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Mediziner helfen in der Not auch ohne Strom

Bad Belziger Mediziner in Gambia Mediziner helfen in der Not auch ohne Strom

Malaria, Schlangenbisse, kein staatliches Gesundheitssystem – die Zustände im westafrikanischen Gambia sind für Mitteleuropäer schwer vorstellbar. Ein Verein reist mit medizinischem Fachpersonal mehrmals im Jahr in das kleine Land, um vor Ort zu helfen. Eine Bad Belziger Gruppe kehrte nun aus Gambia zurück und sprach von ihren Erfahrungen.

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Sprechstundenhilfe Ramona Mai, Endoskopieschwester Annette Braune, Laborantin Gabriele Langer (v.l.n.r.)

Quelle: foto: privat

Bad Belzig. Zehn Tage lang weilte eine achtköpfige Reisegruppe aus Bad Belzig im westafrikanischen Gambia – allerdings nicht im Urlaub. Kinderarzt Burkhard Kroll, Laborantin Gabriele Langer, Physiotherapeutin Heike Böhm und ihre Mitstreiter haben in dem westafrikanischen Land in einem Krankenhaus gearbeitet.

Der Verein Gesundheitshilfe Gambia aus Brandenburg an der Havel organisiert diese ehrenamtlichen Reisegruppen bereits seit 2005. Vor drei Jahren machte sich erstmals eine Gruppe aus Bad Belzig auf den Weg ins Tallinding Health Center, behandelte dort unentgeltlich Menschen, die mit Malaria infiziert sind oder von einer Schlange gebissen wurden. „Wir sehen dort Krankheitsbilder, die wir hier nie zu Gesicht bekommen würden“, sagte Heike Böhm. Die Physiotherapeutin gehörte zu den Medizinern, die im November schon zum zweiten Mal nach Gambia reisten. „Es sind tragische Fälle dabei“, so Böhm, „bei denen man auch hätte helfen können, wenn man früher dagewesen wäre.“

Die Deutschen behandeln tragische Fälle

46 Kilogramm Gepäck pro Person brachte das medizinische Personal mit nach Gambia. Medikamente, Untersuchungsinstrumente, Desinfektionsmittel – allesamt Spenden von Ärzten und Apotheken aus der Region.

Auch Gabriele Langer packte Kittel und Handschuhe ein, ebenso wie Heike Böhm war sie bereits zum zweiten Mal in Tallinding. Langer sieht die Entwicklungen im bettelarmen Gambia. „Vor drei Jahren gab es deutlich weniger feste Gebäude als jetzt“, berichtete Langer. Als Laborantin führte sie im Health Center unzählige Malariatests und Blutabnahmen durch. Zugleich versuchte sie, etwas System ins Labor zu bringen. „Gar nicht so einfach“, sagte Langer, „der Staub aus der Wüste setzt sich überall fest, die Mikroskope verdrecken dadurch.“ Auch der regelmäßig ausfallende Strom und das fehlende Leitungswasser machte den Entwicklungshelfern zu schaffen. „Aber Mikroskope funktionieren auch ohne Strom – man hält einfach eine Taschenlampe drunter“, so Langer über die Improvisationskünste in Gambia.

Im Westen Afrikas

Mit 11 000 Quadratkilometern ist Gambia der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1,7 Millionen Menschen.

Die Bevölkerung ist zu 90% muslimischen Glaubens.

Nur etwa 40% der Menschen in Gambia können lesen und schreiben.

Gambia ist ein sehr armes Land. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 411 US$ im Jahr, in Deutschland liegt es mehr als 100 Mal so hoch.

Der Verein Gesundheitshilfe Gambia informiert auf seiner Homepage über seine Arbeit: www.gambia-gesundheitshilfe.de

Die Krankenschwester Annette Braune hingegen besuchte Gambia zum ersten Mal. „Ich war auf einer Infoveranstaltung des Vereins und habe sofort zugesagt“, so Braune, „erst danach habe ich überlegt, ob es so klug ist, mit völlig fremden Menschen Entwicklungshilfe leisten zu wollen.“ Ihr fiel sofort auf, wie gut das Health Center organisiert war. „Es gab ganz schlichte Medikamententüten, die schnell zu falten waren, so dass nichts durcheinander kommt“, sagte Braune, die in Gambia das Infusionszimmer betreute. Vor allem Malariainfizierungen bekam sie zu sehen.

Gute Organisation fiel auf

Die auch Sumpffieber genannte Tropenkrankheit wird durch Parasiten übertragen und führt unbehandelt zum Koma oder Tod des Patienten. „Ich hatte da viel zu verarbeiten“, sagte Annette Braune, doch trotzdem stehe es außer Frage, dass sie wieder nach Westafrika reisen möchte: „Ich bin gespannt, wie es in ein paar Jahren dort aussieht“, so die Krankenschwester.

In Gambia gibt es keine staatliche Gesundheitsversorgung, jede Behandlung muss privat bezahlt werden. Der Verein Gesundheitshilfe Gambia reist zwei- bis dreimal pro Jahr mit medizinischem Personal ins Tallinding Health Center, um vor Ort Unterstützung zu leisten.

Von Saskia Popp

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