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Michendorf Michendorfer laden zur ersten großen Boßel-Olympiade
Lokales Potsdam-Mittelmark Michendorf Michendorfer laden zur ersten großen Boßel-Olympiade
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08:33 11.01.2019
Halt, hier wird geboßelt: Sechs Aktivisten des Michendorfer Boßel-Teams mit Bollerwagen, Verkehrsschild, Kugeln, Eimer und Gummistiefel. Quelle: Jens Steglich
Michendorf

Die Michendorfer eifern den Kugelwerfern aus Ostfriesland nach, setzen bei ihrem Boßeln aber ganz eigene Akzente. Sie ziehen mit ungewöhnlichem Wettkampfgerät zur ersten regionalen Boßel-Olympiade, bei der sie es mit versierten Kugelschiebern aus der Nachbargemeinde Seddiner See zu tun bekommen. Neben den obligatorischen Kugeln werden bei der Michendorfer Version der norddeutschen Traditionssportart unter anderem auch Gummistiefel und Teebeutel zum Einsatz kommen. Premiere dieser Art des Boßelns ist am 19. Januar auf einem Waldweg bei Stücken. Den Eröffnungswurf übernehmen übrigens die Bürgermeister der beiden Gemeinden Michendorf und Seddiner See, Reinhard Mirbach (CDU) und Axel Zinke (parteilos).

„Gebildet werden bis zu vier Mannschaften“, sagte Bernhard Ehrentraut, Vorsitzender des Kunstvereins Michendorf, der die Regie beim Boßeln übernommen hat. Fest steht bereits, dass zwei Teams aus Michendorf und Seddin dabei sind und gegeneinander antreten werden. Bei aller sportlichen Konkurrenz soll aber der olympische Gedanke über den Kugelwerfern schweben: Dabei sein ist alles! Deshalb sind die Bollerwagen bei diesem Wettbewerb fast wichtiger als die Hartgummi-Kugeln, die beim traditionellen Boßeln geworfen werden. Wobei am Ende das Team gewinnt, das am wenigsten Würfe brauchte, um die 1,5 bis zwei Kilometer lange Strecke auf dem Ortolan-Rundwanderweg bei Stücken zu bewältigen.

Bollerwagen mit Reifendruckkontrollanzeige

Wie aber muss so ein Boßel-Bollerwagen ausgestattet sein? „Er hat vier Räder, an jeder Ecke eins und sollte außerdem eine Reifendruckkontrollanzeige haben“, sagt Armin Wolf, der sich gern so vorstellt: „Ich bin der einzige Wolf, der sprechen kann.“ In der Region ist er als Reifen-Wolf bekannt, was den Nachsatz zur Reifendruckkontrollanzeige erklärt. Armin Wolf führte eine Reifen-Firma, die nach seinem Ruhestand Teil des Autohofes in Michendorf geworden ist. Beim Boßeln tritt er für seine Heimatgemeinde an. Das Team hat als Motto ausgegeben: „Michendorf gegen den Rest der Welt.“

Mindestens so wichtig wie der Reifendruck ist die Ladung des Bollerwagens. Auf dem werden Speisen verstaut und die Getränke. Es gibt Glühwein, Saft und Bier mit und ohne Alkohol. Wer zum Aufwärmen zwischendurch einen Schnaps braucht, kann das Glas dafür bei sich tragen. Die Schnapsgläser sollen griffbereit an Bändern direkt am Körper hängen. Die Bänder werden extra fürs Boßeln hergestellt. „Ab morgen Abend wird gehäkelt“, sagt Verena Wolf, die Zuständige für die Bänder-Produktion.

Um beim Boßeln körperliche Vorteile von ausgewiesenen Weitwerfern auszugleichen, gibt es etwas andere Regeln. Das fängt schon am Start an: Die Michendorfer führen wie bei der Formel 1 so etwas eine Pole-Position ein und wollen die vorderen Startplätze an die besten Gummistiefel- und Teebeutelwerfer vergeben. Beim Gummistiefel-Zielwurf treten zwei aus jeder Mannschaft an: „Einer wirft den Gummistiefel, sein Teamkollege muss ihn mit einem Eimer auffangen“, erklärt Annelie Dessombes vom Michendorfer Team den ersten Härtetest.

Kniffe fürs Teebeutelweitwerfen

Wer den Stiefel nicht in den Eimer trifft, muss beim Boßeln einmal aussetzen. Bei den Gummistiefeln setzen die Michendorfer auf die kleine Version und wollen sich das Schuhwerk von den Enkelkindern borgen. „Wenn wir die Stiefel von meinem Mann nehmen . . .“, sagt Regina zum Wahlde und überlässt die Vollendung des Satzes dem Gatten: „. . . kann man den Fänger nur bedauern“. Ihr Mann hat Schuhgröße 50.

Auch fürs Teebeutel-Weitwerfen haben die Michendorfer einen Kniff parat. „Bei uns gibt es den Tee ohne Zucker, aber mit Bleigewichten“, sagt Ehrentraut. Soll heißen: Wer weit werfen will, muss den Teebettel schwerer machen und schummelt kleine Bleiteile mit hinein. Bei Rückenwind könnte das aber nach hinten losgehen, wendet Armin Wolf ein. Dann fliegt der leichte Teebeutel weiter. Ehrentraut wendet noch ein: „Von präparierten Teebeuteln wussten die Seddiner bisher nichts. Dieser Wettbewerbsvorteil ist jetzt dahin.“ Er ist trotzdem guter Dinge und hat so etwas wie einen Heimvorteil für die Michendorfer ausgemacht: „Bei uns treten zwei Wölfe, eine Frau Haase und eine Frau zum Wahlde an. Wir finden uns im Wald wirklich besser zurecht.“

Treffpunkt ist am 19. Januar um 10 Uhr am Landgasthof „Zu Stücken“ in der Stückener Dorfstraße. Von dort geht es im Shuttle-Bus zum Wettkampf in den Wald. Zuschauer sind willkommen, Mitspieler melden sich unter Tel. 033205/203 28 an.

Von Jens Steglich

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