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Locktow bekommt eine Friedensglocke

Besuch in Gießerei Locktow bekommt eine Friedensglocke

Mehr als 70 Jahre war das Geläut der Dorfkirche Locktower unvollständig. Jetzt erhält die kleine Glocke wieder eine große Schwester. Dieser Tage ist sie in der Gießerei Lauchhammer hergestellt worden. Eine 40-köpfige Delegation war dabei, hat schließlich weder Kosten noch Mühen gescheut, den Lebenstraum zu erfüllen.

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Auch schön: Die Schaulustigen aus Locktow konnten in der Gießerei einige Glocken bestaunen, die für andere Orte bestimmt sind

Quelle: Christiane Sommer

Locktow. „In Gottes Gnaden - wir gießen“, sagt Andreas Noack mit fester Stimme. Für den Fachmann, dessen Gesicht zu diesem Zeitpunkt hinter einer Schutzmaske verborgen ist, gehört der Satz zum Berufsalltag in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer. Für die in gehörigem Abstand um ihn herum stehenden Locktower sind die fünf Worte von ganz besonderer Bedeutung. Sie erleben nämlich hautnah, wie die neue Glocke für ihre Dorfkirche gegossen wird.

40 Frauen und Männer, unter ihnen der zehnjährige Leonard Störmer aus Görzke, hatten den weiten Weg in die Fabrik auf sich genommen, um genau diesen Moment, der die Geburtsstunde der Glocke für ihr Gotteshaus darstellt, mitzuerleben. Während das 1130 Grad heiße Kupfer-Zinn-Gemisch in die große Form fließt, ist einzig ein tiefes brodelndes Geräusch in der weiten Werkhalle zu hören.

Der Guss der Glocke in Lauchhammer

Der Guss der Glocke in Lauchhammer.

Quelle: Christiane Sommer

Die Menschen, die sich bis zu diesem Moment noch viel zu erzählen hatten, verharren in andächtiger Stille. Nur wenige Minuten später ist der große Moment schon vorüber. Vorsichtig bedecken die Männer um Andreas Noack die Gussform mit der glühenden Flüssigkeit mit etwas Holzkohle. Damit die Glockenkrone von anhaltender Wärme geschützt in aller Ruhe auskühlen kann. Nur wenige Tage wird es dauern, bis die Flüssigkeit erstarrt und tatsächlich zu einer Bronzeglocke geworden ist.

Während die Locktower nach dem Guss noch immer wie angewurzelt der Form gegenüberstehen, versucht Andreas Noack die Gruppe zur nächsten Station im Betrieb zu locken. Der Glockenguss, so versucht der Experte ihnen zu erklären, sei einerseits der faszinierendste Arbeitsschritt, andererseits aber der, der innerhalb von wenigen Minuten erledigt sei. Er will schließlich noch erzählen, welche Arbeitsschritte dem Glockenrohling nach dem Lösen aus der Form demnächst bevorstehen.

Glockenguss der faszinierendste Arbeitsschritt

Umringt von vielen Kirchenglocken - die der Locktower bereits einiges voraus haben und deren Umzug in die Kirchen von Leetza, Loburg und anderswo bald bevorsteht - erfahren die Frauen und Männer unter anderem wie später die Zier auf den Klangkörper kommt, dass der Klöppel geschmiedet werden muss und wie die Klangfarbe festgestellt wird. Sind all diese Arbeitsschritte erledigt, ist die Glocke quasi auf Herz und Nieren geprüft, wird sie die Heimreise antreten. Am 19. Juni soll in Locktow Glockenweihe gefeiert werden.

„Dass ich das noch erlebe, hätte ich mir nicht träumen lassen“, gesteht der 81-Jährige Martin Friedrich. Auch für Hannelore Störmer ist der Tag in Lauchhammer mit vielen Emotionen verbunden. Sie gehört zu den Locktowern, bei deren Taufe das alte Geläut noch vollständig erhalten war. „Das war 1942“, weiß ihr Enkel Leonard, der für die Exkursion zum Glockenguss, weil,sie als erweiterter Sachkundeunterricht anerkannt wurde,sogar schulfrei bekam. Bis zur Ankunft der neuen Glocke müssen im Turm vor Ort noch einige Arbeiten erledigt werden. Im Zusammenhang mit ihrer Aufhängung erhält die noch vorhandene kleine Glocke ihre traditionelle Befestigung - ein Holzjoch - zurück.

Das gesamte Projekt vom Guss der neuen Glocke bis zur Sanierung der alten hat ein Kostenvolumen von knapp 15000 Euro. Gut die Hälfte dieser Summe wurde in den zurückliegenden Wochen von der Gemeinde bereits selbst aufgebracht, berichtet Jörg Frenzel. „Es war die größte Sammlung die es hier je gegeben hat“, sagt der Pfarrer.

Von Christiane Sommer

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