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Potsdam-Mittelmark Lösung im Wasserkonflikt bahnt sich an
Lokales Potsdam-Mittelmark Lösung im Wasserkonflikt bahnt sich an
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10:46 15.12.2015
Woher das Wasser stammt, das aus dem Hahn fließt, ist den Kunden relativ egal – wenn es gut und preiswert ist.   Quelle: Christel Köster
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Michendorf/Nuthetal

 Im Tauziehen um die künftige Wasserversorgung im Zweckverband „Mittelgraben“ bahnt sich eine Lösung an, mit der Gegner wie Befürworter des Baus eines eigenen Wasserwerkes leben könnten. Wie Verbandsvorsteher Reinhard Mirbach (CDU) in einem Pressegespräch mitteilte, soll in einem möglichen neuen Wasser-Liefervertrag mit der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) verankert werden, dass EWP und Verband ein gemeinsames Wasserversorgungskonzept entwickeln. Darin sollen die vom Verband begonnenen Untersuchungen für ein Wasserwerk in Michendorf mit einfließen, um eine langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das heißt: Die Option des Verbandes, ein eigenes Wasserwerk zu bauen, wäre mit der Unterschrift unter einen neuen Liefervertrag mit Potsdam nicht für alle Zeit gestorben. „Es kann durchaus sein, dass wir gemeinsam mit Potsdam ein Wasserwerk bauen“, sagte Mirbach. Hinter den neuen Überlegungen steht die gesicherte Annahme, dass die Landeshauptstadt in den nächsten Jahren weiter wächst und auch die Umlandgemeinden Michendorf und Nuthetal, die dem Mittelgraben-Verband angehören, derzeit an Einwohnern gewinnen. Kann irgendwann der Bedarf an Trinkwasser aus den vorhandenen Wasserwerken nicht mehr gedeckt werden, könnten die Wasserwerk-Pläne des Verbands doch zum Zuge kommen. Zwischen beiden Seiten wird derzeit noch um die Formulierung einer Öffnungsklausel im Vertrag gerungen, die eine solche Variante möglich machen würde. Bei einer Einigung würden sich beide Seiten vom bisherigen Entweder-Oder – weiter Wasserimport aus Potsdam oder Bau eines eigenen Wasserwerks bei Michendorf– verabschieden. „Wasseradern enden nicht an den Gemeindegrenzen. Hier sollte man nicht in Ortsgrenzen, sondern in Regionen denken“, so Mirbach. Daher sei es wichtig, dass man dazu übergehe, „gemeinsame Gespräche zu führen, statt in seinen Fürstentümern zu verharren“.

Zuvor hatte die EWP dem Verband ein neues Vertragsangebot zu deutlich besseren Konditionen als bisher vorgelegt. Wie berichtet, würde die EWP mit dem jetzigen Bezugspreis um 21 Cent nach unten gehen, wenn der Verband auch in Zukunft einen Großteil seines Trinkwassers aus Potsdam bezieht. Der neue Vertragsentwurf sieht Netto einen reinen Lieferpreis von 69 Cent pro Kubikmeter vor. Probleme haben einige Verbandsvertreter allerdings mit der langen Vertragslaufzeit von mindestens 20 Jahren, an die das Angebot geknüpft ist. Eine Öffnungsklausel, die innerhalb dieser Zeit neue Optionen möglich machen würde, falls ein gestiegener Wasserbedarf es erfordert, könnte diese Bedenken ausräumen.

Die Entscheidung, ob der Verband das neue Angebot aus Potsdam annimmt, wird indes vertagt. In einzelnen Punkten gebe es noch Klärungsbedarf. „Wir werden am 16. Dezember noch keinen unterschriftsreifen Vertrag in der Verbandsversammlung haben“, sagte Gerd Sommerlatte (FBL/UWG), Vorsitzender der Verbandsversammlung. Der Vertrag könne aber auch im Februar oder März rückwirkend bestätigt werden, so dass ein Beginn der Vereinbarung zum 1. Januar 2016 weiter möglich sei, so Sommerlatte. Den Termin sieht der Vertragsentwurf vor. Bevor die Verbandsversammlung entscheidet, sollen auch die Gemeindevertretungen die Möglichkeit für ein Votum bekommen.

Wasserdaten

Der Zweckverband Mittelgraben bezieht derzeit fast 60 Prozent des Trinkwassers von der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) – das entspricht etwa 560 000 Kubikmeter, die jährlich importiert werden.

Im neuen Vertragsentwurf der EWP ist eine jährliche Mindestabnahmemenge von 555 000 Kubikmeter verankert. Nimmt der Verband das Angebot zum neuen, deutlich niedrigeren Bezugspreis von 69 Cent pro Kubikmeter an, verpflichtet er sich auch, wenigstens für diese Mindestmenge zu bezahlen.

Der neue Liefervertrag kann mit einer Frist von 24 Monaten erstmals zum 31. Dezember 2035 gekündigt werden. Ohne fristgerechte Kündigung verlängert er sich um fünf Jahre.

Über Details des Vertrags wird mit der EWP aber immer noch verhandelt.

Die Trinkwasserpreise sind im Verband zwischen 2007 (Netto 1,67 Euro je Kubikmeter) bis 2014 (Netto 1,98 Euro) gestiegen. Seit Oktober 2014 zahlen Kunden derzeit 1,70 Euro netto

 

 Sollte der Verband die Potsdamer Offerte annehmen, würden die niedrigeren Lieferpreise fürs Trinkwasser in die nächste Kalkulation einfließen. Die steht im September 2016 an und ist Grundlage für den neuen Trinkwasserpreis, den Kunden in Michendorf und Nuthetal ab Oktober 2016 zahlen. Ob der Kunden-Preis dann nochmals sinkt, ist unklar. Die Preis-Latte fürs Trinkwasser hat das Landeskartellamt im Mittelgraben-Verband schon sehr niedrig gehängt. Nach der Intervention der Behörde wurde der Preis 2014 von netto 1,98 Euro pro Kubikmeter auf 1,70 Euro bereits deutlich gesenkt. Mirbach sagte nur so viel: „Es deutet daraufhin, dass wir die 1,70 Euro mindestens halten können.“

Von Jens Steglich

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