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Mauerteile für Südkorea

Teltow Mauerteile für Südkorea

Fünf graue Betonklötze deutscher Geschichte gehen vom Klöster Bauunternehmen Teltow aus als Symbole in das noch geteilte asiatische Land. Nachdem die Mauerteile schon verschifft worden sind, fand am Dienstag der offizielle Akt der Schenkung statt.

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Klösters-Chef Elmar Prost überreicht Südkoreas Minister Kim Hyungsuk im Beisein von Landrat Wolfgang Blasig die Schenkungs-Urkunden für die Mauerteile.

Quelle: Martin Steger

Teltow. Ein Termin mit großem Symbolgehalt am Dienstag in Teltow: Einen Tag nach dem deutschen Einheitsfeiertag nahm der stellvertretende Minister des Ministeriums für Wiedervereinigung der Republik Korea, Kim Hyungsuk, die Schenkungsurkunden für fünf Teile der einstigen Berliner Mauer entgegen. Die fünf grauen Brocken sind bereits auf dem Weg nach Seoul. Zwei von ihnen sollen im Wiedervereinigungsministerium aufgestellt werden und drei bekommen im Bezirk Dobong der südkoreanischen Hauptstadt einen würdigen Platz. Das sicherte Minister Hyungsuk zu.

Man werde sich immer „an Ihren Namen erinnern“, sagte er an Elmar Prost gewandt. Der Geschäftsführer des Baustoffunternehmens Klösters in der Teltower Oderstraße verschenkt die „immer weniger und deshalb wertvoller werdenden Teile“ nach Korea, um den Menschen dort „zu helfen, das Ziel der Wiedervereinigung nicht aus den Köpfen zu verlieren“. Für die Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea wünsche er, „dass sie so friedlich ist, wie in Deutschland“, so Prost. Für ihn sei die Schenkung zudem ein „Zeichen der Dankbarkeit für das, was unserem Volk nach mehr als 26 Jahren“ durch die deutsche Einheit ermöglicht wurde. Und auch Zeichen seiner „persönlichen Dankbarkeit, „was ich erleben und erreichen durfte“, so der Westdeutsche, der im Osten investiert hat und arbeitet.

Von den einstmals 217 Mauerteilen auf seinem Betriebsgelände sind noch knapp 70 Teile zu haben. Sein Ziel, dass die Teile in die Welt gehen mögen, hat er längst erreicht. Sie stehen in Städten Europas ebenso wie in den USA und Australien, künftig auch in neuseeland und Sri Lanka.

Der Gast aus Korea, der am Montag auch beim zentralen Festakt in Dresden weilte, bezeichnete den 3. Oktober als einen „wunderbaren Tag“ für Deutschland und sagte, dass es trotz „verschiedener Differenzen“ beider Staaten das gemeinsame Erleben von Teilung und dem Bestreben, diese zu überwinden gebe. Es sei „sehr bedauerlich, dass Nordkorea einen anderen Weg gehe“ und Raketenabschüsse fortsetze. „Trotzdem bemüht sich Südkorea friedlich um die Vereinigung“, so Minister Hyungsuk. Der Mut der DDR-Bürger möge eine „wichtige Inspiration sein für unser Brudervolk im Norden“, sagte er.

Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD) warnte davor, die deutsche Wiedervereinigung als „Blaupause“ zu nutzen. Man dürfe auf dem Weg zur Einheit nicht vor Rückschlägen zurückschrecken und nicht glauben, dass es nach der Vereinigung „gleich allen gut geht“. Die Koreaner müssten das Interesse an der Wiedervereinigung aber „wachhalten und weiter werben“. Dafür sei „etwas in Stein Gehauenes mit Symbolik genau das Richtige“, so Blasig, der gern noch die Wiedervereinigung von Korea erleben möchte.

Eingeladen zu dem kleinen Schenkungszeremoniell war auch der französisch-deutsche Maler Thierry Noir. Er hat insgesamt drei Mauerteile auf Klösters Hof bemalt; eins steht heute in Südkorea und eins in Los Angeles vor der Tür des Schauspielers Thomas Kretschmann, der als junger Mann aus der DDR geflüchtet ist. Ein drittes Teil liegt noch in Teltow. Dort will er es reparieren, weil es mit einem hässlichen Graffito beschmutzt worden ist.

Der französisch-deutsche Maler Thierry Noir hat die Berliner Mauer auf Westseite schon in den 1980er Jahren bemalt

Der französisch-deutsche Maler Thierry Noir hat die Berliner Mauer auf Westseite schon in den 1980er Jahren bemalt. In Teltow hat er insgesamt drei Mauerteile verziert. Hier steht er an dem dritten, das noch auf dem Teltower Betriebsgelände liegt.

Quelle: Martin Steger

Der heute 58-Jährige hatte 1984 begonnen, die „scheußliche Mauer“ abschnittsweise von oben bis unten zu bemalen. 1982 war er nach Berlin gekommen, wo er im amerikanischen Sektor gelebt und die „Tristesse an der Mauer“ ständig vor Augen hatte. „Ich werde krank im Kopf, wenn ich das sehe“, habe er damals gedacht und zur Farbe gegriffen. Auch gegen den Widerstand deutscher Künstler damals. Heute seien er und seine Kunst anerkannt. „Dabei war ich gar nicht nach Berlin gekommen, um die Mauer zu bemalen“, so Noir, der sich eigentlich mal als Arzt oder Innenarchitekt ausprobieren wollte. Inzwischen will man, dass er Beton oder Leinwände überall bemalt – etwa in New York, in London, wo es gar schon eine kleine Noir-Gallery gibt, oder in Berlin.

Berliner Mauerteile überall in der Welt

Schon im Jahr 2013 waren Mauerteile aus Teltow nach Südkorea verschifft worden. Damals gingen vier originale Segmente der Berliner Mauer, eins davon bemalt, die anderen grau, in einen Freiheitspark in der Stadt Uijeongbut.

Inzwischen sind Mauerteile vom Klösters-Gelände am Teltowkanal auch in die USA, nach Georgien, Norwegen, Singapur und Australien gegangen. Demnächst treten zwei tonnenschwere Teile die Reise nach Neuseeland an und eines nach Sri Lanka.

Selbst der ehemalige DDR-Schwimmer Thomas Kretschmann, der mit 19 Jahren über Ungarn, Jugoslawien und Österreich nach Westdeutschland geflohen und später Schauspieler wurde, hat ein Mauerteil. Es steht vor dem Eingang zu seinem Haus in Hollywood.

Wer die Wege von Mauerteilen verfolgen will, ist auf der Internetplattform von Rainer Janicke richtig. Seit zwei Jahren kann man auf rja@the-wall-net.org verfolgen, wo der alte deutsche Beton einen neuen Platz bekommen hat.

Von Claudia Krause

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