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Liebe geht durch den Magen

Ehepaar Liepe aus Lüsse feiert heute diamantene Hochzeit / Dank eines Tricks behielt der Bräutigam vor 60 Jahren klaren Kopf Liebe geht durch den Magen

Als Hildegard und Willi Liepe heute vor 60 Jahren den Bund fürs Leben schlossen, meinte es die Sonne gut mit ihnen. Es war so warm, dass die Musikanten, anstatt am Straßenrand zu stehen, im Graben ruhten.

LÜSSE. . Beim Eintreffen des Brautpaares musste die Blaskapelle erst noch Aufstellung nehmen.

Ihr Jawort gaben sich die Liepes am 17. April 1953 zweimal – auf dem Standesamt in Lüsse und in der Kirche von Neschholz. Sie stand im weißen Brautkleid mit Fliederblüten im Arm vor dem Altar – er mit Frack und Zylinder. „So wie es vorgeschrieben war“, erzählt der 83-Jährige. Dann schmunzelt er. „Auf meiner Hochzeit habe ich eine ganze Flasche Bonekamp getrunken“, sagt Willi Liepe. „Ich musste doch mit jedem anstoßen.“ Später offenbart er, dass der Inhalt seiner Schnapsflasche ausgetauscht war und er statt des Likörs Kaffee trank. Nur so konnte er klaren Kopf bewahren. Zur Hochzeitsfeier waren immerhin 70 Gäste geladen. Getanzt und gelacht wurde „bis der Milchwagen kam“, sagt der Jubilar.

Nach der Hochzeit hieß es für Hildegard Liepe, die Koffer zu packen. Sie zog von Neschholz zu ihrem Willi nach Fredersdorf. Anfangs noch im elterlichen Wohnhaus lebend, suchten sie sich bald eine eigene Wohnung. Vier Kinder wurden während ihres arbeitsreichen Lebens geboren. „Ich wollte eigentlich Friseurin werden. Aber mein Vater hat es nicht erlaubt. Er sagte zu mir: Du drehst Locken und wir quälen uns hier. Das gibt es nicht.“ Damit war der berufliche Werdegang von Hildegard Liepe vorgezeichnet. Anfangs in der elterlichen Landwirtschaft beschäftigt, arbeitete sie später bis zur Pensionierung in der LPG. Ihr Ehemann trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters. Er wurde Schmied, arbeitete als Landmaschinenschlosser in der LPG und einige Jahre im Stall. Anfang der 1970er-Jahre kauften sich die beiden ein Häuschen in Lüsse. Viel Mühe und Arbeit haben sie seitdem in ihre vier Wände gesteckt.

Ein altes Sprichwort behauptet, die Liebe gehe durch den Magen. Das bestätigt der 83-jährige Jubilar, der die Koch- und Backkünste seiner Frau in höchsten Tönen lobt. Besonders gern mag er die von ihr zubereitete Hühnersuppe mit Frikassee. Die Jubilarin war eine begehrte Kochfrau, die bei Familienfeiern von Bergholz bis Groß Briesen den Kochlöffel schwang. Die größte Hochzeitsgesellschaft, die sie je bekochte, feierte in Fredersdorf. „Mit 150 Leuten“, fügt ihr Ehemann hinzu. Einmal wurde Willi Liepe zum Helfer seiner Frau. Sie hatte daheim einen Braten in der Röhre vergessen, der als Gaumenfreude für eine Kindstaufe gedacht war. Schnelles Handeln war gefragt. Der junge Mann schwang sich auf sein Motorrad, fuhr ins Nachbardorf, zog den Braten aus der Röhre und rettete so das Festmahl.

Zu ihrer Diamanthochzeit wird Hildegard Liepe aber nicht am Kochtopf stehen. Dafür aber vor der Backröhre. „Den Hefekuchen backe ich ganz allein“, besteht die 81-Jährige.

Ein Rezept für eine lange Ehe haben Liepes nicht. Dafür einen Rat: „Man muss immer aufeinander zugehen“. (Von Bärbel Kraemer)

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