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Michendorf A-10-Baustelle: „Viele haben das Nadelöhr unterschätzt“
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf A-10-Baustelle: „Viele haben das Nadelöhr unterschätzt“
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07:20 27.02.2019
Gerald Selinger ist Leiter der Verkehrspolizei in der Polizeidirektion West. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Im Bereich der Polizeidirektion West hat es im vergangenen Jahr alle 20 Minuten auf den Straßen gekracht, alle zwei Stunden wurde ein Mensch verletzt. Insgesamt registrierte die Polizei 25 970 Unfälle, 664 weniger als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Unfälle hat 2018 abgenommen, dennoch gab es mehr Verletzte und mehr Verkehrstote. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Gerald Selinger: Wir haben heute größere Fahrzeuge, die mehr Volumen haben und mehr Personen befördern können. Wenn solche Fahrzeuge in Unfälle verwickelt sind, steigt die Zahl der Verletzten pro Unfall automatisch an.

Wo sind die gefährlichsten Strecken im Gebiet der Direktion West?

Die südliche A 10 im Baustellenbereich zwischen den Dreiecken Potsdam und Nuthetal ist wegen des hohen Verkehrsaufkommens Unfallschwerpunkt Nummer eins. Es ist die Ost-West-Tangente, auf die auch die Fahrzeuge von der A 9 und der A 2 auffahren. Der Lkw-Verkehr hat auf der A 10 deutlich zugenommnen. Dort fahren Lastwagen ohne Ende und die Planungsgesellschaft Deges rechnet in der Prognose mit einer weiteren Zunahme um 20 Prozent in den nächsten Jahren.

Die gefährlichsten Stellen sind die Stau-Enden

Dicke Lastwagen sind nicht für Nadelöhre gebaut.

Ja, die Enge im Baustellenbereich kommt hinzu. Viele Kraftfahrer, nicht nur Lkw-Fahrer, haben unterschätzt, wie viel Aufmerksamkeit und fahrerische Fähigkeiten dieses Nadelöhr erfordert. Im Baustellenbereich auf der südlichen A 10 haben wir bisher aber keine Verkehrstoten zu verzeichnen – im dritten Jahr in Folge seit Einrichtung der Baustelle. Wir haben es dort meist mit Blechschäden und Leichtverletzten zu tun. Das hat etwas mit der gedrosselten Geschwindigkeit zu tun. Die gefährlichsten Stellen sind die Enden der Staus, die oft außerhalb des Baustellenbereichs liegen.

Im kurzen Baustellenabschnitt der A 10 gab es im vergangenen Jahr 1210 Unfälle, das sind mehr als auf den gesamten Abschnitten der A 2 und A 9 zusammengenommen. Haben die Ausbauplaner an der A-10-Baustelle Fehler gemacht, die zu diesen hohen Unfallzahlen beigetragen haben?

Für diese Frage bin ich nicht der Fachmann. Aber ich glaube nicht.

Zwei Spuren hätten zu noch längeren Staus geführt

War die Maßgabe, in der engen Baustelle möglichst immer drei Spuren pro Richtung zur Verfügung zu stellen, zu ambitioniert?

Wenn sie dauerhaft nur zwei Spuren zur Verfügung gestellt hätten, wäre es zu noch mehr Staus gekommen, die sich noch stärker auch auf das Umland ausgewirkt hätten. Ich habe nichts im Blick, wo ich sagen könnte: Das hätte man grundlegend anders machen müssen.

Die Lage an der A-10-Baustelle hat sich inzwischen etwas entspannt?

Ja, sie hat sich entspannt. Im Vergleich zu 2017 ist die Zahl der Unfälle um 75 leicht gesunken. Das liegt daran, dass ein Teilabschnitt in Richtung Dreieck Potsdam fertiggestellt ist. Der Baustellenbereich ist jetzt kürzer. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich die Leute, die regelmäßig diese Strecke fahren, ein bisschen an die Enge gewöhnt haben.

Hat der mobile Blitzer auf der A 10 die Autofahrer diszipliniert?

Eindeutig ja. Dieser Blitzer-Anhänger ist so konstruiert, dass er sieben Tage hintereinander blitzen kann, ohne dass er aufgeladen werden muss. Es spricht sich herum, wenn auf so einem Abschnitt verstärkt kontrolliert wird. Das merkt man ja auch selbst, wenn man auf der Autobahn fährt. Sobald Autofahrer an der Stelle ankommen, an der der Blitzer oft steht, gehen sie runter vom Gas.

Allein im Januar schoss der Blitzer 13 000 Bilder

Wie schnell waren die schlimmsten Raser im Baustellenbereich?

Wir hatten im 60er Bereich Fahrer, die mit Tempo 120 bis 130 unterwegs waren, wenn die A 10 mal nicht so stark frequentiert war. Wer doppelt so schnell fährt wie erlaubt, ist für eine Weile Fußgänger. Der Blitzer-Anhänger hat allein im Januar in Baustellen auf den Autobahnen im Bereich der Direktion West 13 000 Bilder geschossen. Das sind 13 000 Verstöße, die meisten an der A-10-Baustelle. Es sind aber nicht alles die hohen Geschwindigkeiten, die da gefahren wurden.

Wann löst das Gerät den Blitz aus?

Auf Autobahnen ab zehn Kilometer pro Stunde über dem Limit, außerhalb von Ortschaften ab acht. Innerhalb der Orte und im Baustellenbereich wird ab sechs Stundenkilometer über der Geschwindigkeitsbegrenzung geblitzt. Wir sind im vergangenen Jahr auf den Autobahnen aber auch verstärkt mit dem Videowagen Streife gefahren. 464 Verstöße wurden festgestellt. Die meisten davon waren Tempoüberschreitungen, das Fahren mit zu geringem Abstand, Handynutzung am Steuer und Fahrer, die rechts überholten.

Gibt es eine Problemgruppe, die besonders auffällt?

Da ragt keine Gruppe aus der Statistik heraus. Wir haben 2018 unter den jungen Fahrern zwischen 18 und 24 Jahren, die in Unfällen verwickelt waren, 1940 als Verursacher registriert. Bei der Generation der über 65-Jährigen waren es 3763. Da muss man aber dazusagen: In der Altersgruppe, die 65 Jahre und älter sind, fahren deutlich mehr Menschen Auto.

„Da sind Lastwagen dabei, die sofort stillgelegt werden“

Was erleben Polizisten bei Lkw-Kontrollen auf Autobahnen?

Wir haben für den Schwerverkehr eine Sonderüberwachungsgruppe, die auf den Autobahnen unterwegs ist und 2018 etwa 8500 Verstöße festgestellt hat. Da sind Lastwagen dabei, die sofort stillgelegt werden. Die werden von einer Firma abgeschleppt und müssen vor einer Weiterfahrt erst repariert werden.

Und der Fahrer muss laufen und sich ein Hotelzimmer besorgen?

Ersatzwagen und Hotelzimmer besorgen die Firmen der Fahrer, das ist schon geregelt.

Haben die Autofahrer inzwischen gelernt, bei Unfällen eine Rettungsgasse zu bilden?

Es ist wirklich besser geworden. Vor zwei Jahren mussten sich Rettungskräfte mitunter bis zum Unfallort regelrecht durchkämpfen. Wir hatten auch viele Kontrollen durchgeführt und Verstöße verstärkt geahndet. Aufklärungsarbeit und Kontrollen haben hier zu einer spürbaren Verbesserung beigetragen.

 

Unfallgeschehen in der Polizeidirektion West

Im Bereich der Polizeidirektion West wurden im vergangenen Jahr 25 970 Unfälle registriert, im Jahr zuvor 26 634. Das ist ein Rückgang um 2,5 Prozent.

Die Zahl der Verletzten stieg von 3584 im Jahr 2017 auf 3806. Auch die Zahl der Verkehrstoten ist gestiegen – von 32 (2017) auf 40.

Die meisten Unfälle im Direktionsbereich West passierten 2018 auf der A 10 – 2106 waren es dort, davon allein 1210 an der südlichen A-10-Baustelle. Auf der A 2 registrierte die Polizei 466 Unfälle, auf der A 9 waren es 507 und 253 auf der A 115.

Zur Polizeidirektion West gehören die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Havelland und Teltow-Fläming sowie die Städte Brandenburg an der Havel und Potsdam.

Das Straßennetz im Direktionsbereich umfasst 199 Kilometer Autobahnen, 701 Kilometer Bundesstraßen, 1254 Kilometer Landesstraßen und 643 Kreisstraßen.

 

Von Jens Steglich

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