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Potsdam-Mittelmark Magnus Zellers Kunst auf 524 Seiten
Lokales Potsdam-Mittelmark Magnus Zellers Kunst auf 524 Seiten
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00:19 02.09.2017
„Staatsbegräbnis“ (1944, Öl auf Leinwand) von Magnus Zeller. Quelle: Privat/Helga Helm
Caputh

Als sich Magnus Zeller 1937 mit seiner Familie in Caputh niederlässt, hat der Maler (1888–1972) bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Im Ersten Weltkrieg war er an der Front, sah Not und Leid, was ihn zu erschütternden und tief berührenden Bildern inspirierte. Nachdem die Nationalsozialisten seine Bilder in ihrer Zeitung „Völkischer Beobachter“ als „seelisch lrank“ bezeichnet haben, fühlte sich Zeller von ihnen bedroht und suchte mit seiner Frau nach einem Rückzugsort auf dem Land. In Caputh fanden sie ihn. Vor 20 Jahren hat sich die Tochter des bekannten Malers und Ehrenbürgers von Caputh, Helga Helm, auf Spurensuche begeben, um mehr als 1500 Werke ausfindig zu machen und sie zu verzeichnen – eine Mammutaufgabe, wie sie es selbst beschreibt.

„Der totale Staat“ (1938, Öl auf Leinwand) Quelle: Privat/Helga Helm

Im Dezember gab sie nun ein 524 Seiten starkes Buch im Selbstverlag heraus. Eine werkbezogene Dissertation eines Kunsthistorikers existierte zwar schon, aber diese wurde nie veröffentlicht. „Ich wollte nicht, dass mein Vater vergessen wird“, sagt Helga Helm. Als sie Rentnerin wurde, begann sie also, den Nachlass von Magnus Zeller aufzuarbeiten, schaffte sich zunächst einen Computer an und brachte sich autodidaktisch bei, damit zu arbeiten. Das Werkverzeichnis enthält zwar teils farbige Abbildungen von den Zeller-Werken, ist aber kein Bildband, wie die 86-Jährige betont. „Es ist ein Nachschlagewerk für die wissenschaftliche Arbeit von Kunsthistorikern und daher auch nicht im Buchhandel erhältlich“, erklärt sie.

In 20 Museen hängen Bilder von Zeller

Im Werkverzeichnis sind die Arbeiten von Magnus Zeller in Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen und Skizzen sowie in Radierungen und Lithographien unterteilt. Die expressionistischen, teilweise aggressiven, sozialkritischen Gemälde Zellers sind heute bekannter als die in seinen späteren Lebensjahren entstandenen friedlichen Landschaftsbilder. Am geläufigsten sind Werke wie „Der totale Saat“ (1938) und „Staatsbegräbnis“ (1944), die er heimlich während der Nazi-Zeit malte. Diese befinden sich jetzt im Stadtmuseum Berlin. Sowohl seine systemkritischen Bilder, die er im Caputher Haus versteckt hatte, als auch seine frühen expressionistischen Bilder wie beispielsweise „Der Volksredner“ (1919) werden seit Kriegsende auch im Ausland oft reproduziert, wie Helga Helm berichtet.

Porträt der 15-jährigen Tochter Helga Helm (1946, Öl auf Sperrholz) Quelle: Privat/Helga Helm

In 20 Museen befinden sich heute Werke von Magnus Zeller. Der „Volksredner“ etwa ist im Los Angeles County Museum of Art zu sehen und auch im Museum der Yale-Universität im US-Staat Connecticut sowie in Estland hängen Arbeiten des Malers. Nach der Wende sei es schwierig gewesen, die Spuren seiner Werke zu verfolgen, schildert Helga Helm. „Viele sind verschollen und nur wenige konnten in letzter Zeit auf Auktionen entdeckt und ins Werkverzeichnis aufgenommen werden.“

Arbeitszimmer im einstigen Atelier eingerichtet

Die Caputherin forschte in Ausstellungskatalogen, unzähligen Briefen, in der Kladde ihres Vaters und fragte bei Privatbesitzern, die mal etwas ausgeliehen hatten, ob sie noch andere Werke von Zeller besitzen. Hilfe bekam sie dabei von ihrer Tochter und ihrer Enkelin. Ein persönliches Vorwort von Helga Helm führt in das Verzeichnis. Noch immer lebt sie in dem Haus ihres Vaters und hat sich ihr Arbeitszimmer in seinem einstigen Atelier eingerichtet, an dessen Wände Werke an Magnus Zeller erinnern.

Das Ende des Faschismus erlaubte es dem Künstler schließlich, wieder an die Öffentlichkeit zu treten. Ehrenamtlich arbeitete er zum Beispiel im Rat der Gemeinde Caputh und leitete sonntags in seinem Atelier den Malzirkel. Fast alle Schüler begleiteten ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1972. Sie waren dem Künstler sehr wichtig, wie seine Tochter erzählt.

Ausstellung zum 130. Todestag wünschenswert

Zum 100. Geburtstag von Magnus Zeller wurde im Jahr 1988 eine Ausstellung seiner Werke in der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle gezeigt. Zum 30. Todestag fand eine Schau im Ephraim-Palais der Stiftung Berliner Stadtmuseum statt, für die erstmals alle Werke aus Ost und West zusammengeführt worden sind.

In der Landeshauptstadt Potsdam gab es 1978 die letzte Personalausstellung von Magnus Zeller zu seinem 90. Geburtstag im heutigen Potsdam-Museum. Anlässlich des 130. Todestages im nächsten Jahr würde sich Helga Helm eine erneute Ausstellung in Potsdam wünschen.

Straße und Platz nach dem Maler benannt

Magnus Zeller wurde am 9. August 1888 in Biesenrode (Landkreis Mansfeld-Südharz) geboren und wuchs in einer protestantischen Pfarrer-Familie auf.

Von 1908 bis 1911 studierte er in Berlin Malerei und Plastik bei Lovis Corinth. 1912 stellte er erstmals Werke in Berlin aus und war ab 1915 beim Militär.

Mehr als 30 Jahre lebte und arbeitete Magnus Zeller in Caputh. In den 60er-Jahren wurde er Ehrenbürger.

Weitere 20 Jahre später wurde ein Platz in Potsdam im Schlaatz nach ihm benannt. In Caputh gibt es einen Magnus-Zeller-Ring.

Von Luise Fröhlich

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