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Märkische Vogelfreunde begeben sich zur Balz

Großtrappenbeobachtung Märkische Vogelfreunde begeben sich zur Balz

Jedes Jahr bietet die Naturwacht Hoher Fläming Interessierten die Möglichkeit, die Großtrappen bei der Balz zu beobachten. In kleinen Gruppen geht es zum Aussichtsturm in Freienthal, von wo aus das Naturschauspiel besonders gut bestaunt werden kann. Bei der ersten Tour dieses Jahres zeigten sich die Vögel von ihrer besten Seite.

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Zwei junge Trappen nach der Auswilderung.

Quelle: Michael Greulich

Baitz. Schwanz nach oben, Kopf zurück und den Kehlkopf weit aufgebläht – plötzlich sieht der Vogel von gerade aus wie ein Ball aus weißen Federn. So rausgeputzt, tänzelt er nun vor den umstehenden Hennen herum. In der Hoffnung, dass sich eine von ihnen mit ihm paaren will.

Was klingt wie die Szene aus einem tierischen Dokumentarfilm, können Naturfreunde bei einer Ranger-Erlebnistour der Naturwacht Hoher Fläming live erleben: das Balzverhalten der Großtrappe.

Landschaftswiesen seit Anfang der 90er Naturschutzgebiet

Vom Treffpunkt in Baitz fahren die Teilnehmer gemeinsam mit Rangerin Katrin Dörrwand zum rund 16 Kilometer entfernten Aussichtsturm nach Freienthal. Dort angekommen, bewaffnen sich die Männer und Frauen mit Ferngläsern und Spektiven und blicken hinaus auf die Belziger Landschaftswiesen. Diese wurden Anfang der 90er Jahre zum Naturschutzgebiet ausgerufen.

Mit Ferngläsern und Spektiven ausgestattet suchen die Vogelfreunde in der Ferne nach den Trappen

Mit Ferngläsern und Spektiven ausgestattet suchen die Vogelfreunde in der Ferne nach den Trappen.

Quelle: Josephine Mühln

„Wenn sie geradeaus schauen, können Sie am Zaun balzende Hähne sehen“, gibt Dörrwand die Richtung vor. Auch ein Hase und ein Fuchs werden bald darauf auf der Wiese gesichtet. Ob der nicht eigentlich gefährlich sei für die Trappen, will einer der acht Vogelfreunde wissen. „Solange genügend Mäuse da sind, vergreift sich der Fuchs nicht an den Trappen“, antwortet Rangerin Dörrwand. Seit 1997 arbeitet sie bei der Staatlichen Vogelschutzwarte in Baitz und führt seitdem regelmäßig Erlebnistouren an.

Trappe auch als „Märkischer Strauß“ bekannt

Zum ersten Mal dabei ist Heidi Krüger. „Ich finde es reizvoll, die Natur in voller Pracht zu erleben“, sagt die Berlinerin. „Die Großtrappe als großen und eindrucksvollen Vogel muss man einfach mal erlebt haben.“ Während die Gruppe die Trappen bei der Balz beobachtet, informiert Katrin Dörrwand über den Schutz des auch als „Märkischer Strauß“ bekannten Tieres. Mitte der 90er Jahre sei der Trappenbestand so weit nach unten gegangen, dass auch in den Belziger Landschaftswiesen ein Auswilderungsprogramm begonnen habe. Ende April und Anfang Mai – nach der Balzzeit also – werden die Wiesen gezielt nach den Eiern der Trappenhennen abgesucht. „Damit sie nicht der Landwirtschaft zum Opfer fallen“, sagt Dörrwand. Außerdem gebe es um diese Zeit noch keine Nahrung für die Jungtiere. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten. 15 bis 20 Tiere werden seit 1997 jährlich ausgewildert.

Nach der Beobachtung verlassen die Teilnehmer zufrieden den Hochstand

Nach der Beobachtung verlassen die Teilnehmer zufrieden den Hochstand.

Quelle: Josephine Mühln

Die grünlichen Eier mit kleinen braunen Sprenkeln werden dann in die Vogelschutzwarte nach Buckow im Havelland gebracht. Dort werden sie ausgebrütet und künstlich aufgezogen – bis die Küken zwischen sechs und acht Wochen alt sind. „Aus den Jungtieren stellen wir Herden zusammen, die dann wieder im Gebiet der Belziger Wiesen ausgewildert werden“, erklärt Dörrwand. „Uns ist wichtig, dass die Tiere nicht eingezäunt leben, sie sollen wild bleiben und weg vom Menschen leben.“

Teilnehmer werden mit einer Flugshow belohnt

Und wie sieht’s mit Fressfeinden aus? „Marderhund und Seeadler machen uns hier zu schaffen“, sagt Dörrwand. Auch Wölfe seien auf den Belziger Wiesen zwar schon gesichtet worden, „aber die scheinen unsere Trappen zu ignorieren, vielleicht weil sie fliegen können“. „Oder sie schmecken nicht“, mutmaßt ein Teilnehmer. „Die schmecken bestimmt“, entgegnet die Rangerin, „nach dem Krieg gab es ja Rezepte für Trappenfleisch.“ Alle lachen.

Die Tiere selbst machen den Beobachtern an diesem Vormittag noch eine besondere Freude. Wie auf Kommando breiten sie die Flügel aus und drehen eine Runde um den Aussichtsturm – über 40 Tiere hat Dörrwand gezählt. „Das war ja noch mal wie ein Feuerwerk am Ende“, stellen die Vogelfreunde fest. „Das hab ich extra so bestellt“, scherzt Rangerin Dörrwand.

Trappen werden bis zu 20 Jahre alt

Neben den Belziger Landschaftswiesen sind auch das Havelländische Luch und der Fiener Bruch Trappenschutzgebiete.

Die Großtrappe zählt zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Hähne können bis zu 20 Kilogramm schwer werden, die Hennen wiegen ausgewachsen zwischen sechs und acht Kilo.

Die Tiere können bis zu 20 Jahre alt werden.

Äußerlich lassen sich Männchen und Weibchen anhand ihrer Größe und ihres Gefieders unterscheiden. Bei den Hähnen sind die Federn hell und kräftig braun gefärbt, bei den Hennen eher graubraun.

Ihre Eier legen die Hennen auf freiem Gelände, sie bauen sich kein Nest. Ein Gelege – so der Fachbegriff – hat ein bis vier Eier.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft nahmen die Bestände seit dem Zweiten Weltkrieg stetig ab. Die Brandenburgische Population war von 3 000 Tieren in den 1940er Jahren auf 57 Tiere Mitte der 1990er Jahre gesunken.

Im vergangenen Jahr lebten 197 Großtrappen in ganz Brandenburg, davon rund 60 in den Belziger Landschaftswiesen.

Auch Heidi Krüger resümiert, dass sich die Anfahrt aus der Hauptstadt für sie gelohnt habe. „Es ist ein beeindruckendes Schauspiel“, sagt die gebürtige Lausitzerin. Und es stecke so viel Mühe dahinter, die Population zu erhalten. „Manche fahren bis nach Afrika, dabei haben wir hier auch so eine w+underbare Tierwelt, die sich beobachten lässt“, schließt Krüger.

Von Josephine Mühln

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