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Leitbild: Verwaltung will neue Wege gehen

Treuenbrietzen Leitbild: Verwaltung will neue Wege gehen

Bei der Fortschreibung des Leitbildes für Treuenbrietzen will die Stadtverwaltung neue Wege gehen und mehr Realitätssinn entwickeln. Das Problem: Im Plan für 2016 waren auf 42 Seiten insgesamt 177 Maßnahmen formuliert, um abgesteckte Ziele zu erreichen. Jedoch blieb mehr als die Hälfte davon unerledigt. Dafür gibt es praktische Gründe.

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Im Rathaus Treuenbrietzen soll die Umsetzung des Leitbildes nun unter einem neuen Blickwinkel erfolgen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Viele Ziele, aber wenige Erfolge. So ließe sich die aktuelle Bilanz zum Leitbild der Stadt Treuenbrietzen auf den erste Blick lesen. Das Papier ist am Montagabend während einer Bürgerversammlung im voll besetzten Trauzimmer des Rathauses für das vorige Jahr ausgewertet worden, um es demnächst fortzuschreiben. Von den für 2016 formulierten 177 Maßnahmen blieben 92 unerledigt. Das entspricht 52 Prozent. Wirklich umgesetzt wurden 60 Maßnahmen, also 34 Prozent. 25 Projekte (14 Prozent) sind in Arbeit. Die 42 Seiten umfassende Liste mit detaillierten Begründungen zum jeweiligen Erfolg oder Misserfolg kann im Internet sowie im Rathaus eingesehen werden.

Trotz der geringen Erfolgsquote sei das Leitbild auf den zweiten Blick jedoch nicht gescheitert, sagt Sandra Hoedt. Sie koordiniert im Rathaus die Arbeit mit dem Leitbild. Dieses ist im Jahr 2011 als Handlungsrichtlinie für Politik und Verwaltung beschlossen worden und Anhaltspunkt für Haushaltsbeschlüsse.

Umdenken in der Verwaltung

„In den Fachbereichen der Verwaltung sollten wir jedoch alle mehr Realitätssinn entwickeln und stärker Prioritäten setzen“, so Hoedt. Es sei nicht praktikabel, 177 Ziele zu formulieren, „wenn von vornherein klar ist, dass sie in dem Umfang gar nicht erreichbar sind“. Weder personell noch finanziell sei dies möglich.

Jährliche Bilanzkonferenz

Seit Mai 2010 wurde unter Mitwirkung des Berliner Instituts für Public Management am Leitbild für Treuenbrietzen gearbeitet. Im Rathaus wurde eine Arbeitsgruppe gebildet.

In einer ersten Bürgerversammlung wurden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu Themenfeldern zusammengetragen.

Nach der Analyse sind Oberziele, Handlungsfelder, Produktziele und Maßnahmen abgesteckt worden.

Beschlossen wurde das zunächst bis zum Jahr 2025 ausgelegte Leitbild nach der Diskussion mit Bürgern und Politik dann im Januar 2011.

Fortan gab es einmal im Jahr eine Bilanzkonferenz, in der Bürger und Verwaltung die Umsetzung des Leitbildes bewerten und es fortschreiben.

Daher schlägt Sandra Hoedt jetzt ein Umdenken und eine neue Herangehensweise in der Verwaltung vor. Statt der internen Themenkonferenzen mit allen Mitarbeitern der jeweiligen Fachbereiche werde es ab diesem Jahr nun Workshops geben. In diesen sollen die Fachbereichsleiter nach Abstimmung mit ihren Kollegen konkretere Ziele formulieren. Auf der 31 Seiten langen Liste stehen jedoch auch für das Jahr 2017 bereits wieder 167 Maßnahmen.

Bürger zur Mitarbeit aufgerufen

Zur Fortschreibung des Leitbildes sind aktuell auch wieder Anregungen von Bürgern willkommen. Sie können bis 30. April im Rathaus eingereicht werden. Sandra Hoedt schwebt allgemein vor, die Bürger wieder stärker zur Mitarbeit zu motivieren. „Zuletzt kamen zur jährlichen Fortschreibung des Leitbildes je nur einige Anregungen“, erzählt die Koordinatorin. „So wie damals in der Entwicklungsphase des Leitbildes sollte es daher wieder Workshops geben, um direkt ins Gespräch zu kommen“, schlägt die Rathausmitarbeiterin vor.

Ein Workshop ist im Rahmen des Projektes „Transform-Bar“ bereits konkret für den im ehemaligen Aldi-Markt geplanten „Sozialen Marktplatz“ vorgesehen. Am 10. Mai sind alle Bürger willkommen, wenn zwischen 16 Uhr und 21 Uhr an verschiedenen Themenständen zeitlich fließend Anregungen und Ideen von Bürgern gesammelt werden sollen dafür, wie ein Teil des Gebäudekomplexes für allgemeine Projekte gestaltet werden könnte, erklärt Franziska Brocksch. Sie betreut das Projekt „Transform-Bar“ für mehr Bürgerbeteiligung in Treuenbrietzen.

Am Montagabend gab es erste Anregungen zur Fortschreibung des Leitbildes. Dabei sollte das Augenmerk nicht „nur auf immer wieder neuen Projekten liegen“, sagt Sabine Zobel. „Die Pflege vorhandener Errungenschaften sollte dabei nicht vernachlässigt werden“, so die Einwohnerin mit Blick auf ungepflegte Wanderwege im Nieplitztal und die teilweise demolierte Beschilderung von Rad- und Wanderrouten im Stadtgebiet.

„Nicht für alles sind wir als Stadt jedoch zuständig“, erklärte Bürgermeister Michael Knape (parteilos). Während am Reichhelmteich im Stadtwald bereits investiert wurde, sei die Situation am Forellenteich komplizierter. Dort ist der Forstbetrieb des Landes zuständig. „Seit Jahren versuchen wir in Gesprächen, dass auch dort wieder der Mehrwert als Naherholungsgebiet erkannt wird, so wie er einst zu DDR-Zeiten vom Oberförster Hans Belhardt und einigen Bürgern geschaffen wurde“, so Knape.

Privates Engagement auf verschiedenen Ebenen

Stefanie Jeschke vom Künstlerkreis „Grüner Nagel“ hofft auf eine Fortführung der Kooperation mit der Stadt zum Betrieb des Gildenhauses. Ohne die Künstler, die dort den Sommer über jeden Sonntag eine Öffnungszeit absichern und im Gegenzug ihre Arbeiten ausstellen, „könnte das Haus personell gar nicht regelmäßig der Öffentlichkeit präsentiert werden“, sagt die Grafikerin.

Um Ziele des kommunalen Leitbildes umzusetzen, gibt es auch in Bardenitz seit vorigem Jahr viel bürgerschaftliches Engagement für ein spezielles Projekt. So berichtet Eileen Anders vom Natur-Kindergarten „Kinderland“ in Pechüle über den Umbau des Spielplatzes. Mitarbeiter, Eltern und Förderverein ziehen dort an einem Strang, um einen naturnahen Erlebnisbereich zu schaffen. Dafür flossen Fördergeld und Spenden, es gibt viel privates Engagement aus dem Dorf und die Stadt Treuenbrietzen unterstützt das Projekt mit Arbeitskräften und Material.

„Bei allen guten Ideen im Leitbild braucht es immer eben auch Leute, die sich konsequent um die Umsetzung kümmern, wie das Beispiel aus Pechüle zeigt“, sagt Sandra Hoedt gegenüber der MAZ.

Von Thomas Wachs

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