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Potsdam-Mittelmark Riesenandrang bei Flüchtlingsdebatte
Lokales Potsdam-Mittelmark Riesenandrang bei Flüchtlingsdebatte
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07:22 04.06.2015
Volles Haus. Viel mussten stehen bei der Bürgerversammlung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Michendorf.  Quelle: Foto: Bernd gartenschläger
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Michendorf

 So voll war das Michendorfer Gemeindezentrum wohl noch nie: 450 Menschen kamen nach Polizeiangaben am Mittwochabend zur Einwohnerversammlung, um mehr über die Unterbringung von 100 Asylsuchenden in der Sporthalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums zu erfahren und ihre Fragen loszuwerden. 250 fanden im Saal Platz, alle anderen standen an den Seitenflügeln oder an den Eingängen.

Potsdam-Mittelmarks Sozialdezernent Thomas Schulz erklärte in einer anfangs angespannten Atmosphäre die Notlage des Kreises, die zur Entscheidung führte, die Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. „Wir haben am 7. Mai erfahren, dass wir 400 Menschen mehr als geplant aufnehmen müssen“, so Schulz. Er sprach mehrfach von einer vorübergehenden Notlösung. „Unsere Planung ist, dass die Halle zum Schuljahresanfang wieder für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung steht. Wir werden die Asylsuchenden dann in Unterkünften unterbringen, die wir jetzt noch nicht haben.“ Geplant ist etwa, in einer früheren Kaserne in Damsdorf 600 Menschen einzuquartieren. Schulz sprach auch von Containern, die an anderen Flüchtlingsunterkünften zusätzlich aufgestellt werden sollen, „damit die Turnhalle wieder für den Zweck genutzt wird, für den sie der Kreis gebaut hat“. In die Sporthalle sollen am 11. Juni die ersten 30 Asylsuchende eintreffen. „Es werden Familien mit Kindern sein.“

Hilfsangebote der Einwohner

Der Dezernent bat eindringlich die Michendorfer, zu versuchen, Kontakt zu den Asylbewerbern zu suchen und wer hat, freien Wohnraum dem Kreis für eine Anmietung anzubieten. Am Ende zeigte er sich überrascht über die Hilfsangebote, die im Laufe des Abends geäußert wurden. Eine häusliche Krankenpflege bot an, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge zu übernehmen. Kunstschmied Michael Soika will Wohnraum zur Verfügung stellen. Die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge in Michendorf wollen etwa Sprachkurse und Spielnachmittage für Flüchtlingskinder organisieren. Laut Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) hat die Kommune Räume, um Willkommensklassen ins Leben zu rufen.

Landkreis verfügt derzeit über 931 Plätze

Derzeit stehen dem Landkreis Potsdam-Mittelmark nach eigenen Angaben 931 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung. Aufnehmen muss er dieses Jahr 1162 Asylsuchende.

In der Sporthalle des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums sollen 100 Flüchtlinge vorübergehend eine Bleibe finden. Geplant ist zudem, in einer früheren Kaserne in Damsdorf 600 Menschen unterzubringen.

Die Zweifeld-Halle wird durch Wände, die in Leichtbauweise entstehen, in drei Areale eingeteilt, um Familien, Frauen und Männer getrennt unterzubringen. Auch Gemeinschaftsräumesollen so eingerichtet werden.

Sporthalle wie Gymnasium sind Einrichtungen des Landkreises. Die Turnhalle, die erst 2008 gebaut worden war, wurde aber auch von Sportvereinen aus Michendorf genutzt.

Dass die Halle nur kurz genutzt werde, wollten nicht alle glauben. Es kamen hier Versprechen, „obwohl Sie selbst sagen, dass Sie nicht wissen, was in drei Monaten sein wird“, hieß es. Eine Frau mahnte an, sich um leerstehende Wohnblöcke und frühere Kasernen etwa in Groß Kreutz, Golzow und Brück zu bemühen, bevor Sporthallen genutzt werden. Gewarnt wurde auch vor möglichen Folgen fürs Gymnasium, wenn der Sportunterricht längere Zeit eingeschränkt bliebe. „Ich hoffe, dass alles daran gesetzt wird, dass Menschen, die Hilfe brauchen, sie in Michendorf auch bekommen“, sagte Schuldirektor Hendrik Reinkensmeier. „Für uns als Schule wäre es schlimm, wenn die Anmeldezahlen zusammenbrechen würden. Der Landrat hat mir aber zugesichert, dass die Halle mit Schuljahresbeginn wieder zur Verfügung steht.“

Ein Anwalt sah das Brandenburger Schulgesetz unbeachtet, wonach eine zweckfremde Nutzung von Sporthallen verboten sei, wenn sie den Unterricht beeinträchtige. „Für uns als Eigentümer der Halle war primär, in einer Notlage Flüchtlinge unterzubringen“, erwiderte Mittelmarks Sozialdezernent. Im Saal wurden auch Grundsatzfragen gestellt: „Jeder Blinde weiß, dass wir um Europa herum potenziell etwa 20 Millionen Flüchtlinge haben und nicht alle aufgenommen werden können“, sagte ein Wilhelmshorster. Das Problem harre einer Lösung.

Von Jens Steglich

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