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Potsdam-Mittelmark Der Traum vom eigenen Mini-Kino
Lokales Potsdam-Mittelmark Der Traum vom eigenen Mini-Kino
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21:28 22.11.2015
„Es geht um Reisen durch Zeit und Raum“: Jakob Damms mit den Filmrollen aus den Obelisk-Lichtspielen vor seinem Mini-Kino. Quelle: Christel Köster
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Wilhelmshorst

Er trägt einen Hut wie Pan Tau und versprüht auch diese stumme Magie, als könnte er jeden Moment mit einem Stupser an die Melone den Ort oder die Menschen verzaubern. Jakob Damms aber kann anders als der Held aus der tschechischen Kinderserie sprechen. „Mein Name ist Josef Birkemeier! Herzlich willkommen zur Eröffnung der Obelisk-Lichtspiele im Jahr 1918“, sagt er.

Am Freitagabend schlüpft Damms in die Rolle des ersten Inhabers der Potsdamer Obelisk-Lichtspiele, wirft den 100 Jahre alten Filmprojektor an, kurbelt los und beamt seine kleine Kino-Garage in Wilhelmshorst samt der zwölf Gäste in eine andere Welt: Zu sehen ist ein Stück aus Billy Wilders Stummfilm „Menschen am Sonntag“ – die Begleitmusik liefert Georg von Weihersberg am Klavier. „So könnte es gewesen sein, als vor fast 100 Jahren die Obelisk-Lichtspiele eröffnet wurden“, sagt Damms.

Der Ausflug ins Jahr 1918 ist freilich nur das Vorspiel zur Krönung des Kinoabends im Kinematographentheater „Cinema mobile“, das der Wilhelmshorster vor zweieinhalb Jahren in einer Garage hinter seinem Wohnhaus erschaffen hat. Danach geht es auf eine Reise, von der keiner weiß, wohin sie führen wird – auch der Filmvorführer nicht. 20 geheimnisvolle Filmrollen waren zuvor bei ihm gelandet und warteten nun darauf, neu entdeckt zu werden. Nur die Geschichte, wie sie zu Jakob Damms kamen, musste vorher noch schnell erzählt werden. „Der Freund eines Freundes kauft im Potsdamer Umland einen Bungalow, muss ihn aber erst noch entrümpeln.“ Im Container landen neben Möbeln und Büchern auch Filmrollen und Kinoapparate. „Moment mal, das kannst du nicht wegschmeißen. Da gibt es doch den Jakob Damms in Wilhelmshorst“, wirft der Freund ein. Damms sammelt Filmutensilien und so kommen ein Projektor und 20 Filmrollen aus dem Container zu ihm. Und wie sich herausstellte, gehörte der Bungalow einem der letzten Filmvorführer der Obelisk-Lichtspiele. „Er hat gerettet, was noch dort lag, bevor das Kino 1978 geschlossen wurde“ und in dem Haus in der Schopenhauerstraße Potsdams Kabarett entstand.

Weil 20 Filmbüchsen an einem Abend nicht zu schaffen sind, entscheidet das Publikum, welche der wie bei einem Adventskalender nummerierten Rollen in den Projektor eingelegt werden. Zuerst kommt Nummer vier dran: Auf einem ersten Bild ist DDR-Filmgröße Otto Mellies zu sehen. Er trägt Parteiabzeichen im Defa-Film „Überbrückt man die Jahre“, der es zu keiner großen Bekanntheit geschafft hat. Im Gegensatz zum Streifen „Spuk unterm Riesenrad“, der sich in Ausschnitten auf der gleichen Filmrolle befindet. Bei Filmbüchse acht wollte ein Gast schon von seinem Vetorecht Gebrauch machen und die Nummer abwählen. Jeder hatte vorher ein Teelicht bekommen. „Falls jemand seinen Onkel in SS-Uniform oder die Tante nackt sieht oder sich langweilt, kann er sein Licht anzünden“, erklärt Damms. Brennen drei Lichter, wird die Filmrolle gewechselt. Dazu aber kommt es nicht. Auch Rolle acht, die rätselhafter Weise mit Filmwerbung aus den 1990er Jahren beginnt, punktet später noch. Zum Beispiel mit Trailern zu den Defa-Filmen „Sieben Sommersprossen“ oder „Sabine Wulff“.

Bei Filmrolle drei kommt die Wochenschau „Der Augenzeuge“ zu Ehren. Berichtet wird etwa über verletzte Kämpfer der Sandinisten aus Nicaragua, die nach ihrer Genesung in DDR-Krankenhäusern zurück in die Heimat geflogen werden. Auch ein Porträt von Maler Arno Mohr (1910-2001) ist zu sehen. Filmrolle fünf krönt den Abend. „Schrei um Mitternacht“ steht auf der Büchse. Ein Dieb schleicht sich an einem Nachtwächter vorbei und lässt den Geldschrank links liegen. Er öffnet lieber den Filmtresor und sagt: „Das also sind die Filme, die uns die Brüder unterschlagen haben.“ Zu sehen sind Bilder aus dem Westen, die im Giftschrank lagen. Der Kurzfilm einer Defa-Crew entpuppt sich zwar am Ende als politische Agitation gegen den Westen – allerdings als eine sehr spitzfindige, die man von der sonst so plumpen DDR-Propaganda nicht kannte. Da heißt es etwa: „Schon die Kinder können sich im Westen frei entfalten.“ Kombiniert wird die Bemerkung mit Bildern von zwei Knirpsen, die sich im Boxring schlagen. Jakob Damms beendete den Abend denn auch mit dem Satz: „Ich glaube, merkwürdiger wird es heute nicht mehr.“

„Cinema mobile“ in Wilhelmshorst

Das Kinematographentheater „Cinema mobile“ befindet sich in der Peter-Huchel-Chaussee 23 in Wilhelmshorst.

Die zum Mini-Kino umfunktionierte Garage dient auch als Werkstatt und Lager für Jakob Damms Wanderkino. Den Filmvorführer, der auch ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist, kann man nämlich buchen – samt einem Wunschfilm der eigenen Wahl.

Echtes Kinoerlebnis bietet er auch Kindern. Immer am letzten Sonntag im Monat, 16 Uhr, ist Kinderkino-Tag.

Damms sucht noch klassische Kinostühle. Mehr Infos: 0163/7  75 30 42 oder www.dasletztekino.de

Der Wilhelmshorster war einst Kamera-Assistent bei der Defa und wurde zur Weiterbildung geschickt, um Filmvorführer zu werden. Den Beruf übt er in der DDR nie aus. Die Mauer fällt und er klappert in Westberlin die Kinos ab. Am Kuhdamm hat er Glück. Vor vier Jahren kehrt er mit Familie in den Heimatort Wilhelmshorst zurück. In der Garage erschafft er den größtmöglichen Kontrast zum modernen Multiplex-Kino, das Besucher einsaugt und nach 100 Minuten wieder ausspuckt. Damms Kino ist persönlich und komfortabel. Dort erzählt der Filmvorführer noch Geschichten, der Gast darf die Beine hochlegen und bekommt Getränke gebracht. Und er hat die Chance, nach der Arbeit in einer ganz anderen Welt zu landen.

Von Jens Steglich

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