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„Macht die Vorgärten platt!“

Kleinmachnower Ordnungsamt fordert: „Macht die Vorgärten platt!“

In der Kleinmachnower Sommerfeld-Siedlung führt die chaotische Situation mit parkenden Autos zu merkwürdigen Regel-Auswüchsen. Bewohner von Reihenhäusern, die ihr Auto nicht neben den Häusern abstellen können, sollen ihre Vorgärten für Abstellplätze opfern. Dabei steht die Siedlung mit Gärten unter besonderem Erhaltungsschutz.

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Beton statt Pflanzen: Günter Kunisch (l.) und Richard Kühne sollen ihre Vorgärten für Auto-Stellplätze opfern.

Quelle: Jürgen Stich

Kleinmachnow. Die Debatte um das Parken und Halten in der Kleinmachnower Sommerfeld-Siedlung ist in vollem Gange, doch die Gemeindeverwaltung hat bereits Tatsachen geschaffen. Mit Wirkung zum 1. April trat eine neue Satzung in Kraft, die es Autofahrern verbietet, den Wagen auf Grünflächenüberfahrten abzustellen. Die Folge: Günter Kunisch und Richard Kühne, Nachbarn in der Straße An der Stammbahn, sind gezwungen, ihre liebevoll gepflegten Vorgärten platt zu machen, um dort einen Auto-Stellplatz zu schaffen.

„Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein“, empört sich Günter Kunisch. Mit dem „Erfinder“ ist der jüdische Bauunternehmer Adolf Sommerfeld gemeint, der die Siedlung in den 1930er Jahren geplant hatte. Vor Jahren legte die Gemeinde besonderen Wert darauf, die Siedlung mit einer Erhaltungssatzung zu schützen, sie steht mit ihren bescheidenen Bürgerhäusern quasi unter Denkmalschutz. Im Jahr 2005 wurde Kunisch sogar eigens beschieden, „dass das Beseitigen des Vorgartens und die Umwandlung in Pkw-Stellplätze dem Charakter und der typischen historischen Ansicht der geschützten Sommerfeld-Siedlung nicht gerecht werden“ würde.

Wie kam es zum Sinneswandel der Gemeindeverwaltung? Es war wohl die schiere Not. Denn in den schmalen Straßen der Siedlung – geprägt von Grünstreifen und Sandwegen – spielen sich täglich chaotische Szenen ab. Autos stehen kreuz und quer am Rand, mal auf dem Grundstück, mal davor. Wiesen werden kaputtgefahren, an manchen Stellen ist kein Durchkommen mehr – eine allerdings nicht untypische Situation für das inzwischen dicht besiedelte Kleinmachnow.

Ausnahmen von der Regel

Die Satzung zur Regelung des Parkens und Haltens auf Grünflächenüberfahrten in der Gemeinde Kleinmachnow trat am 1. April 2017 in Kraft. Ziel ist es, der „zunehmenden Bodenverdichtung und der Vernichtung von Rasenflächen durch Fahrzeuge entgegenzuwirken“.

Eine Ausnahmeerlaubnis kann es geben, „wenn auf dem Grundstück bauartbedingt oder zuschnittsbedingt keine Parkmöglichkeiten vorhanden sind“. Auch „persönliche Umstände“ können die Behörde dazu bewegen, das ausnahmsweise Parken auf dem Grünstreifen zu erlauben.

Seit 1959 lebt die Familie Kunisch An der Stammbahn, seit 1979 sind die Kühnes ihre Nachbarn. Weil die Familien in Reihenhäusern wohnen, also rechts und links kein Platz für eine Garage oder einen Stellplatz bleibt, wurde die befestigte Grundstückszufahrt, die über einen breiten Grünstreifen führt, als Parkplatz genutzt. „Das hatte den Vorteil, dass unsere Autos nicht auch noch am Straßenrand standen“, erläutert Richard Kühne. Doch mit der Satzung vom 1. April war diese Parkmöglichkeit plötzlich illegal, die ersten Knöllchen ließen nicht lange auf sich warten.

Nun haben Günter Kunisch und Richard Kühne weiß Gott schon Einiges hinter sich in der Sommerfeldsiedlung. Die Berliner Mauer stand direkt hinterm Haus, Besucher brauchten eine Sondergenehmigung und regelmäßig gab es Kellerkontrollen durch die DDR-Grenzer. Auch wollen beide nicht mit ihrem Alter argumentieren oder anderen Beschwernissen. Dennoch hatten sie fest damit gerechnet, dass ihre besondere Situation berücksichtigt wird und sie die in Aussicht gestellte Ausnahmeerlaubnis für den jahrzehntelang genutzten Parkplatz erhalten. Doch die Hoffnung trog. „Abgelehnt!“, beschied die Behörde und stellte klar: „Nach dem Inkrafttreten der Satzung besteht nur die Möglichkeit auf dem Grundstück einen Stellplatz zu errichten oder auf der Straße zu parken.“ Anders ausgedrückt: Der Vorgarten muss weg!

Richard Kühne und Günter Kunisch haben Widerspruch eingelegt. Das war vor einem Monat. Seither hüllt sich das Ordnungsamt in Schweigen. Man werde „unaufgefordert auf diese Angelegenheit zurückkommen“, hieß es lapidar. „Wenn’s sein muss, machen wir einen Sitzstreik vor dem Rathaus“, zeigen sich die Nachbarn kämpferisch. Doch eine friedliche Lösung, auch das verschweigen beide nicht, wäre ihnen sicherlich lieber.

Von Jürgen Stich

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