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Der Infoabend in Michendorf im Liveticker

Flüchtlinge sollen in einer Turnhalle untergebracht werden Der Infoabend in Michendorf im Liveticker

Das Interesse an der Bürgerversammlung zur geplanten Unterbringung von 100 Flüchtlingen in der Turnhalle in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) ist groß. Es gibt viele Fragen, aber keine Nazi-Parolen. Die MAZ war am Mittwochabend dabei und hat sich auch danach umgehört. Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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Riesenandrang bei Flüchtlingsdebatte

In Michendorf wird eine Schul-Sporthalle zur Flüchtlingsunterkunft.

Quelle: Gartenschläger

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Potsdam/ Michendorf. In der Turnhalle des Wolkenberg-Gymnasiums in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) sollen bereits ab 11. Juni 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Zuerst ziehen Familien ein. Sie kommen unter anderem aus Syrien und Afrika. Mittwochabend fand dazu in Michendorf eine Informationsveranstaltung statt. Der Andrang war so groß, dass viele Interessierte keinen Platz fanden. Knapp 200 Menschen mussten auf eine Liveübertragung im anliegenden Biergarten ausweichen. Fragen konnten sie nicht stellen. Insgesamt 250 Bürger fanden immerhin noch im Gemeindezentrum einen Platz. Sie saßen und standen sogar an Türen und Fenstern. Es gab während der Infoveranstaltung viele Fragen und auch Sorgen, aber keine Nazi-Parolen. Es blieb ruhig. Die Polizei musste nicht eingreifen, war zur Sicherheit aber mit einigen Beamten angerückt. MAZonline war live dabei.

JETZT die Zusammenfassung vom Abend lesen >>

+++ 23.10 Uhr: Diskussion auf Facebook geht weiter +++

+++ Wie lief der Abend, Herr Kreis-Dezernent? +++

+++ Warum die Turnhalle Michendorf, Herr Bürgermeister? +++

+++ Reaktionen nach der Veranstaltung +++

Schulleiter Henrik Reinkensmeier: "Es ist eine sehr schwierige Situation, weil wir alle nicht in die Zukunft blicken können. Ich wäre sehr froh, wenn man schon jetzt wüsste, dass alles positiv verläuft. Es muss uns gelingen, den Menschen, die zu uns kommen, ein Stück Geborgenheit und Heimatgefühl zu vermitteln. Ich möchte, dass wir die Kinder, die mitkommen werden, lächeln sehen."

"Ich habe die Veranstaltung als angenehm empfunden, viele Sorgen konnten ausgeräumt werden. Nun sehe ich der Zukunft positiv entgegen. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Gemeinde, der Kirche und anderen gut zusammen arbeiten werden, um gemeinschaftlich Wege zur Problemlösung zu finden. Viele Eltern haben sich schon vorher gemeldet, konkrete Fragen gestellt, ihre Sorgen mitgeteilt oder auch Hilfe angeboten. Es gab auch Eltern, die sich für unsere bisherigen Aktivitäten bedankt haben. Wir sprachen bereits im Vorfeld mit den Schülern, um sie zu sensibilisieren."

Quelle: Christin Iffert

Ingrid Schuessler, Krankenschwester, (rechts): "Ich finde, in unserem reichen, deutschen Land ist es unsere Verpflichtung, den Menschen zu helfen. Mich berührt dieses Thema emotional ungemein. Das sind keine schlechten Menschen, es sind Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um zu überleben. Manche Familien sind zerrissen, Familienteile gestorben. Und dann reden wir hier darüber, ob sie uns die Arbeit wegnehmen. Es ist hier eine schwierige Situation. Viele Menschen sind bereit für diese neue Situation, andere kommen weniger gut damit klar. Bei einigen habe ich das schon beim Reingehen gespürt. Die Flüchtlinge haben oft wenig Anspruch, sie wollen ein Dach über dem Kopf und geschützt sein. Deshalb ist es auch egal, ob es eine Turnhalle ist."

Dr. Anika Petrausch, Allgemeinmedizinerin in Michendorf (links):
"Ich bin hier, um Gesicht zu zeigen. Ingrid Schuessler und ich bieten uns für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge an. Für mich war es insgesamt eine sehr sachliche Diskussion. Nur vereinzelt gab es unsachliche Beiträge im Stillen. Wir müssen daran denken, dass die Menschen bereits geflohen sind. Wir müssen es ihnen nicht noch schwerer machen."

Quelle: Christin Iffert

Claudia Jung: "Ich habe große Zweifel an der Wahl der Unterkunft, es ist die unglücklichste Variante, die wir hier haben können. Ist sie menschenwürdig? Zukünftig wird es aber Flüchtlinge geben und es geht mir persönlich darum, ihnen zu helfen. Ich möchte sie kennenlernen, ihnen bei Behördengängen helfen und letztlich auch im Sinne der Weltoffenheit für mich etwas daraus ziehen. Flüchtlinge sind für mich willkommen, das Leid der Menschen für mich unvorstellbar. Deshalb werde ich mich in Zukunft in der Michendorfer AG Flüchtlinge engagieren."

Quelle: Christin Iffert

+++ 20.50 Uhr: Alles blieb ruhig +++

Vor und während der Veranstaltung blieb es rund um die Turnhalle ruhig. Es wurde ein Rundum-Wachschutz engagiert. Der sagt, es sei in der Stadt ein sensibles Thema. Dennoch heiße der Mitarbeiter die Menschen willkommen. Baumaßnahmen sorgen künftig für eine Abtrennung innerhalb der Sporthalle - für Männer, Frauen und Familien. Bäder mit Duschvorrichtungen sind für 100 Flüchtlinge in der Turnhalle zu knapp. Container sollen es richten und weitere Hygienemöglichkeiten bieten.

Quelle: Christin Iffert

 JETZT einen Kommentar von MAZ-Redakteur Ulrich Wangemann zum Thema lesen >>

+++ 20.46 Uhr: Zeit für persönliche Fragen +++

Wer nicht öffentlich reden wollte, bekommt jetzt die Möglichkeit auf ein Gespräch mit den Experten. Schulleiter, Bürgermeister und Kreis-Dezernent stellen sich privaten Fragen. Doch im Saal ist es leer geworden. Nur wenige nutzen die Gelegenheit. Es sind verstärkt Befürworter, die noch bleiben. Sie sprechen auch untereinander, etwa darüber, wie man den Menschen helfen kann, die bald ihre Nachbarn sind.

+++ 20.42 Uhr: Punktlandung +++

Viele haben sich gemeldet. Nun ist es ruhig geworden. Keiner möchte öffentlich eine weitere Frage stellen. Der erste Teil der Veranstaltung ist vorbei. Doch es gibt ein Wiedersehen. Tatsächlich soll in einigen Wochen erneut eine Informationsveranstaltung stattfinden. "Ich hoffe, dass dann auch die Flüchtlinge dabei sein können, um uns zu erzählen, wie sie in der Turnhalle leben", sagt die Langerwischer Pfarrerin, Juliane Rumpel. Kreisdezernent Schulz bestätigt eine weitere Zusammenkunft. Wann genau, das muss sich erst zeigen.

+++ 20.35 Uhr: Gesundheitscheck! +++

Und tatsächlich, es gibt ihn: Flüchtlinge werden in Eisenhüttenstadt in der Erstaufnahmestelle gründlich untersucht. Die Angst vor Ebola oder anderen Krankheiten ist also unbegründet.

+++ 20. 32 Uhr: Gesundheitscheck? +++

Die Flüchtlinge kommen unter anderem aus Syrien und Afrika. In der kommenden Woche ziehen zunächst Familien in die Turnhalle. Doch ein Mann aus Langerwisch ist besorgt. "Wir haben einen hohen Standard", sagt er. Nun aber sollen Menschen aus Ländern bald seine Nachbarn sein, die aus Ländern kommen, in denen beispielsweise Krankheiten wie Ebola existieren. "Gibt es vorher einen Gesundheitscheck?", fragt er.

+++ 20.25 Kampf um das Wort +++

Volker Kemper bekommt ab der nächsten Woche knapp 100 neue Nachbarn. Er bemängelt den Informationsfluss. "Hätte man uns nicht etwas eher Bescheid geben können?" Er hat viel zu erzählen. Lange hat er gekämpft, um zu Wort zu kommen. Es melden sich einfach zu viele, die etwas zu sagen haben. Kemper greift die Parksituation auf, den Busverkehr. Es dauert, ein Klatschen, Getuschel und dann kommt das, was wirklich wichtig ist: Seine Hoffnung auf ein weiteres Treffen im Juli. Dann nämlich möchte er sehen, ob Kreis, Bürgermeister und Schulleiter das halten, was sie versprechen.

+++ 20.18 Uhr: Brandschutz überdenken? +++

Kurios wirkt die Frage: Wer kocht denn eigentlich? Caterer gibt es nicht. Die Flüchtlinge versorgen sich selbst, sie dürfen in ihrer künftigen Notunterkunft auch kochen. Doch das stimmt den jungen Mann, der die Frage aufwarf, wenig zufrieden. "Ich weiß ja nicht, ob Sie schon einmal dabei waren, wenn Afrikaner kochen. Dann muss der Brandschutz nochmal überarbeitet werden", sagt der junge Mann. Ein Lachen geht durch den Raum. Die Feuerwehr schaut in den nächsten Tagen in der Sporthalle nach dem Rechten. Schulz ist sich sicher: "Die Brandschutznorm wird gewährleistet."

+++ 20.12 Uhr: Ich bin selbst Flüchtling +++

"Ich verstehe Sie hier in Teilen überhaupt nicht! Mir tut es weh, wie hier über Dinge so diskutiert wird, die wir selbst erlebt haben", sagt Hartmut Besch (FDP). Der Michendorfer Ortsvorsteher musste selbst aus Ostpreußen fliehen, nach dem Zweiten Weltkrieg Not erleiden. Er möchte den Menschen helfen und verlangt, dass sich auch andere Bürger das Leid der Menschen vor Augen halten. Es gibt Applaus - und der ist laut.

+++ 20.09 Uhr: Flüchtlinge in Kasernen +++

Die Fragewelle nach anderen Möglichkeiten zur Unterbringung reißt nicht ab. Verwiesen wird wieder auf die Notlösung. Derzeit ist der Kreis bereits an alten Kasernen in Damsdorf zur Flüchtlingsaufnahme dran. Das sei aber auch nicht optimal, so Schulz. Schließlich möchte man würdevolle Unterbringungen schaffen.

+++ 20.05 Uhr: Gute Nachbarn, schlechte Nachbarn +++

Nach Kreisdezernent Schulz gibt es überall gute und schlechte Nachbarn. Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere dabei sein könnte, der etwas entwendet, sagt er. Doch diese Menschen gäbe es auch ohne Flüchtlinge. Ohnehin habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Gewaltstatistik nicht erwähnenswert gestiegen sei.

+++ 20.00 Uhr: Manipulierte Statistik? +++

Ganz offensichtlich sei die Kriminalstatistik der Polizei manipuliert. Kein guter Start in die Diskussion, den eine junge Frau da hinlegt. Sie erfragt das Sicherheitskonzept der Polizei. Wie also sollen die Bürger geschützt werden? Schließlich gäbe es dort mehr Kriminalität, wo Asylbewerber leben. Ihren Namen möchte die Bürgerin nicht sagen, setzt sich schnell, als die Frage aufkommt.

+++ 19.55 Uhr: "Wir können doch nicht alle aufnehmen" +++

"Jeder Blinde weiß, dass wir 20 Millionen potentielle Flüchtlinge in der EU haben. Wir können doch nicht alle Flüchtlinge aufnehmen", sagt ein aufgebrachter Bürger. Er hofft, dass das Gymnasium und somit auch Michendorf nicht unter der Aufnahme leiden müssen.  

+++ 19.52 Uhr: Sportvereine können kommunale Hallen nutzen +++

Die Sportvereine können aufatmen. Die Muskeln können weiter trainiert werden, die Sportler zusammentreffen. Eine Lösung gibt es bereits: Statt der Sporthalle des Gymnasiums stehen zur Überbrückung die kommunalen Hallen bereit.

+++ 19.47 Uhr: AG Flüchtlinge möchte helfen  +++

Die Michendorfer AG Flüchtlinge möchte den Asylbewerbern helfen. Inzwischen bringen sich bereits 15 Bürger aus der Region Michendorf mit unterschiedlichen Kompetenzen ein. Am 16. Juni findet in Langerwisch die nächste Veranstaltung im Gemeindezentrum statt. Geplant wird beispielsweise ein Kulturfest. Es wird künftig jede helfende Hand gebraucht.

Quelle: Christin Iffert

+++ 19.42 Uhr: Konkrete Hilfsangebote der Besucher+++

Bisher haben bereits drei Besucher der Infoveranstaltung ihre Hilfe angeboten. Sie möchten Wohnraum für die Familien, die erwartet werden, schaffen - in den eigenen vier Wänden. Beim Podium wird das gut aufgenommen. Sie sollen ihre Adresse hinterlegen.

+++ 19.38 Uhr: Ich gebe gerne meinen Sportunterricht auf +++

Laura, 17, Schülerin am Wolkenberg-Gymnasium: "Ich finde am Gymnasium sollte man Toleranz lernen", sagt die junge Abiturientin. Die Menschen sollen darüber nachdenken. Ihr Klassenkamerad hatte zuvor noch im privaten Gespräch zu Verstehen gegeben, dass er gerne den Sportunterricht aufgibt, um Menschenleben zu retten.

Quelle: Christin Iffert

   

+++ 19.35 Uhr: Schulwechsel wegen Flüchtlingsaufnahme? +++

Dagmar Reiche spricht auf die ungenutzten Wohnräume in der Umgebung an, etwa in Groß Kreutz, Golzow. Doch die würden weiterhin leer stehen. Sie selbst hat Enkel, die eigentlich das Gymnasium in Michendorf besuchen wollten. Ihr Wechsel steht nun bevor, doch die Familie überlegt, ob eine andere Schule nicht besser geeignet wäre. Der Schulleiter Henrik Reinkensmeier ist sich des sensiblen Themas bewusst. Er hofft, dass die Aufnahme der Flüchtlinge nicht bewirkt, dass die Anmeldezahlen am Gymnasium gänzlich einbrechen. Dennoch sei der Platz nötig.

+++ 19.32 Uhr: Kosten trägt der Landkreis+++

"Sämtliche Kosten für medizinische Versorgungen trägt der Landkreis", so Schulz.

+++ 19.29 Uhr: Engagement der Bürger +++

Ein Bürger in der ersten Reihe stellt eine allgemeingültige Frage. "Warum müssen Menschen überhaupt flüchten?" Er möchte auf den Missstand in anderen Ländern aufmerksam machen. Eine Antwort bekommt er nicht - und er gibt auch selbst keine. Dennoch möchte er helfen und selbst Flüchtlinge aufnehmen.

+++ 19.27 Uhr: Dolmetscher sind nicht vorgesehen  +++

Bürgerin: Wie viele Dolmetscher sind vorgesehen bei hunderten Flüchtlingen, die künftig in die Sporthalle einziehen. Die Antwort des Kreisdezernenten ist wenig befriedigend für die Bürger. Ein Raunen geht durch den Raum, als Schulz die ernüchternde Nachricht gibt: Es ist kein Dolmetscher vorgesehen. Doch die Michendorfer möchten ihre baldigen Mitbürger verstehen, ihnen Hinweise geben.

+++ 19.20 Uhr: Gute Nachricht zum neuen Schuljahr  +++

Thomas Schulz, Dezernent des Landkreises, gibt einen Überblick zur Aufnahme der Flüchtlinge. Erst am 7. Mai habe der Kreis die Information bekommen, dass 400 weitere Flüchtlinge aufgenommen werden müssen. "Die Sporthalle war das letzte Mittel". Schulz hofft nun auf die Zustimmung der Bürger. Schon zum Beginn des neuen Schuljahres will er die Sporthalle wieder freigeben. Allerdings muss bis dahin adäquater Wohnraum geschaffen werden. Weitere Gesprächspartner auf dem Podium: Reinhard Mirbach, Bürgermeister, und Henrik Reinkensmeier, Schulleiter.

Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig hatte bereits am Nachmittag über die Lage im Kreis und auch in Michendorf in einer Pressekonforenz aufgeklärt.

+++ 19.10 Uhr: Bürgermeister warnt +++

Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU, mitte) macht gleich zu Beginn deutlich: "Ich habe hier das Hausrecht." Sollte es also zu Komplikationen kommen, könne es in Einzelfällen zu Verweisen kommen. Daraufhin schallendes Gelächter im Raum.

Quelle: Christin Iffert

+++ 19.00 Uhr: Interessierte müssen draußen bleiben +++

Nichts geht mehr: So viele Menschen sind gekommen, dass die Kapazitäten des Raumes erreicht sind. Es gibt aber eine Liveübertragung im angrenzenden Biergarten. Die Massen sind bereits dorthin geströmt. Einige konnten noch einen Stehplatz an Fenster und Türen ergattern.

Quelle: Christin Iffert

+++ 18.55 Uhr: Polizei ist auch dabei +++

Die Polizei ist mit mindestens 10 Mann hier, es heißt "vorsorglich". Mehr dürfen die Beamten während des Einsatzes nicht sagen.

Quelle: Christin Iffert

+++ 18.50 Uhr: Schlange stehen für den Infoabend +++

18.50 Uhr: Das Interesse an der Infoveranstaltung ist riesengroß. Parkplatz und Fahrradständer sind längst belegt.

Quelle: Christin Iffert

Ein Team vom ZDF ist sogar gekommen, um über die Infoveranstaltung zu berichten.

Quelle:

+++ 18.50 Uhr: Das sagt Bürger Bernd Wernicke +++

+++ 18.40 Uhr: Aus der Zeitung davon erfahren +++

Sebastian Stolle: "Ich bin rein informativ hier, da ich gern hören möchte, was die Gemeinde dazu sagt, beziehungsweise wie die Planung ist. Ich habe es nur aus der Zeitung erfahren. Insgesamt kann es sich ja nur um eine Zwischenlösung handeln. Es gibt hier zwei Seiten: Einerseits muss man den Menschen ja helfen, andererseits können die Schule und Vereine die Halle nicht mehr nutzen. Mein Kind ist zum Beispiel auch betroffen."

Quelle: Christin Iffert

+++ MAZ-Kommentar: Die pure Verzweiflung +++

Die pure Verzweiflung ist es, die den Landkreis Potsdam-Mittelmark eine nagelneue Turnhalle in ein Asyl für Flüchtlinge umwandeln lässt. Die Aktion trägt Züge von Notwehr. Wer derartig in das Leben einer Schule – des einzigen Gymnasiums am Ort – eingreift, sich so erwartbar mit Eltern, Vereinssportlern, Nachbarn anlegt, hat wirklich keine Alternativen mehr.
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+++ Landrat Blasig: PM ist an der Leistungsgrenze +++

Der Landkreis Potdam-Mittelmark sieht sich an seiner Leistungsgrenze zur Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Das machte Landrat Wolfgang Blasig (SPD) auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag deutlich: „Wie auch vielen anderen Lankreisen in Deutschland fehlen uns geeignete Objekte“. Einen Ausweg aus der akuten Misere sieht der Landrat in Containerstädten oder Zeltlagern, über die jetzt „ernsthaft nachgedacht“ werden müsse.
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+++ Friesack macht es vor +++

Die Bürger im Amt Friesack (Havelland) haben Ende 2013 auch sehr kurzfristig davon erfahren, dass in ihrer 2500 Einwohner großen Stadt Flüchtlinge untergebracht werden. 90 Asylbewerber sollten kommen – mittlerweile sind es 109. Bevor die Asylbewerber in Friesack ankamen, gab es für die Friesacker eine vom Landkreis organisierte Informationsveranstaltung. Dabei war zunächst viel Missmut zu spüren, jeder konnte seine Bedenken äußern. Zum Ende der Veranstaltung kippte die Stimmung ins Positive. „Es war klar, dass da Menschen zu uns kommen, die unsere Hilfe brauchen“, erinnert sich René Buschow, der in Friesack aufwuchs. Nach dem Informationstreff gründete er mit anderen Friesackern den „Runden Tisch“ – eine Willkommensinitiative für Flüchtlinge, in der sich mittlerweile viele Friesacker einbringen. Von Deutschunterricht über Sportangebote bis zu einem Ärztebegleitservice bieten Einwohner den Flüchtlingen ihre Unterstützung an. Wie die Asylbewerber dazu beigetragen haben, dass die Friesacker auch untereinander stärker zusammengekommen sind, lesen Sie am Sonntag in der Sonntags App der MAZ. Lesen Sie hier, wie ein Flüchtling aus Syrien in das Friesacker Asylbewerberheim gekommen ist.

+++ 100 Menschen in Michendorfer Sporthalle +++

Weil der Landkreis Potsdam-Mittelmark keine Unterkunftsalternativen sieht, werden etwa 100 Menschen in der Schul-Sporthalle des Michendorfer Gymnasiums leben. Sie sollen bereits am 11. Juni einziehen.

Eltern, Schüler und Sportvereine sind von dieser Entscheidung überrascht worden. Unterricht wird dort jedenfalls nicht mehr stattfinden.

Der Kreis, dem Gymnasium und Turnhalle gehören, ist in eine Notlage geraten, weil die Zahl der Flüchtlinge, die er aufnehmen muss, unerwartet stark gestiegen ist. "Wir haben Planungsgrößen, und wenn die über den Haufen geworfen werden, müssen wir reagieren", sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Der Kreis hatte mit 750 Flüchtlingen für dieses Jahr gerechnet, nun soll er 1162 Asylsuchende aufnehmen.

Am Mittwochmittag gab es eine Pressekonferenz, bei der über das weitere Vorgehen informiert wurde. Am Mittwochabend um 19 Uhr wird es zudem eine Informationsrunde im Michendorfer Gemeindezentrum "Zum Apfelbaum" zu dem Thema Flüchtlingsunterkunft geben.

+++ Große Aufregung in Kloster Lehnin +++

Die Menschen in der Gemeinde Kloster Lehnin und im Landkreis Potsdam-Mittelmark wurden bewusst nicht darüber informiert, dass schon bald bis zu 600 Flüchtlinge in eine ehemalige NVA-Kaserne einziehen könnten. Politiker machen sich große Sorgen, denn das Verhältnis zwischen Einwohnern und Flüchtlingen seien unverhältnismäßig.

Zahlen zu Flüchtlingen

  • Laut Innenministerium musste die Prognose der Flüchtlingszahlen, die 2015 im Land aufzunehmen sind, deutlich nach oben korrigiert werden.
  • „Anfang des Jahres sind wir von 9200 Flüchtlingen ausgegangen. Inzwischen sind wir bei einer Prognose von 13 800 Asylsuchenden“, sagte Ministeriumssprecherin Susann Fischer. „Wir müssen deshalb in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt in Erwägung ziehen, Zelte aufzustellen.“
  • 2014 nahm Brandenburg 6300 Menschen auf, 2013 etwa 3300. Die Quote, die bei der Verteilung von Asylsuchenden auf Kreise und kreisfreie Städte herangezogen wird, richtet sich vor allem nach der Bevölkerungsstärke.

Von MAZonline

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