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Mehr Straßen sollten nach Frauen benannt sein

Potsdam-Mittelmark Mehr Straßen sollten nach Frauen benannt sein

Wie sagte einst Johannes Rau zu einem ähnlichen Thema: „Wie sollen wir das denn nennen? ’Dem-Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion’?“ Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Potsdam-Mittelmark fordert jedenfalls, dass Straßen häufiger nach verdienstvollen Frauen benannt werden sollen. Der erste Bürgermeister hat bereits reagiert.

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Straßenschild in Neuruppin: Hier gibt es eine Käthe-Kollwitz-Straße.

Quelle: Reyk Grunow

Treuenbrietzen. Frauen sollten im Landkreis Potsdam-Mittelmark häufiger mit Straßennamen gewürdigt werden. Das fordert Theresa Pauli, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises. In einem Schreiben an die Kommunen ruft sie dazu auf, zu prüfen, ob neu angelegte oder vorhandene Straßen nach verdienstvollen Frauen benannt werden könnten.

Die Analyse der gut 6000 Straßennamen und Plätze im Landkreis ergab nämlich: Nur 1,2 Prozent tragen Namen einer Frau. Bei Männern sind es 7,3 Prozent. „Hier spiegelt sich das klare Missverhältnis. Frauen sind in der Öffentlichkeit weniger sichtbar“, bedauert Pauli.

Dabei habe es trotz aller Widerstände in früheren Epochen verdienstvolle Frauen gegeben, die in der Region gewirkt oder etwas für die Gesellschaft geleistet haben. Als Beispiele nennt sie Annemirl Bauer, eine regimekritische DDR-Malerin, die in Niederwerbig im Amt Niemegk lebte, oder die Belziger Kantorin und Ehrenbürgerin Thea Labes.

Viele der im Straßenbild unsichtbaren Frauen seien ihrer Zeit voraus gewesen, hätten Mut und Widerstandskraft bewiesen und setzten sich gegen traditionelle Rollenbilder durch. „Damit ebneten sie auch den Weg für erfolgreiche Frauen heute, solche ermutigenden Vorbilder braucht es – auch beim täglichen Gang durch den Ort“, findet Pauli.

Je städtischer, desto mehr Persönlichkeiten

Angesichts der vielen geplanten Neubaugebiete im Landkreis ermuntert sie die gewählten Volksvertreter in den kreisangehörigen Kommunen: „Die Chance, die Straßen in diesen Gebieten nach Frauen zu benennen, ist jetzt da!“

Die Mehrzahl der Straßennamen seien historisch oder landschaftlich geprägt. Wie der Petriwinkel in Ziesar oder die Feldstraße in Brück. „Je städtischer der Ort, desto mehr Straßen sind nach Persönlichkeiten benannt, hat die Kreisverwaltung festgestellt.“ In Teltow und Stahnsdorf tragen immerhin schon rund fünf Prozent der Straßen und Plätze Namen von Frauen. Gezählt wurden dort aber auch „Elisabethstraße“ und ähnliche Varianten. Auch sei das Straßenbild in Borkwalde besonders weiblich geprägt. Immerhin werde dort jede zehnte Straße vom Name einer Frau geziert, hat die Gleichstellungsbeauftragte festgestellt.

Karl Marx ist Spitzenreiter der Männer

Spitzenreiter unter den männlichen Namen im Landkreis ist indes Karl Marx mit elf nach ihm benannten Wegen, Plätze und Straßen. Gefolgt wird er von Theodor Fontane, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Ernst Thälmann mit jeweils zehn Benennungen. Bei den Frauennamen liegt Rosa Luxemburg vorn mit fünf Benennungen, gefolgt von Clara Zetkin mit drei von insgesamt 77 weiblichen Straßennamen.

Die Anregung der Gleichstellungsbeauftragten hat Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) jetzt an die Stadtverordneten weitergereicht. Die Fraktionen sollten Vorschläge unterbreiten, „über die dann diskutiert wird“. Aktuell gebe es jedoch keinen konkreten Bedarf zur Benennung neuer Straßen in der Stadt.

Von Thomas Wachs

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