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Potsdam-Mittelmark Lilienthal soll die Kirche retten
Lokales Potsdam-Mittelmark Lilienthal soll die Kirche retten
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12:08 26.02.2018
Ortsvorsteher Stephan Hübner (l.) und Mit-Vorsitzender des neu gegründeten Fördervereins Heinz Grützmacher vor der Derwitzer Kirche. Quelle: Fröhlich
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Derwitz

Das Derwitzer Gotteshaus soll sich in den kommenden Jahren zu einer Lilienthal-Kirche entwickeln. Passend dazu lautet das Motto „Wir heben ab – die Kirche muss im Dorf bleiben“. Vier Partner haben sich Ende Januar darauf geeinigt, das Projekt gemeinsam voranzubringen. Neben der Groß Kreutzer Kirchengemeinde, der das Bauwerk gehört, dem Ortsbeirat Derwitz und dem Feuerwehr- und Freizeitverein hat sich auch ein eigener Förderkreis Lilienthal-Kirche gegründet. An dessen Spitze steht unter anderem der Ur-Derwitzer Heinz Grützmacher (69). „Wir wollen erreichen, dass die Kirche baulich instand gesetzt wird und sich zu einem kulturellen Ort für die Dorfgemeinschaft entwickelt“, erklärte er. Erinnern soll der fertig sanierte Sakralbau in unmittelbarer Nachbarschaft des Lilienthal-Museums an die ersten Flugversuche von Otto Lilienthal (1848– 1896) auf dem Derwitzer Spitzberg. „Lilienthal war in den letzten 50 Jahren ein großes Thema im Dorf. Wir wollen diese Tradition fortführen“, sagt Heinz Grützmacher.

Stephan Hübner und Heinz Grützmacher Quelle: Luise Fröhlich

Bevor die Kirche, abgesehen vom Gottesdienst, regelmäßig für Veranstaltungen geöffnet wird, müssen innen und außen einige Mängel beseitigt werden. Die Christophorus-Kirchengemeinde will die Sanierung unter anderem mit Leader-Fördermitteln der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Havelland finanzieren. Vor allem das Dach macht den Derwitzern Sorgen. Im Mauerwerk kriecht außerdem die Feuchtigkeit nach oben. Wie sich herausstellte, wurde bei der letzten Sanierung der Kirche im Jahr 1976 fehlerhaft gearbeitet. Am Randes des Kirchenschiffs liegen Gehwehplatten, die das Wasser nicht ablaufen lassen. „Damals wurde hauptsächlich der Turm erneuert“, berichtet Ortsvorsteher Stephan Hübner (CDU).

Ein Ort für Lesungen und Konzerte

Oberste Priorität hat jetzt die Sanierung des Dachs von Turm und Kirchenschiff sowie die Sicherung des Ostgiebels. Die Kirchengemeinde wird dazu auch einen Eigenanteil erbringen, wie es in der Vereinbarung zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit heißt. Wenn diese Arbeiten erledigt sind, können Veranstaltungen geschützt vom Wetter stattfinden. Heinz Grützmacher könnte sich Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und andere Kultur-Events vorstellen. Das soll wiederum auch Touristen in die Kirche locken. Weitere Sanierungen und Schönheitsreparaturen sind in einem zweiten Bauabschnitt geplant. Das mittelalterliche Feldstein-Gotteshaus stammt aus der Zeit um 1500 und fällt besonders wegen des reich gegliederten spätgotischen Blendegiebels aus Backstein auf. In der Klangarkade des Turmes befindet sich eine Glocke von 1476 und eine mechanische Turmuhr. Auf der westlichen Empore steht eine Brüstungsorgel mit acht Registern.

Im Inneren der Derwitzer Kirche Quelle: Luise Fröhlich

„Es ist der größte öffentliche Raum im Ort“, sagt Stephan Hübner. Vor der Eingemeindung nach Werder 2003 habe sich die Gemeinde Derwitz bereits selbst um die Kirchturmuhr oder den Leiterschuppen gekümmert, aber das Dach zu sanieren, sei eine andere Hausnummer. „Wenn die Mittel da sind, sollte man sie auch nutzen“, so der Ortsvorsteher weiter. Wie eng die 430 Dorfbewohner mit dem Flugpionier Lilienthal verbunden sind, hat das Dorffest vor zwei Jahren zum 125. Jahrestag des ersten Menschenfluges gezeigt. Schon damals haben die Derwitzer unter dem Motto „Wir heben ab“ einiges auf die Beine gestellt. Am Mittwochabend sprechen die Ortschronisten des Kreises Potsdam-Mittelmark bei ihrer Sitzung über einen Beitrag zur geplanten Lilienthalkirche.

Über Verwandtschaft nach Derwitz gekommen

Otto Lilienthal soll durch verwandtschaftliche Beziehungen nach Derwitz gekommen sein. Der Onkel der Frau seines Bruders Gustav war Karl Otto Bournot, der damals als Pfarrer in Derwitz bekannt war. Lilienthal entdeckte Erzählungen zufolge den Spitzberg, der viel höher war als den Berg, den er aus Berlin-Lichterfelde kannte. Ein Denkmal zwischen Derwitz und Krielow erinnert heute an die ersten Gleitflüge, der er 1891 vom Spitzberg aus unternahm. Im August 1896 stürzte Lilienthal bei Stölln am Gollenberg aus etwa 15 Metern Höhe ab und verstarb einen Tag später an den Folgen des Aufpralls. Eine indirekte Verbindung zur Kirche hatte Lilienthal über seine Urgroßmutter väterlicherseits, die eine Enkelin des Greifswalder Generalsuperintendenten Jakob Heinrich von Balthasar war.

Förderkreis sucht Unterstützer

Neun Mitglieder zählt der Förderkreis „Lilienthalkirche Derwitz“ aktuell. Er ist offen für neue Mitglieder, die das Projekt entweder finanziell oder mit ihrer Arbeitskraft unterstützen wollen, wie Heinz Grützmacher betont. In einem Flyer, der bald gedruckt wird, finden sich Infos und auch eine Beitrittserklärung.

Wer schon jetzt Kontakt zur Heinz Grützmacher aufnehmen will, kann ihm eine Mail schreiben an: heinzgruetzmacher@web.de

Der Feuerwehr- und Freizeitverein, der ebenfalls Teil der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist, betreibt aktuell bereits das Lilienthal-Museum.

Heinz Grützmacher und Stephan Hübner rechnen damit, dass der Begegnungsort Lilienthalkirche nicht vor 2022 fertig sein wird.

Von Luise Fröhlich

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