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Potsdam-Mittelmark „Husarenritt“ von Budapest macht IFA-Mann berühmt
Lokales Potsdam-Mittelmark „Husarenritt“ von Budapest macht IFA-Mann berühmt
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00:19 30.10.2018
Dieses Foto fanden die Männer des Vereins FIL in einem TV-Mitschnitt.
Ludwigsfelde

Eine ganz spontane Testfahrt verhalf einem der tausenden Ludwigsfelder Autowerker zu Ruhm, wie ihn keine Werksstatistik festhält: Michael Primus wurde in Fachkreisen mit dem „Husarenritt“ von Budapest berühmt. Heute nennt der ehemalige Kundendienst- und Schulungsmann diese Fahrt „eine lustige Begebenheit“. Und lebt damit, dass seine Jahrzehnte im VEB IFA-Autowerk beziehungsweise nach dem Mauerfall im Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde zuerst mit dieser Aktion genannt werden.

Genau 50 Jahre ist das her: Am 28. Oktober 1968 präsentierte das IFA-Kombinat seinen Allrad-Lkw, den inzwischen legendären W50 aus Ludwigsfelde, im Nep-Stadion der ungarischen Hauptstadt Budapest. So richtig waren die Magyaren von dem Fahrzeug noch nicht überzeugt, bauten sie doch in den Csepel-Werken eigene Laster. Da verständigte sich Primus mit einem Blick mit Veranstaltungsleiterin Eva Köszekvari.

Der legendäre W50, der Laster aus Ludwigsfelde Diese Tafel mit Varianten des Allrad-Lkws W50 aus dem IFA-Autowerk Ludwigsfelde, dem Zugpferd im VEB IFA-Kombinat der DDR, haben noch viele ehemalige Autobauer in Garagen und Werkstätten. Auch im Stadt- und Technikmuseum hängt sie. Quelle: ArchivMAZLudwigsfelde/Abromeit

Die nickte, und Primus, genannt Mike, fuhr los: zwischen den Zuschauerbänken des 100 000-Mann-Stadions mit dem Allrad-Laster die Stufen hinauf. Die Vertreter von Außen- und Binnenhandel, von Versorgungs- und Fahrzeugbetrieben waren perplex, ebenso die Medienleute von Presse, Funk und Fernsehen. Und natürlich Primus’ Kollegen Günther Krajewski, Dieter Kublik und Rudi Schulz, allen voran Helmuth Richter, DDR-Direktor für Außenwirtschaft und Binnenhandel.

Der erzählte später: „Mir standen die Haare zu Berge. Es war wie im Zirkus, wenn vor einer großen Attraktion das Licht aus-, der Scheinwerfer angeht und die Trommel wirbelt. Keiner wagte zu atmen. Erst, als er mit den Hinterrädern auf dem oberen Stadionrand aufsetzte, ging’s wie ein Seufzer der Erleichterung durchs weite Rund. Da hatte der W50 in Ungarn endgültig gesiegt.”

Der „Husarenritt“ von Michael Primus ist mit dieser Karikatur auch in Giesela Hellers Buch "Märkischer Bilderbogen" festgehalten. Quelle: privat/Repro Abromeit

Alle miteinander trafen sich an jenem Tag abends beim Essen. Mit Palinka, dem ungarischen Obstbrand, wurde angestoßen. Und Primus bekam von Richter zu hören: „Wäre das schiefgegangen, hättest Du wohl gleich mit einem Stein um den Hals in die Donau springen können...“ Noch immer lacht Primus, wenn er von dieser Eigenmächtigkeit erzählt. „Aber ich wusste ja, dass das geht. Der W50 ist da wie ’ne Katze hochgeklettert.“

Primus wusste es, weil er dabei war, als der Allradkipper auf dem Flugplatz Saarmund (Potsdam-Mittelmark) getestet wurde. Fahrübungen vorwärts, rückwärts, den Berg hinauf im losen Sand, all das schaffte der Laster problemlos. Später bestanden diese Lkw-Typen Härtetests in russischem Eis und Schnee, in äthiopischen Steinbrüchen, in der ägyptischen Wüste oder im afrikanischen Urwald.

Primus-Männer fahren nur für TÜV-Plakette zur Werkstatt

Und überall war Primus dabei. Der Mann, der sich bei Testvorführungen in Tripolis (Libyen), Damaskus (Syrien) oder Bagdad (Irak) arabisch gesprochene Zahlen merkte und Dolmetscher korrigierte, wenn sie falsche nannten; der sich in Afrika Sätze in Kisuaheli merkte und dessen Kundendienst-Erfahrung nach dem Mauerfall auch bei Mercedes gefragt war.

Dort leitete er bis zur Pensionierung 2007 Schulungen in Vertragswerkstätten. Und baute in Pkw-Motoren Fehler ein, die Schulungsteilnehmer finden mussten. Heute fahren er und seine beiden Söhne mit allen Familienautos nur in eine Werkstatt, wenn TÜV-Plaketten nötig sind. Alles andere schrauben und bauen die Primus-Männer selbst. Seine Erfahrung gibt der Senior auch im Verein Freunde der Industriegeschichte Ludwigsfelde (FIL) weiter.

Wer den 73-Jährigen erleben will: Das nächste IFA-Laster-Treffen ist Himmelfahrt 2019 auf der Festwiese Ludwigsfelde.

Von Jutta Abromeit

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