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„Mama, ich hab’ Post vom Weihnachtsmann“

Reimar Wiefel ist der Seddiner Weihnachtsmann „Mama, ich hab’ Post vom Weihnachtsmann“

In Seddin nimmt der Weihnachtsmann die Wunschzettel der Kinder persönlich entgegen. Unter dem roten Mantel steckt Reimar Wiefel, seit 20 Jahren der Weihnachtsmann von Seddin. Wenn er mit seinem Gefährt unterwegs ist, winken ihm die Leute am Wegesrand zu. Wir haben nachgefragt, wie alles begonnen hat.

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Reimar Wiefel, geboren in Burg (Sachsen-Anhalt), hat in Seddin eine Weihnachtswelt mit Weihnachtsmannhütte und Glühweinstand erschaffen.

Quelle: Christel Köster

Seddiner See. Der Legende nach wird der Weihnachtsmann im hohen Norden vermutet, irgendwo im Polarkreis. Seddiner Kinder wissen es besser: Er lebt gleich in ihrer Nähe – am Waldrand in Seddin. Dort, im Rüdigerweg 14, hat Knecht Ruprecht eine Hütte und eine Garage für seinen Schlitten, der freilich vier Räder hat. Schließlich liegt Seddin nicht am Polarkreis und in Zeiten des Klimawandels kommt auch der Mann im roten Mantel auf Kufen nicht weit.

Wer nicht an den Weihnachtsmann glaubt, sollte heute, 17 Uhr, zur Weihnachtsmannhütte kommen. Und nicht vergessen: Wunschzettel mitbringen! In Seddin nimmt Santa Claus die Wünsche persönlich entgegen. Wie es den Weihnachtsmann dorthin verschlug, ist eine lange Geschichte, die Reimar Wiefel kennt. Der 71-Jährige ist ein Mann mit zwei Identitäten. Ein bisschen wie Batman, der tagsüber ein normales Leben führt und nachts die Welt rettet. Reimar Wiefel verwandelt sich jedes Jahr zur Adventszeit in einen Weihnachtsmann und macht die lokale Welt um ihn herum ein bisschen herzlicher. In der Zeit empfängt er in seiner Hütte Kinder mit ihren Wunschzetteln oder ist mit Mukki unterwegs, um Kitas zu besuchen. Dann winken ihm die Leute am Wegesrand und bewundern Mukki, den Schlitten auf Rädern, der ein Trecker der Marke Eigenbau ist – mit Robur-Motor und Festbeleuchtung.

Angefangen hat alles vor 20 Jahren. Die Nachbarin von Reimar Wiefel steht aufgeregt vor dem Tor: Der Weihnachtsmann, der Kleinmachnows Albert-Schweitzer-Förderschule besuchen sollte, kommt nicht. Ihr Sohn geht dort zur Schule. Der Nachbar soll helfen, sträubt sich aber noch. Reimar Wiefel fährt dann doch mit nach Kleinmachnow: „Du kannst die Kinder ja nicht im Stich lassen.“ Als er eintritt und sein Glöckchen erklingen lässt, bricht Jubel aus. Es ist ein unvergessener Moment, der Reimar Wiefel zum Weihnachtsmann macht. Die Förderschüler werden im später Bilder malen, die heute noch in der Weihnachtsmannhütte hängen. Und sein bejubelter Auftritt spricht sich herum. Er hört öfter den Satz: „Reimar, du musst auch zu uns kommen!“

20 Jahre später stapeln sich wieder Wunschzettel bei ihm. Und Kinder, die ihn den 1990er Jahren besuchten, kommen jetzt mit eigenem Nachwuchs vorbei. Seddins Weihnachtsmann unterhält sich an seiner Hütte mit jedem Kind. Bei ausgefallenen Wünschen – „ich möchte ein Pferd haben“ – nimmt er Blickkontakt mit den Eltern auf. Manchmal wird der Wunsch dann mit ihrer Hilfe „etwas verkleinert“. An Stammgäste schickt er Einladungen zur Wunschzettel-Übergabe. In mancher Wohnstube bricht dann Jubel aus: „Mama, ich hab’ Post vom Weihnachtsmann.“

Noch zwei Wunschzettel-Termine

Kinder aus der Region haben noch zwei Mal die Chance, dem Seddiner Weihnachtsmann ihre Wunschzettel zu übergeben: am heutigen Samstag, 17 Uhr, an der Weihnachtsmannhütte im Rüdigerweg 14 in Seddin und wegen der großen Nachfrage nochmals am 14. Dezember zur gleichen Zeit.

Am 28. November hat er 54, am 5. Dezember 74 Wunschzettel bekommen.

Am 24. Dezember übergibt der Weihnachtsmann dann auch Geschenke. Eltern können ein Geschenk je Wunschliste vorher vorbeibringen. Mehr Infos: www-weihnachtsmann-seddin.de

 

Die Wünsche haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, sagt er. Manchmal hat der Weihnachtsmann Schwierigkeiten, wenn von I-Phones oder Tablets die Rede ist. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Mädchen, das ohne Wunschzettel kam. Sie sagte ihm ins Ohr: „Bitte mach’ meine Oma gesund und mach, dass mein Vati wieder Arbeit bekommt.“ Der dritte Wunsch sei für sie: „Ich möchte Schnee haben.“

Eveline Wiefel, die Frau des Weihnachtsmanns, kann sich noch an ein Jahr erinnern, als Kinder, Eltern und Knecht Ruprecht im Chor riefen: „Frau Holle, aufstehen! Betten schütteln!“ Zwei Minuten später fing es an zu schneien.

Von Jens Steglich

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