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Lobbyarbeit für Brandenburgs Dörfer

Entwicklung des ländlichen Raumes diskutiert Lobbyarbeit für Brandenburgs Dörfer

Rund 80 Akteure haben in Garrey beim 8. Tag der Dörfer über Chancen, Potenziale und Probleme der Entwicklung des ländlichen Raumes in Brandenburg diskutiert. Größte Herausforderung sei es, den Dörfern eine Stimme in der Landespolitik zu verleihen. Impulse des Treffens sollen in die Arbeit der Enquete-Kommission einfließen, die im Landtag gebildet wurde.

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Diskussion zur Zukunft der Dörfer in Garrey: Wolfgang Lubitzsch, Ralf Rafelt, Gabi Eissenberger und Andreas Grünthal (v.l.) waren Gastgeber.

Quelle: Thomas Wachs

Garrey. Brandenburger Dörfer brauchen eine Lobby. Um diese zu befördern, haben rund 80 Akteure am Sonnabend in Garrey beim 8. Tag der Dörfer über Chancen, Potenziale und Probleme ihrer Entwicklung diskutiert. Der Tag der Dörfer ist seit 2007 eine landesweite Begegnung von lokalen Akteuren aus allen Regionen des Landes Brandenburg. Die Organisatoren vom Verein Brandenburg 21 und der Arbeitsgemeinschaft „Lebendige Dörfer“ orientieren sich dabei an der europaweit zu beobachtenden Dorfbewegung mit Dorftagen und „Ländlichen Parlamenten“, erklärt Heiko Bansen von der lokalen Arbeitsgemeinschaft Havelland-Fläming (LAG) mit Sitz in Wiesenburg. Die LAG war gemeinsam mit dem Dorf Garrey Gastgeber des Treffens, das erstmals im Fläming stattfand.

Zukunftsfähigkeit der Dörfer diskutiert

Im Mittelpunkt der Vorträge, Arbeitsgruppen und Diskussionen unter den Dorf-Aktivisten stand die Zukunftsfähigkeit der Orte im ländlichen Raum. Die Herausforderungen durch die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und der Wirtschaft machen ein neues Denken und Handeln nötig. Daher haben die Vertreter der brandenburgischen Dörfer konkrete Forderungen an die Politik formuliert. Sie sollen in die Arbeit der Enquete-Kommission zur ländlichen Entwicklung einfließen, die im Landtag jetzt ihre Arbeit aufgenommen hat und bis 2018 ein Strategiepapier zur Zukunft der Dörfer erarbeiten soll.

In der Podiumsdiskussion stellten  sich Politiker den Fragen der Dorfaktivisten

In der Podiumsdiskussion stellten sich Politiker den Fragen der Dorfaktivisten.

Quelle: Thomas Wachs

Mitglieder der Kommission aus dem Landtag und Kommunalpolitiker haben in der abschließenden Podiumsdiskussion die Forderungen der Dorf-Aktivisten entgegen genommen. Sie wünschen sich unter anderem Mindeststandards in der Infrastruktur des ländlichen Raumes, um diesen lebenswert zu halten. Probleme werden vor allem bei der medizinischen Versorgung, den Verkehrsmitteln und der Versorgung mit modernen Internet-Zugängen gesehen. So sollte für die Digitalisierung nicht nur des ländlichen Raumes ein Landesbeauftragter bestellt werden.

Ländlicher Raum kommt zu kurz

Zudem sollte das Mitspracherecht der Dörfer und ihrer Vertreter ausgebaut werden. Gefahren zum Verlust von Einflussmöglichkeiten sehen die Akteure dabei in der aktuell diskutierten Strukturreform im Land. „Schon jetzt befassen wir uns im Kreistag zu drei Vierteln mit Fragen zum Speckgürtel um Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf“, sagte Wolfgard Preuß. „Der ländliche Raum Potsdam-Mittelmarks kommt da schon jetzt zu kurz“, sagte der Abgeordnete der Fraktion Freie Bauern und Bürger. Nach Ansicht von Hendrik Wiechmann (CDU), stellvertretender Vorsitzender der Enquete-Kommission müsse der Tag der Dörfer aufgewertet werden, indem Vertreter des Landes regelmäßig an den Zusammenkünften teilnehmen. Dabei sieht Benjamin Raschke, Kommissionsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, noch Nachholbedarf. Nicht alle Landtagsfraktionen würden derzeit die Probleme des ländlichen Raumes gleichberechtigt zur Entwicklung von Ballungsgebieten betrachten, sagte er in Garrey.

Ausstellung und Dorfrundgang im Rahmenprogramm

Flankiert wurde der 8. Tag der Dörfer in Garrey von einer Ausstellung „Lebendige Dörfer“ im örtlichen Gasthaus Lehmann und einem Rundgang durch das Dorf. Immerhin hat der Ort als Sieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ einiges zu bieten, erklärte Wolfgang Lubitsch den Gästen. Er gehört zu den Akteuren im Ort, die das Dorf durch Aktivitäten lebensfähig halten. „Die Politik wird unsere Probleme nicht lösen, das müssen wir schon selbst tun“, sagte der Dorfbewohner nach der Podiumsdiskussion gegenüber der MAZ. Zu den Aktivisten im Ort zählt auch Gabi Eissenberger. Sie zog vor fünf Jahren nach Garrey, kaufte den alten Gasthof und will ihn mit diversen kulturellen Projekten zum Anziehungspunkt entwickeln.

Holger Ackermann vertritt europaweit die Interessen der Dörfer

Holger Ackermann vertritt europaweit die Interessen der Dörfer.

Quelle: Thomas Wachs

INTERVIEW

Holger Ackermann ist Ortsvorsteher in Groß Schauen im Landkreis Oder-Spree. Der Möbeltischler und Imker vertritt Brandenburg im Europäischen Ländlichen Parlament und ist im Vorstand des Bundesverbandes „Lebendige Dörfer“ aktiv.

MAZ: Wie lassen sich die Probleme der Dörfer in Europa vergleichen?

Holger Ackermann: Die Situation ist so unterschiedlich wie die Entwicklung der Länder selbst. Allerdings gibt es abgesehen vom unterschiedlichen Standard auch Probleme, die überall sehr ähnlich sind.

Welche sind das?

Ackermann: Überall geht es um die Stärkung und den Erhalt der Infrastruktur für Kindergärten, Schulen und heute ganz klar auch um das Internet überall auf dem Lande. Gleich ist überall auch die Landflucht der Jugend.

Wie kann dem begegnet werden?

Ackermann: Zum Beispiel über eine bessere Vernetzung. Daher ist im November 2013 der Bundesverband Lebendige Dörfer als Verein gegründete worden. Er soll bundesweit den Austausch zum Lernen voneinander beflügeln und den Dörfern eine stärker Stimme geben.

Von Thomas Wachs

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