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Locktower Kirche klingt endlich wieder doppelt

Neue Glocke geweiht Locktower Kirche klingt endlich wieder doppelt

In einem ergreifende Festgottesdienst ist jetzt in Locktow die neue „Friedensglocke“ geweiht worden. Möglich gemacht haben dies vor allem auch 54 Spender. Sie brachten die Kosten von fast 8000 Euro auf, die nötig waren, um die neue Glocke zu gießen und auch das alte Schlagwerk im Turm neu aufzuhängen. Insgesamt flossen rund 15 000 Euro in das Projekt.

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Festlich in Locktow: Pfarrer Jörg Frenzel, Gerlinde Wandel, Hartmut Friedrich, Superintendent Siegfried Thomas Wisch sowie Kantor Winfried Kuntz und Dietmar Block lassen Tauben steigen.

Quelle: Christiane Sommer

Locktow. Hinter der Locktower Kirchengemeinde liegen aufregende und von Spannung getragene Wochen. Nun wurde das größte Projekt, dass die Gemeinde seit langer Zeit verwirklichte, feierlich beendet. Die am 29. April 2016 in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer gegossene Locktower „Friedensglocke“ wurde in einem Festgottesdienst geweiht.

Exakt 7768 Euro hatten Gerlinde Wandel, Dietmar Block und Hartmut Friedrich vom Gemeindekirchenrat dafür gesammelt, dass die neue Glocke gegossen werden konnte. Insgesamt 54 Spender beteiligten sich finanziell an dem Projekt. „Das habe ich in 28 Dienstjahren noch nicht erlebt“, sagt Pfarrer Jörg Frenzel. Er zollte der Gemeinde seinen Respekt und gestand, dem Vorhaben anfangs skeptisch gegenüber gestanden zu haben. Insgesamt flossen rund 15 000 Euro in das Vorhaben. In diesem Zuge erhielt nämlich auch die kleinere zweite Glocke, die noch vorhanden war, ihre ursprüngliche, hölzerne Aufhängung zurück.

Die vielen Menschen, die nun in der festlich geschmückten Kirche beieinander saßen, lächeln. Sie sind dankbar für die neue Glocke und voller Erwartung. Denn noch hat keiner von ihnen sie jemals schlagen gehört.

Bis es soweit ist, heißt es aber, sich in Geduld zu üben und zunächst den Festgottesdienst zu feiern. Orgelspiel und Bläserklang gehen den Menschen zu Herzen. So auch die Worte, die Pfarrer Frenzel für seine Gemeinde findet. Er erzählt von einem Zufallsfund im Kirchenarchiv. Wenige Tage nach dem Glockenguss fiel ihm ein altes Papier in die Hände. Neben dem Schriftzug „o rex glorie veni cum pace“ (Oh König der Herrlichkeit komme in Frieden) waren zwei kleine Reliefbilder und das sächsische Wappen gezeichnet.

Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert

Der Ort Locktow wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche, ein rechteckiger Feldsteinbau, stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Das Gemäuer wurde im Lauf der Zeit vergrößert und erfuhr in diesem Zusammenhang mehrere Veränderungen am Turm, den Fenstern und Türen.

In den Kriegsjahren 1914 bis 1916 haben der Turm und auch das Innere des Gotteshauses die letzte große Erneuerung erfahren.

Bei diesen Arbeiten wurden mittelalterliche Wandmalereien entdeckt, die überarbeitet bis auf den heutigen Tag erhalten sind.

Das Dach der Kirche wurde im Jahr 1990 neu eingedeckt.

Beim zweiten Hinsehen wurde ihm klar, dass es sich bei dem Papier nur um die Abschrift der Glockenzier der 1943 verlorenen Locktower Kirchenglocke aus dem Jahre 1507 handeln konnte. „Sie war damit auch eine Glocke, die zum Frieden rief“, sagte Frenzel, die lateinischen Buchstaben übersetzend. Anschließend erinnerte der Geistliche an das Schicksal der Glocke, die 1943 zu Kriegszwecken abgeliefert werden musste. „Wir können heute nicht mehr nachvollziehen, wie die Locktower damals fühlten und ob es ein einschneidendes Erlebnis für sie war“, so Frenzel weiter.

Dann ist es endlich soweit. Der Festgottesdienst endet und die neue Glocke erklingt zum ersten Mal. Die Menschen verstummen, halten inne. Mit jedem Glockenschlag dringt ihre Botschaft durch die Schallluken ins Freie und zu den Locktowern in den Kirchenbänken.

Ein gemeinsames Essen auf der Dorfstraße beschließt den Festtag. Dabei kommen viele noch einmal auf die Erinnerungen an den Glockenguss und die Ankunft der Glocke Anfang Juni zu sprechen. Gerlinde Wandel erzählt, dass lange zurückliegende Gespräche mit ihrer Mutter für sie den Ausschlag gaben, sich für die Anschaffung der neuen Glocke zu engagieren. „Mutter ist seit fast fünf Jahren tot. In ihren letzten Lebensjahren sprach sie viel von der Glocke und deren Schicksal. Sie sagte in diesem Zusammenhang auch: Wir konnten es nicht verhindern“, erzählt Gerlinde Wandel.

Erhard Ernicke hingegen hätte den Glockenguss fast verpasst, dem im April an die 40 Locktower beiwohnten. „Ich wollte mit dem Auto nach Lauchhammer und hatte unterwegs eine Panne“, erzählt er. Das Auto ließ er am Straßenrand stehen, rief sich ein Taxi und kam quasi in letzter Minute in Lauchhammer an. Mit seinem Sohn Stephan bereitete er den Locktowern nun eine besondere Überraschung. Weiße Tauben aus seiner Zucht, die sonst nur bei Hochzeiten fliegen, wurden nach der Glockenweihe zu Friedenstauben.

Von Christiane Sommer

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