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Potsdam-Mittelmark Wappen als Zeichen der Identität
Lokales Potsdam-Mittelmark Wappen als Zeichen der Identität
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00:05 16.05.2017
Bei der Arbeit an einem Entwurf zieht Michael Holstein regelmäßig auch Fachliteratur mit heran. Quelle: H. Helwig
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Schäpe

„Wappen sind ein festes Symbol für gemeinsame Werte, für Identität und Beständigkeit“, sagt Michael Holstein aus Schäpe. Der gebürtige Hesse, der aus Frankfurt am Main ins Märkische zog, hat neben seiner Arbeit in einem großen Pharmakonzern in Berlin sein Hobby zu einem Nebenjob gemacht. Gemeinsam mit dem Grafikdesigner Ismet Salahor, einem früheren Schulfreund, entwirft Holstein Wappen und Signets für Kommunen, Firmen und Familien. In Schäpe berät er seine Kunden bei der inhaltlichen Gestaltung ihres Wahrzeichens, recherchiert für sie in Chroniken und Unterlagen und kümmert sich um die Eintragung eines Wappens in die Deutsche Wappenrolle des Herold. Sein Geschäftspartner in Frankfurt am Main übernimmt anschließend die grafische Ausführung.

„Nach der Wende gab es in Ostdeutschland einen großen Trend, eigene Wappen zu führen“, erklärt Holstein. Auch in Schäpe kam irgendwann der Wunsch auf, sich ein eigenes Wahrzeichen zuzulegen. Ortsvorsteher Axel Grüsner rief 2014 die Einwohner seines Dorfes zu einem Gestaltungswettbewerb auf. Unter den 20 Vorschlägen aus dem ganzen Ort belegte Holstein mit seinem Entwurf den 2. Platz. Er bot sich an, bei der Erarbeitung und der Beantragung eines Ortswappens mitzuarbeiten und nahm den Kontakt zum Herold auf. Der wissenschaftliche Heraldikverein entscheidet über die Zulassung eines Wappens oder Signets.

„Es macht uns großen Spaß, etwas Bleibendes zu schaffen. Für die Gestaltung unseres Ortswappens haben wir tief in die Chronik geschaut und uns ausführlich mit Einwohnern über die Alleinstellungsmerkmale unterhalten, die Schäpe von anderen Dörfern unterscheiden“, erinnert Holstein. Ein Wappen, das mit einem anderen, bestehenden verwechselt werden kann, lässt der Herold erst gar nicht zu, sagt er. Auch die anderen Beelitzer Ortsteile haben inzwischen eigene Sinnbilder bekommen oder ihr Interesse daran angemeldet.

In Vorträgen und Seminaren hat sich Holstein das Wissen über die Wappenkunst angeeignet und ist dem Heraldikverein beigetreten. Mit seiner Hilfe kann er jetzt Wahrzeichen gleich so entwerfen, dass sie genehmigungsfähig sind. „Ziffern und Buchstaben oder moderne Elemente dürfen da nicht mit hinein.“ Form und Gestaltung müssen der Zeit des Mittelalters entsprechen, in der die Schilde der Ritter die Vorbilder der späteren Wappen waren, berichtet Holstein. Durch die Visiere der Rüstungen konnte niemand den Freund vom Feind unterscheiden. Nur an den Schilden hatte man sich damals erkannt. Fluggeräte habe es seinerzeit aber noch nicht gegeben, spöttelt der Heraldiker ein wenig über den Propeller im Borkheider Wappen.

Etwa ein halbes Jahr Vorbereitung brauchen Holstein und Salahor, bis sie einen fertigen Entwurf präsentieren können. Die direkte Arbeit am Wappen verteilt sich auf insgesamt zehn bis fünfzehn Stunden, verteilt auf zwei Tage. Etwas länger kann es dauern, wenn Familien aufwendigere Motivwünsche für ihr Wahrzeichen haben. „Die Kunst liegt darin, im Wappen mit so wenig Mitteln wie möglich so viel wie möglich zu erzählen.“

Aber jedes Wappen ist ein Unikat und noch echte Handarbeit, sagt Holstein. Schablonen können die Wappenkünstler in ihrer Arbeit nicht verwenden. Für dieses Jahr stehen noch vier bis fünf Orts- und zwei bis drei Familienwappen auf ihrem Auftragsblock.

Der Herold ist Deutschlands ältester Heraldikverein

Der Herold ist einer von sechs Heraldikvereinen in Deutschland. Er ist am ältesten und nach Holsteins Meinung am wissenschaftlichsten.

Als Tingierung bezeichnet der Heraldiker die Farbauswahl für ein Wappen. Meist werden nur die Grundfarben verwendet. Die Grundfläche ist immer einfarbig, außer wenn das Wappen geteilt ist.

Eine Blasionierung ist eine kurze Beschreibung des Wappens in möglichst ein bis zwei Sätzen. Sie muss aber so genau formuliert werden, dass sich der Gestalter das Wappen vor seinem geistigen Auge vorstellen kann, ohne es jemals gesehen zu haben.

Bei Familienwappen braucht der Herold zur Prüfung Informationen über zwei Generationen der Familie (Vater, Großvater), über die Herkunft der Familie, über Berufe und besondere Merkmale.

Die Preise für ein Ortswappen liegen bei Holstein und Salahor im Durchschnitt bei etwa 1300 Euro plus Mehrwertsteuer. Familienwappen kosten je nach Aufwand rund 2500 bis 3500 Euro.

Von Heinz Helwig

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