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Potsdam-Mittelmark Lütter Pfarrer feierlich verabschiedet
Lokales Potsdam-Mittelmark Lütter Pfarrer feierlich verabschiedet
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18:45 04.01.2016
Sein letzter Gottesdienst als Pfarrer im Dienst: Edgar Meißner am Sonntag in der Kirche. Quelle: Andreas Koska
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Lütte

Die Verabschiedung des Pfarrers samt Händedruck gab es am Sonntag erst beim Empfang in der Dippmannsdorfer Gaststätte „Paradies“ und nicht wie üblich in der Dorfkirche. Edgar Meißner wollte damit nicht nur der Kälte im naturtemperierten Gotteshaus entgehen. Er hoffte vielmehr, dass viele Besucher des Entbindungs-Gottesdienstes in der voll besetzten Martinskirche in Lütte anschließend noch gemeinsam mit ihm feiern.

Nach beinahe 34 Jahren als Seelsorger in Lütte samt Fredersdorf und Schwanebeck sowie in Ragösen, Dippmannsdorf und Groß Briesen wurde Edgar Meißner am Wochenende in den Ruhestand verabschiedet. Siegfried-Thomas Wisch würdigte sein Wirken. „Sie hinterlassen ein wohlbestelltes Haus“, sagte der Superintendent und betonte, dass er als Kollege der evangelischen Kirche erhalten bleibe. „Sie bleiben Prediger, dürfen Gottesdienste leiten und Taufen vollziehen. Der einzige Unterschied ist, dass sie sich jetzt die Aufgaben selbst auswählen dürfen“, setzte er fort. Tatsächlich freut sich Edgar Meißner nach eigenem Bekunden am meisten darüber, dass die administrativen Aufgaben wegfallen. „Den Menschen bleibe ich verbunden, aber der Rucksack der Büroarbeit ist weg“, freute sich der scheidende Geistliche.

Ein Toast zum Abschied. Quelle: Andreas Koska

Spätestens bei seinem Studiensemester in Südafrika und einem Urlaub in Namibia habe er gemerkt, dass nicht die in Deutschland vorherrschenden Parameter wie Finanzen, Kultur oder Bauzustand wichtig seien, um mehr Zutrauen zu Gott zu haben, sondern der tief verankerte Glaube. „Die Kirche dort bestand aus vier Leichtwänden und wurde von einem Blechdach zusammengehalten, aber die Herzlichkeit war überwältigend“, berichtete der 63-Jährige.

Mithin hatte auch er das Glück in seiner Dienstzeit des Öfteren bewegende Gottesdienste abzuhalten. Gleich zum Auftakt vor vollen Bänken. Der erste Eindruck sei für ihn damals entscheidend gewesen, um so lange zu bleiben. Der Mann, dessen Eltern aus Schwaben stammen, ist in den Dörfern angenommen worden.

Stephan Schönfeld als Vertreter

Edgar Meißner ist am 1. Januar 1953 geboren. Seine Antrittspredigt für die Pfarrstelle in Lütte hat er am 7. März 1982 gehalten. Die Entbindung aus dem Amt ist _ unabhängig vom Gottesdienst am Sonntag _ auf 3. November 2015 terminiert.

Bis 1991 war er Kreisjugendpfarrer. Nach der politischen Wende hat er die Diakonie im Kreis Belzig (Potsdam-Mittelmark) mitbegründet und war 20 Jahre lang deren Vorsitzender.

Die Stelle soll wieder besetzt werden und wird deshalb ausgeschrieben. Für die Zeit der Vakanz übernimmt Stephan Schönfeld aus Wiesenburg die Aufgaben.

Ilona Peters, Sekretärin der Evangelischen Gemeinde, hat ebenfalls ihren Abschied erklärt. Die Dippmannsdorferin sucht sich eine neue Aufgabe.

Nicht von ungefähr hatten die Menschen zur Zeit der politischen Wende gerade zu ihm Vertrauen. Edgar Meißner und Ehefrau Gertrud gehörten zu den Protagonisten des Wandels. „Es war ein offenes Pfarrhaus – auch für DDR-Kritiker. Und die Friedensarbeit war stets Meißners Anliegen“, bestätigte Siegfried-Thomas Wisch. „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“ stand am 2. November 1989 auf einem Transparent am Turm der Lütter Kirche. Rund 500 Leute folgten dieser Einladung. Es war der Beginn der Umwälzungen im Hohen Fläming, die erst auf dem Dorf und dann in Bad Belzig ihren Lauf nahmen.

„Seine zuverlässige Art hat überzeugt“, resümiert Maria Sternberg aus Fredersdorf. Auch Marina Schwarz bewundert seine Arbeit. „In den Verwandtschaftsverhältnissen auf den Dörfern kennt er sich besser aus, als wir uns selbst“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und weiter: „Die Menschen konnten immer kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen hatten und er war immer offen für Neues“, sagte die aus Fredersdorf stammende Frau. Der Lütter Roland Leisegang schätzt seine offene, ehrliche Art und Melitta Boese aus Schwanebeck betont die Herzlichkeit seiner Arbeit.

Abschied von der Gemeinde. Quelle: Andreas Koska

Auch seine Kollegen sind voll des Lobes. „Er ist einer der nicht viel Aufhebens um seine Person macht, sondern den Dienst in den Vordergrund stellte, jemand der immer kühlen Kopf behält, wenn man nicht weiter wusste“, lobte die Golzower Pfarrerin Ellen Radtke. Helmut Kautz hat extra seinen Israel-Besuch so gelegt, dass er zum Abschied wieder zurück sein konnte. „Das war mir ganz wichtig“, meinte der Brücker Pfarrer.

Für das Ehepaar Meißner geht es nun für zwei Wochen zum Fasten. „Dabei wollen wir Abstand gewinnen und uns neu orientieren“, sagte Gertrud Meißner. Die Sozialamtsleiterin der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark war vor Kurzem ebenfalls in den Ruhestand gegangen. Eine Fahrt in die kirchliche Partnergemeinde nach Wisla ist ebenfalls schon für Anfang Mai geplant.

Der Plan, möglichst viele Menschen beim Abschied dabei zu haben, ist aufgegangen. Rund 120 Gemeindeglieder und Freunde füllten den Saal in der Gaststätte „Paradies“ – ein passender Ort für ein solches Fest.

Von Andreas Koska und René Gaffron

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