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Potsdam-Mittelmark Lütter Skelette dürfen nun in Frieden ruhen
Lokales Potsdam-Mittelmark Lütter Skelette dürfen nun in Frieden ruhen
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02:17 28.09.2015
Im Oktober 2014 wurden die Knochen freigelegt. Nun kommen sie endlich wieder unter die Erde Quelle: St. Specht
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Lütte/Bad Belzig

Am Sonntag werden die sterblichen Überreste der vor einem Jahr auf dem Lütter Galgenberg gefundenen Delinquenten auf dem Bricciusfriedhof beigesetzt. Pfarrer Martin Gestrich und Archäologin Marita Genesis wollen die einst zum Tode Verurteilten somit wieder der christlichen Gemeinschaft zuführen.

Marita Genesis forscht gilt als Expertin für Rechtsarchäologie und Richtstättenarchitektur. Die Hochschuldozentin führt in jedem Wintersemester mit ihren Studenten eine Forschungsgrabung durch. Quelle: St. Specht

Mehrere hundert Jahre hatten die Gehenkten ohne Aussicht auf Seelenfrieden auf dem Lütter Galgenberg gelegen, bevor eine Gruppe von Studenten unter Leitung ihrer Dozentin Marita Genesis die Hinrichtungsstätte im Oktober 2014 freilegte. „Wir hatten viel Glück und fanden sowohl Überreste des Galgens als auch eine Gruppe von Skeletten“, sagt die Archäologin. „Galgenberge wurden auch als Acker für Beisetzungen genutzt“, erklärt Genesis, „doch auf Rituale wurde da kein Wert gelegt.“

Studenten legten Hinrichtungsstätte frei

Wer mit dem Tode bestraft wurde – etwa für einen schweren Diebstahl oder einen Mord – war auf ewig aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen, wie Marita Genesis erläutert: „Die Delinquenten wurden so weit über den Tod hinaus bestraft, denn so war ihnen jede Chance auf das Paradies verwehrt. Das war die Höchststrafe in einer zutiefst gläubigen Zeit.“

Die letzte Hinrichtung

Am 30. März 1846 fand die letzte Hinrichtung in Bad Belzig statt. Zuvor hatte es dieses grausige Schauspiel 106 Jahre lang nicht gegeben.

Der Leineweber Bräckow hatte 1838 eine geschiedene Frau geheiratet. Ein komplizierter Richterspruch führte dazu, dass das junge Ehepaar mit der Schwiegermutter aus erster Ehe gemeinsam in Wiesenburg lebte.

Diese – die 55-jährige Witwe Christiane Schmeckebier – „verbitterte durch ihre Zanksucht“ Bräckow und seiner Frau das Leben, wie er später aussagte. Mehrfach drohte er ihr mit dem Tod.

Nach nur zwei Wochen des Zusammenlebens ermordete das Ehepaar Bräckow am 28. Juni 1843 gemeinsam die Witwe Schmeckebier.

Der Mord flog schnell auf, Bräckow wurde zum Tode durch das Beil verurteilt. Er ist damit der letzte in Belzig hingerichtete Täter.

Martin Gestrich, Pfarrer der Bad Belziger Mariengemeinde, hält das für falsch: „Niemand darf das Urteil Gottes vorwegnehmen und jemandem den Seelenfrieden auf ewig versagen“, sagt Gestrich. Deshalb hat der Pfarrer sich entschlossen, die auf dem Galgenberg ausgegrabenen Skelette an diesem Sonntag auf dem Bricciusfriedhof zu beerdigen. „Meine Kirche behandelt alle Gestorbenen gleich“, sagt der Pfarrer, „auch wenn es schade ist, dass wir nur wenig über die Personen wissen, die wir jetzt beisetzen.“

Marita Genesis vermutet, auf zwei durch den Strick Umgekommene und einen Selbstmörder gestoßen zu sein. „Suizid war gesellschaftlich geächtet, daher wurden Selbstmörder durchaus auch auf Galgenbergen beerdigt“, sagt sie.

Was ist den Toten zugestoßen?

Einen besonderen Fund machte ihre Studentengruppe am Schluss ihrer Grabung. „Da haben wir durch Zufall einen noch viel älteren Toten gefunden, er stammt aus der Bronzezeit“, sagt die Forscherin. Die Bronzezeit umfasst in Mitteleuropa die Zeit um 2000 und 800 vor Christus.

Was dem Toten aus der Bronzezeit zugestoßen ist, vermag auch Marita Genesis nicht zu sagen: „Er wurde in einer seltsamen Haltung beigesetzt, die nicht auf eine Hinrichtung schließen lässt“. Nun wird der unbekannte Tote seine letzte Ruhestätte finden – gemeinsam mit den Überresten der anderen gefundenen Skelette. „Die Knochen sind sehr brüchig und man weiß nicht , welcher Knochen zu wem gehört“, sagt Pfarrer Martin Gestrich, „Daher bestatten wir alle zusammen“.

Termin: Sonntag, 27.09., 13 Uhr, Bricciuskirche: Monatsabschlussandacht und anschließend Beisetzung.

Von Saskia Popp

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