schaf- und Rinderhalter.“

Von Frank Bürstenbinder

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